Viele Experten warnen vor massiven Jobverlusten durch Künstliche Intelligenz. Nvidia-Chef Jensen Huang sieht die Entwicklung anders.
Tomohiro Ohsumi/Getty Images
Nvidia-CEO Jensen Huang ist überzeugt, dass KI vor allem einzelne Aufgaben automatisieren wird – nicht ganze Berufe.
Branchen wie Radiologie, Softwareentwicklung und Recht wachsen laut Huang trotz des zunehmenden KI-Einsatzes weiter.
Produktivitätsgewinne durch KI könnten seiner Ansicht nach langfristig sogar zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.
Jensen Huang hält wenig von Warnungen vor einem „Blutbad“ unter Angestellten durch Künstliche Intelligenz. Der Nvidia-CEO widersprach den düsteren Prognosen über KI während der Startup School des US-Start-up-Inkubators Y Combinator.
Dabei unterschied er klar zwischen einzelnen „Aufgaben“ und ganzen „Berufen“. KI werde zwar viele Aufgaben automatisieren – Arbeitsplätze aber nicht abschaffen.
„Jeder Beruf wird sich verändern, und es werden viele neue Jobs entstehen“, sagte Huang. „Die Erzählung, dass KI Arbeitsplätze vernichtet, ist genau umgekehrt.“
Als Beispiel nannte Huang eine typische Aufgabe im Kundenservice. Mitarbeiter nähmen Anrufe entgegen, bearbeiteten Beschwerden und antworteten auf Basis der Informationen in einer Datenbank.
„Diese Aufgabe wird automatisiert werden“, sagte er.
Tatsächlich zählt der Kundenservice zu den Bereichen, die besonders stark vom Einsatz von KI betroffen sind. Erst vergangene Woche strich Uber zehn Prozent der Stellen im Kundenservice und begründete dies mit dem Einsatz der Technologie.
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Aufgaben seien jedoch nicht mit Berufen gleichzusetzen, sagte Huang. „Der Grund dafür ist, dass jeder Beruf einem bestimmten Zweck dient – und dieser Zweck aus vielen einzelnen Aufgaben besteht.“
Als Beispiel führte er Radiologen an. Das Auswerten von Röntgen- oder MRT-Bildern sei eine Aufgabe, die inzwischen weitgehend automatisiert werden könne. Obwohl KI-gestützte Radiologie-Programme inzwischen leistungsfähig und weit verbreitet seien, bedeutete das nicht, dass Radiologen keine Aufnahmen mehr auswerteten. Im Gegenteil: Die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich steige weiter.
„Der Grund ist, dass der Rückstau an Patienten enorm ist“, sagte Huang. „Ärzte und Krankenhäuser können dadurch deutlich mehr Patienten behandeln.“
Auch Softwareentwickler werden weiter gebrauchtAls weiteres Beispiel nannte Huang die Softwareentwicklung – eine Branche, die durch KI besonders stark verändert wurde. Viele Programmierer schreiben heute nicht mehr jede Codezeile selbst, sondern steuern KI-gestützte Programmierwerkzeuge wie Claude Code oder Codex.
Das eigentliche Schreiben des Codes sei die Aufgabe, die automatisiert werde. Die Nachfrage nach Softwareentwicklern nehme dennoch weiter zu.
„Der Rückstau an Ideen, Ambitionen und Projekten ist riesig“, sagte Huang. „Wenn wir die Aufgabe des Programmierens automatisieren können, dann können wir mehr Softwareentwickler einstellen, damit sie noch mehr Dinge entwickeln.“
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Huang verwies außerdem auf das KI-Startup Harvey, das Software für die Rechtsbranche entwickelt.
Während einige befürchtet hätten, dass solche Programme Stellen für Rechtsanwaltsfachangestellte oder juristische Mitarbeiter verdrängen würden, wachse die Zahl dieser Arbeitsplätze seiner Aussage nach „rasant“.
Ganz eindeutig ist diese Entwicklung allerdings nicht. Nach Prognosen des US Bureau of Labor Statistics wird sich die Zahl der Beschäftigten in diesem Beruf zwischen 2024 und 2034 kaum verändern.
Widerspruch zu Anthropic-CEO Dario AmodeiMit seiner Einschätzung steht Huang im Gegensatz zu Anthropic-CEO Dario Amodei.
Amodei hatte 2025 prognostiziert, dass KI bis zu 50 Prozent der Einstiegsjobs für Angestellte überflüssig machen könnte.
Inzwischen hat er seine Aussagen etwas relativiert und betont stärker die Produktivitätsgewinne durch KI. Dennoch hält er Arbeitsplatzverluste weiterhin für eine mögliche Folge der Technologie.
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Huang stimmt zwar zu, dass Beschäftigte mit KI produktiver und schneller arbeiten werden. Seiner Ansicht nach könnte genau das aber zu mehr statt zu weniger Beschäftigung führen.
„Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie steigende Produktivität das Wachstum ankurbelt“, sagte Huang. „Und mehr Wachstum schafft mehr Arbeitsplätze.“
Lest den Originalartikel auf Business Insider US.
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