Kälte, Müdigkeit und schwere Muskeln: Michel Maier (15) will beim 24-Stunden-Schwimmen in Wasseralfingen 20 Kilometer schaffen.
Stand: 27.07.2026, 18:00 Uhr
Von: Michelle Podstawa

Kälte, Müdigkeit und schwere Muskeln: Michel Maier (15) will beim 24-Stunden-Schwimmen in Wasseralfingen 20 Kilometer schaffen.
Aalen-Wasseralfingen. Samstagmorgen (25. Juli), 9.30 Uhr. Die Sonne steht bereits über dem Spiesel-Freibad in Wasseralfingen und glitzert auf der Wasseroberfläche. Schon jetzt ist zu spüren: Es wird ein heißer Julitag. Michel Maier aus Rainau-Dalkingen ist nicht ins Freibad gekommen, um sich abzukühlen oder zu entspannen. Er hat ein anderes Ziel: Der 15-Jährige will zusammen mit 355 anderen Teilnehmern schwimmen – nicht nur ein paar Bahnen, sondern 24 Stunden lang.
Seit rund drei Jahren trainiert Michel bei der Aalener Sportallianz. Beim 24-Stunden-Schwimmen ist er zum ersten Mal dabei. In den vergangenen Jahren verhinderten Verletzungen oder Krankheit seine Teilnahme. „Deswegen hab ich jetzt richtig Lust, richtig mitzumachen“, sagt er voller Vorfreude.
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Michel will im Spiesel-Freibad 20 Kilometer schwimmenUm sich auf den Tag vorzubereiten, ist er neben seinem regulären Schwimmtraining vor der Schule laufen gegangen, "Eigentlich bin ich kein Langstreckenschwimmer, aber mal schauen. Vielleicht wird es ja heute trotzdem gut", sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Er wirkt selbstbewusst. Zudem hat er eingekauft: Lebensmittel mit einer hohen Kaloriendichte, viele Kohlenhydrate. Und koffeinhaltige Getränke – vor allem für die Nacht. Sein persönliches Ziel: die 20-km-Marke knacken. Das entspricht 400 Bahnen.
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Die ersten fünf Kilometer laufen nach PlanUm 10 Uhr fällt der Startschuss. Michel springt mit den anderen Teilnehmern ins Wasser, zunächst staut es sich etwas im Becken. Dann findet er seinen Rhythmus. Konzentriert zieht er Bahn um Bahn, scheinbar unbeeindruckt von allem, was um ihn herum passiert. Nach 38 Minuten stehen bereits 2,1 Kilometer auf seinem Konto – zu diesem Zeitpunkt Platz vier bei den Männern.
Nach etwas mehr als einer Stunde gibt Michel das erste Update: Das Wasser sei zwar kalt, aber er gewöhne sich daran. Er und sein Freund haben im Wasser einen Plan ausgearbeitet: „Wir machen immer nach fünf Kilometern Pause, um zu essen, zumindest bis wir die ersten 15 Kilometer voll haben." Außerdem schwimmt immer einer voraus, der andere nutzt den Wasserschatten. Nach jeweils einem Kilometer wechseln sie. „Quasi 1000 Meter Regeneration und 1000 Meter richtig Schwimmen", so Michel. Noch 1,5 km bis zur ersten Pause.
Mit Stöpseln im Ohr gleitet er fokussiert durch das Wasser. Beim Schwimmen hört er gerne Rock oder Pop, manchmal auch Rap. Besonders Linkin Park treibe ihn an. Um 11.40 Uhr ist es dann geschafft: die ersten fünf Kilometer. Es läuft gut. "Wir müssen vielleicht das Tempo drosseln, weil wir sehr schnell sind", Michel ist motiviert, aber er versucht, sich zu zügeln. Schließlich hat er noch einige Stunden vor sich.
Beim 24-Stunden-Schwimmen wird Essen zur Herausforderung
Die nächste Pause kommt früher als geplant. Der Freund von Michel muss mehr essen. Der Kalorienverbrauch gehört zu den Schwierigkeiten des Wettbewerbs: Pro 5-km-Block verbrennen die Jungs in etwa 1000 kcal - deswegen versuchen sie den Bedarf in den Pausen so gut es geht, zu decken. "Später kann es sein, dass ich einfach Nutella esse, das geht schnell", sagt Michel.
Eigentlich könnte er weiterschwimmen. Trotzdem bleibt er bei seinem Freund. "Wir ziehen uns einfach mit und ohne Wasserschatten", erklärt er. Zu diesem Zeitpunkt ist Michel auf Platz zwei unter den Männern – das weiß er allerdings nicht. Die Platzierung wird im Freibad nirgends angezeigt und er fragt auch nicht nach. Ihn interessiert nur das Ergebnis am Ende und seine eigene Leistung.
Michel steigt wieder ins Wasser. Zwischendurch kleine Essenspause. Nach acht Kilometern verlässt er die Schnellschwimmerbahn und nimmt etwas Tempo heraus. Zum ersten Mal machen sich die Stunden im Wasser deutlicher bemerkbar. „Das Energielevel ist gerade ziemlich gut, aber man merkt langsam den Rücken und dass die Muskeln schwerer werden.“
Nach zehn Kilometern ist Michel auf sich allein gestelltUm 15.30 Uhr hat Michel die ersten zehn Kilometer geschafft. Sein Freund ist inzwischen gegangen. Er hatte ohnehin nicht vor, die gesamten 24 Stunden zu schwimmen, und muss zu einem Termin. Von jetzt an ist Michel auf sich allein gestellt.
Bei Kilometer 13 zwingt ihn der Körper zur PauseEine Stunde später stehen 13 Kilometer auf der Uhr. Eigentlich wollte Michel erst bei 15 Kilometern wieder pausieren. Doch das Becken ist voll, und sein Körper meldet sich. Er vermutet, zu viel Wasser geschluckt zu haben, weil ihn ein Hustenreiz plagt.
Also steigt er aus. Seine Familie hat wie viele andere Teilnehmer ein Zelt auf der Liegewiese aufgebaut. Dort kann Michel essen, sich ausruhen – und Kraft sammeln für die Stunden, die noch vor ihm liegen.
Trotz Reizhusten: Im Wasser fühlt sich Michel freiCirca um 19 Uhr geht es weiter. Die Pause hat Michel genutzt, um zu dösen, zu essen "Ich bin auch bisschen rum gelaufen, damit meine Lunge etwas freier wird", sagt Michel. Der Reizhusten ist immer noch ein Problem. Trotzdem schwimmt er weiter, Pausen macht er zwischen durch nur noch, um seine Kopfhörer zu laden. Auch nach den vielen Stunden und Kilometern hat er noch Spaß am Schwimmen: "Es fühlt sich einfach gut an. Es ist auch anstrengend, aber das Gefühl im Wasser, selbst sein Tempo zu bestimmen ... wenn dann noch die Bahn frei ist, das ist einfach Freiheit", sagt Michel.
Michel erreicht die 20 Kilometer – und hört wenig später aufKurz nach 23 Uhr hat er es geschafft: Die 20 Kilometer sind geschafft, er hat sein persönliches Ziel erreicht. Zu diesem Zeitpunkt ist er unter den Männern auf Platz zwei. "Jetzt wird erst einmal Nutella gegessen, dann sehen wir weiter. Die Schultern sind wegen der Kälte zu. Meiner Lunge geht es beschissen", sagt Michel.
Nach seiner Pause – um zwei Uhr nachts – entscheidet Michel, dass er nicht mehr ins Wasser gehen wird. Inzwischen ist es kalt, vor allem wenn man nass aus dem Wasser steigt. Die Leistung der letzten Stunden sitzt ihm in den Knochen.
Erschöpft, aber zufrieden„Ich werde nächstes Jahr wieder teilnehmen und versuchen, mit mehr Taktik zu schwimmen. Vielleicht mache ich dann jede Stunde zwei Kilometer und ruhe mich dazwischen aus“, sagt Michel am nächsten Morgen mit müden Augen. Die Nacht steckt ihm noch sichtbar in den Knochen. In der Gesamtwertung lag Michel am Ende der 24 Stunden auf Platz 24. Unter den Männern war er auf Platz 11 und unter den Jugendlichen in seiner Altersklasse war er auf Platz drei. Die Teilnahme sei anstrengender gewesen, als er befürchtet habe. Sein persönliches Ziel hat er erreicht – und gleichzeitig schon einen Plan dafür, wie er es beim nächsten Mal noch besser machen will.
24-Stunden-Schwimmen in Zahlen- 356 Teilnehmer waren in diesem Jahr dabei. 2025 waren es noch 274.
- Der älteste Teilnehmer war Jahrgang 1947. Die jüngste Teilnehmerin war Jahrgang 2022.
- Gemeinsam legten alle Teilnehmer insgesamt 2.692.400 Meter zurück. Im Vorjahr waren es 2.341.800 Meter.
- Das 24-Stunden-Schwimmen fand in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Auch für 2027 ist eine weitere Auflage geplant.
Wertung:- ab 2,5 Kilometern gibt es eine Medaille. Wer zwischen 2,5 und unter 5 Kilometern schwimmt, erhält Bronze. Ab 5 bis unter 10 Kilometern gibt es Silber, ab 10 Kilometern Gold.
- Die Gewinnerin in der Gesamtwertung der Frauen Cora Heidenreich schwamm insgesamt 63,8 Kilometer
- Der Gewinner in der Gesamtwertung der Männer schwamm 30,1 Kilometer
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