Am Samstag beginnt die Tour de France der Frauen in Lausanne, neun Etappen später endet sie in Nizza. Mit dabei: Marlen Reusser, die ihre erste Grand Tour gewinnen will.
Am Samstag beginnt die Tour de France der Frauen in Lausanne, neun Etappen später endet sie in Nizza. Mit dabei: Marlen Reusser, die ihre erste Grand Tour gewinnen will.

Szymon Gruchalski / Velo via Getty
Im Schweizer Meistertrikot wollte Marlen Reusser an diesem 1. August über die Startlinie in Lausanne rollen. Denn wann gibt es das schon: dass das wichtigste Rennen der Welt, die Tour de France, am Nationalfeiertag im eigenen Land startet?
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Der Wunsch erfüllte sich für Reusser nicht, Steffi Häberlin gewann die Landesmeisterschaft Ende Juni. Am grossen Ziel Reussers ändert das nichts: An der Tour de France will die 34-jährige Bernerin die Nummer eins sein, am Ende in Nizza nach neun Etappen.
Wie gut ihre Form wirklich ist, weiss Reusser nicht. Nach mehreren Stürzen im ersten Halbjahr lief die Vorbereitung nicht wie gewünscht. «Wir mussten sehr viel improvisieren oder umplanen», sagte sie rund zwei Wochen vor der Tour. «Den Umständen entsprechend konnte ich nun aber gut arbeiten und finde mich an einem guten Ort wieder.» Nach dem Sieg an der Tour de Suisse im Juni bereitete sie sich in einem dreiwöchigen Höhentrainingslager in ihrer Wahlheimat Andorra auf die Tour vor.

Arne Mill / Imago
Wie weit es für sie reicht? Das ist noch nicht abzuschätzen. Aber nachdem Reusser in den vergangenen Jahren am Berg so viel stärker geworden ist und 2025 wegen einer Lebensmittelvergiftung am ersten Tag hat aufgeben müssen, brennt sie nun darauf, zu sehen, ob es ihr für ganz vorne reicht. Nach zweiten Plätzen am Giro und an der Vuelta soll es der Sieg sein.
Herausgefordert wird sie von der geschlossenen Weltelite, unter ihnen Pauline Ferrand-Prévot (Siegerin 2025), Kasia Niewiadoma-Phinney (Siegerin 2024), Demi Vollering (Siegerin 2023), Elisa Longo Borghini (zweifache Giro-Siegerin), Paula Blasi (Vuelta-Siegerin 2026) oder das Urgestein Anna van der Breggen.
Lausanne, Aigle und Genf sind EtappenorteZum ersten Mal ist die Tour de France der Frauen zu Gast in der Schweiz. Der Parcours ist ausgewogen und könnte bis zum letzten Tag Spannung im Gesamtklassement bieten. Anders als bei den Männern, wo der Gesamtführende am letzten Tag nicht mehr angegriffen wird, ist beim viel kürzeren Frauenrennen auch die letzte Etappe ein voller Renntag.
Bereits die erste Etappe, ein hügeliger Rundkurs zwischen dem Genfer- und dem Neuenburgersee mit Start und Ziel im Stadtzentrum von Lausanne, dürfte vom ersten Meter an hektisch werden. Reusser berichtete nach der Streckenbesichtigung von vielen engen Landsträsschen. Dort ist die Sturzgefahr besonders hoch, weswegen nicht nur Puncheurinnen, die auf einen Etappensieg hoffen, sondern auch alle Gesamtklassement-Fahrerinnen um einen Platz vorne im Feld kämpfen werden.
Der Sonntag bietet den Sprinterinnen eine von drei Möglichkeiten an dieser Tour, die Strecke führt von Aigle, wo der Sitz des Weltradsportverbandes liegt, nach Genf. Tags darauf verlässt die Tour die Schweiz nach dem Start in Genf. Am Dienstag steht ein 21 Kilometer langes Einzelzeitfahren auf dem Programm, während am Freitag die Bergankunft auf dem Mont Ventoux wartet, die Königsetappe mit 3500 Höhenmetern.
Auch Rüegg ist am Start, Chabbey ist schwanger und pausiertNach einer Flachetappe am Samstag bewältigen die Fahrerinnen zum Abschluss am Sonntag einen Rundkurs ab Nizza, auf dem sie viermal den Col d’Èze befahren. Steil ist dieser 7,7 Kilometer lange Pass nicht, aber liegen die führenden Fahrerinnen nah beieinander, könnte es ein furioses Finale geben. Insgesamt legen die Teams 1175 Kilometer mit knapp 18 000 Höhenmetern zurück.

Tim de Waele / Velo via Getty
In Frankreich hat die Popularität des Frauenrennens seit seinem Debüt 2022 Jahr für Jahr stark zugenommen, die grosse Euphorie entfacht hat dann 2025 die Französin Ferrand-Prévot mit ihrem Gesamtsieg. Bei der Schlussetappe schauten im französischen Fernsehen zu Spitzenzeiten 7,7 Millionen Menschen zu. Die Gesamtzahl der französischen TV-Zuschauer (26 Millionen) nahm gegenüber dem Vorjahr um 42 Prozent zu, die Besuche auf der Homepage gar um knapp 200 Prozent.
Neben Marlen Reusser ist mit Noemi Rüegg nur noch eine weitere Schweizerin am Start. Nach einer starken ersten Saisonhälfte brach sie sich Anfang Mai die Schulter und kehrt nun wieder ins Renngeschehen zurück. Elise Chabbey, die im letzten Jahr das Bergpreistrikot gewonnen hatte, hat ihre Saison wegen ihrer Schwangerschaft vorzeitig beendet.