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Generation Simulator – wie Kimi Antonelli von virtuellen Trainings profitiert

Дата публикации: 26-07-2026 03:30:00

Der 19-Jährige ist auf dem besten Weg, jüngster Formel-1-Weltmeister der Geschichte zu werden. Er fährt den Älteren auch davon, weil er wie selbstverständlich zwischen virtuellem und echtem Cockpit switcht.

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Generation Simulator – wie Kimi Antonelli von virtuellen Trainings profitiert

Der 19-Jährige ist auf dem besten Weg, jüngster Formel-1-Weltmeister der Geschichte zu werden. Er fährt den Älteren auch davon, weil er wie selbstverständlich zwischen virtuellem und echtem Cockpit switcht.

Elmar Brümmer26.07.2026, 05.30 Uhr


Italienisches Wunderkind: Kimi Antonelli feiert seinen Sieg am GP von Belgien.

Italienisches Wunderkind: Kimi Antonelli feiert seinen Sieg am GP von Belgien.

Sarah Meyssonnier / Reuters

Der Vergleich trägt auch eine Woche nach dem WM-Final: Den spanischen Fussballer Lamine Yamal und den italienischen Formel-1-Fahrer Andrea Kimi Antonelli verbindet nicht nur, dass sie am gleichen Tag einen bedeutenden Siegerpokal in die Luft stemmen durften. Auch wenn Antonellis Trophäe für den Sieg beim Grand Prix in Spa-Francorchamps etwas bescheidener war, befindet sich der Mercedes-Pilot damit auf dem besten Weg zum Titel.

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Die 19-Jährigen sind beide früh gereift, übernehmen Verantwortung und sind so entscheidungsfreudig, dass sich die Frage nach mangelnder Erfahrung nicht stellt. Sie verbinden die strategische Intelligenz eines Veteranen mit der Dynamik eines Teenagers – das macht sie zu Vorreitern einer neuen Generation in ihren Sportarten.

Zu den wenigen Dingen, die der Rekordweltmeister Lewis Hamilton an der Formel 1 überhaupt nicht mag, gehören die Rennsimulatoren. Natürlich hat auch der Brite als Jugendlicher Stunden damit verbracht, auf der Playstation seinem Idol Ayrton Senna virtuell nachzueifern. Aber die Konsolen, mit denen der heute 41-Jährige aufgewachsen ist, haben nichts mit den Gerätschaften zu tun, mit denen sich sein Nachfolger bei Mercedes, Andrea Kimi Antonelli, schon früh beschäftigt hat.

Endlose Stunden im Simulator

Der Italiener, der vor dem Grossen Preis von Ungarn in der WM-Wertung mit 45 Punkten Vorsprung auf Hamilton an der Spitze liegt, ist ein Protagonist der «Generation Sim». Bereits als Zwölfjähriger wurde er in die Mercedes-Nachwuchsförderung aufgenommen, den vielen Trainingssessions auf der Kartbahn folgten endlose Stunden im Simulator. Dank rasant fortschreitender Technik werden die Simulationen immer realistischer, die Unterschiede zwischen echter Rennstrecke und nachgebildeter Realität verschwimmen.

In einer Disziplin wie dem Motorsport sind solche Trockenübungen besonders wichtig, denn aus Kostengründen gibt es zwischen den Meisterschaftsläufen kaum Trainingsmöglichkeiten im Rennwagen. Selbst als die Formel 1 in diesem Jahr vor dem umfassendsten technischen Reglementwechsel ihrer Geschichte stand, gab es nicht mehr als eine Handvoll Testtage für jeden Fahrer. Dabei ist gerade die Synchronisation zwischen Verbrennungs- und Elektromotor samt Aufladen der Batterien zum richtigen Zeitpunkt ein ungeheuer komplexer Vorgang, über den sich selbst kurz vor Saisonhalbzeit ein Grossteil der Rennfahrer beklagt – vornehmlich jene, die aus einer anderen Pilotengeneration stammen.

Antonellis Teamkollege und direkter Konkurrent George Russell ist auch deshalb stark ins Hintertreffen geraten, weil er lange gegen den Charakter des neuen Mercedes kämpfte, der Italiener hingegen änderte seinen Fahrstil und passte sich dem Auto an. Für den Rennfahrer, der auf dem besten Weg ist, jüngster Weltmeister der Geschichte zu werden, fühlt sich auch der Wechsel zwischen echtem und virtuellem Cockpit völlig natürlich an.

In seinem Zuhause in Bologna steht ein sogenanntes Rig, das die im Auto spürbaren Bewegungen nachbildet, wenn der Fahrer aus seiner Sitzschale heraus über Lenkrad und Bildschirm die WM-Strecken nachfährt. Das Trainingsgerät dürfte 60 000 Dollar wert sein. Jener Simulator, der in der Mercedes-Rennfabrik im mittelenglischen Brackley steht, kostet etwa das Hundertfache. Auch dort trainiert Antonelli, wann immer er kann. Für die Stammfahrer ist der Simulator heute das wichtigste Gerät, um sich Streckenkenntnisse anzueignen und die beste Balance für den Rennwagen zu finden.

Ob es einem gefällt oder nicht – der Einfluss der Techniker von aussen hat entscheidenden Anteil an jedem Sieg. Und wer sich wie Antonelli schon seit Jahren im Umfeld eines Formel-1-Teams bewegt, der empfindet das als ganz natürlich und kann sich mit Ehrgeiz und Ausdauer den vielleicht entscheidenden Vorteil verschaffen. Vorausgesetzt, er besitzt die nötige mentale Kapazität. Der Renningenieur Peter Bonnington sagt, dass ihn sein Fahrer bei der Abstimmungsarbeit oft intuitiv zu genau jener Fahrzeugeinstellung führe, die richtig sei. Die Formel 1 ist längst auch eine Datenweltmeisterschaft, aber ganz ohne Gefühl geht es trotzdem nicht.

Die Leichtigkeit, mit der Kimi Antonelli die Königsklasse für sich erobert, hat viel mit seinem Instinkt zu tun. Der mag vor dem Bildschirm trainiert worden sein, doch geschärft worden ist er seit jenem Moment, als ihn sein Vater Marco erstmals auf dem Schoss mit in einen Rennkart genommen hat. Da war Klein Kimi gerade ein Jahr alt. Inzwischen ist er der jüngste Fahrer, der in der Formel 1 Pole-Positions geholt und Rennen gewonnen hat.

Die meisten Fehler macht er nur einmal

Bisher galt Max Verstappen als der Vorzeigefahrer aus der virtuellen Rennwelt, der vierfache Weltmeister betreibt sogar ein eigenes Sim-Racing-Team, für das er gelegentlich bei Langstreckenrennen an den Start geht. Fahrerische und künstliche Intelligenz zu kombinieren, macht die gegenwärtige Pilotengeneration zur am umfassendsten ausgebildeten, die es je gab.

Die Zuschauer im Formel-1-Jahr 2026 kommen dabei in den seltenen Genuss, echte Duelle zwischen den Generationen zu erleben. Zwischen Hamilton und Antonelli liegen 21 Jahre Unterschied, zwischen Verstappen und Antonelli 8 Jahre. Hamilton lebt von seiner Erfahrung, Verstappen von seiner Aggression, Antonelli wirkt dagegen fast stoisch. Seine Jugend kommt ihm besonders in einem Punkt entgegen: Er lernt schneller als alle anderen. Die meisten Fehler macht er nur einmal.

Sechs Siege in zehn WM-Läufen unterstreichen das Talent von Kimi Antonelli, der Italien nach mehr als sieben Jahrzehnten wieder von einem Weltmeister träumen lässt. «Einen wie Kimi gibt es höchstens einmal in einer Generation. Es ist auch für uns überraschend, was für einen Sprung er gemacht hat», sagt der Silberpfeil-Teamchef Toto Wolff, aber das zufriedene Lächeln des Österreichers zeigt auch die Freude über den eigenen richtigen Riecher bei der Nachwuchsförderung.

Die Einstellung seines Lehrlings zum Beruf sei nahezu unglaublich, es gebe kein Beschweren und kein Verzweifeln. Offenbar schafft es Kimi Antonelli, Leidenschaft, Talent und Konzentration im Renntempo zu synchronisieren. «Er hat alle Eigenschaften eines Grossen», lobt Wolff. Da fährt einer seiner Zeit voraus.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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