Der EV Zug trennt sich vom Manager Reto Kläy. Der Zeitpunkt überrascht – Kläy soll sich intern kritisch zur Ausrichtung des Klubs geäussert haben. Sein Nachfolger steht bereits fest.
Der EV Zug trennt sich vom Manager Reto Kläy. Der Zeitpunkt überrascht – Kläy soll sich intern kritisch zur Ausrichtung des Klubs geäussert haben. Sein Nachfolger steht bereits fest.

Keystone
Es ist ein Sommergewitter, das gerade über den EV Zug wegfegt: Am Freitag wurde die Mannschaft darüber informiert, dass der Klub die Zusammenarbeit mit dem Sportchef Reto Kläy beendet hat. Kläy, 47, war hinter Biels Martin Steinegger der dienstälteste Manager der Liga; unter seiner Führung gewann der EVZ 2021 und 2022 die Meisterschaft. Er soll sich intern kritisch gegenüber der Ausrichtung des Klubs und der Zusammenarbeit mit dem Athletikzentrum OYM geäussert haben, was den Verwaltungsrat um den Präsidenten Hans-Peter Strebel offenbar dazu brachte, über Kläy den Daumen zu senken.
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Dabei hatte Kläy offenbar nur die von den Spielern geäusserten Kritikpunkte in den Exit-Meetings nach einer weiteren enttäuschenden Saison wiedergegeben. Offenbar beklagten sich mehrere Akteure über die derzeitige Kultur im Klub. Der EVZ scheiterte 2024 und 2025 je im Play-off-Viertelfinal. Platz 8 in der Qualifikation bedeutete im Frühjahr die schlechteste Klassierung seit 2014 – als Konsequenz wurde damals Kläy vom SC Langenthal abgeworben. Er baute Meisterteams auf, hatte in letzter Zeit aber weniger Fortune bei seinen Personalentscheiden. Bei den Ausländern griff der EVZ zuletzt zu oft daneben; 2025 wurde das schwedische Trio Carlsson/Hansson/Olofsson aus laufenden Verträgen heraus verabschiedet. Eine Besserung brachte die radikale Massnahme nicht. Und im Januar entliess der Klub hastig den Trainer Michael Liniger. Unter dessen Nachfolger Benoît Groulx wurde wenig besser.

Stefan Kaiser / CH Media
Im März sagte Kläy nach einem abermals frühen Saisonende: «Natürlich hinterfragt man sich und seine Entscheidungen. Man weiss nie, wie es herauskommt, der Sport ist so unberechenbar. Und ich habe sicher nicht die Illusion, nie Fehler zu machen. Im Sport scheint nicht immer nur die Sonne. Manchmal ist es auch dunkel und neblig.»
Und angesprochen auf die zunehmende Kritik an seiner Person: «Als wir die erste Meisterschaft gewonnen haben, wusste ich, dass viele der Leute, die mir in jenem Moment auf die Schulter klopften, irgendwann mit dem Finger auf mich zeigen werden. Das gehört zum Geschäft, wer das nicht aushalten kann, ist am falschen Ort. Aber klar beschäftigt es dich, wenn es nicht läuft. Mir hat auch die Entlassung von Liniger leidgetan. Man kann sagen, dass er ein Bauernopfer war. Es war nicht sein Fehler, dass wir so viel Mühe bekundeten. Irgendwann wird es ein Teufelskreis.» Und auch: «Ich habe das Gefühl, dass meine Mission in Zug noch nicht abgeschlossen ist.»
Kläys Nachfolger hat seine Meinung offenbar revidiertDas sah der Verwaltungsrat nun offenkundig anders. Mitte Juni ist ein eigenartiger Zeitpunkt für eine Trennung – zumal Kläy erst Ende April mit dem Finnen Lauri Marjamäki einen neuen Coach eingestellt hatte. Und dafür sogar eine Ablöse an den EHC Kloten überwies. Jüngst konzentrierte sich der Manager auf dem Ausländermarkt auf die Suche nach einem neuen Nummer-1-Center.
Nachfolger Kläys wird der bisherige Nachwuchschef Ted Suihkonen, ein amerikanisch-schwedischer Doppelbürger, dessen Beförderung überrascht. Suihkonen, 48, das berichten verlässliche Quellen aus dem Klubumfeld, sei intern jahrelang ein scharfer OYM-Kritiker gewesen. Nun hat er seine Meinung offenbar revidiert, als das opportun wurde. Suihkonen gilt als versierter Ausbildner und Skills-Coach. Es ist nicht ganz klar, was ihn dazu befähigen soll, den Job des General Manager zu übernehmen.
Das OYM ist das Liebhaberprojekt des Präsidenten Hans-Peter Strebel, der dank der zufälligen Entdeckung eines MS-Medikaments vom Dorfapotheker im Aargau zum Milliardär aufstieg. Strebel ist seit Jahrzehnten Edelfan des EVZ, mit der Übernahme des Klubs hat er sich einen Bubentraum erfüllt. Das OYM in Cham finanzierte er mit mehr als 100 Millionen Franken aus seinem Privatvermögen, er sieht es als sein Geschenk an die Gesellschaft. Seit der Eröffnung im Juni 2020 ist der EVZ der wichtigste Leistungsbezüger und Mieter. Seit 2025 ist das Heimstadion des EVZ als OYM Hall benannt. OYM hier, OYM da, OYM überall.
Das OYM bietet dem Klub viele Vorteile, die Infrastruktur ist überragend. Aber seit sechs Jahren knarzt es im Gebälk, kritisiert wird von verschiedenen Stellen eine zu dogmatische Trainingslehre der OYM-Verantwortlichen um den ETH-Sportwissenschafter Marco Toigo. Immer wieder beklagten sich Spieler und Trainer, sie hätten den Eindruck, dass es darum gehe, dass der EVZ das OYM zufriedenstellen müsse. Dabei sollte es eigentlich umgekehrt sein: das Trainingszentrum als Dienstleister des Aushängeschilds EVZ.
Kläy soll das angeprangert haben. Und erhielt dafür vom fast nur aus Strebel-nahen Personen konstituierten Verwaltungsrat die Quittung. Und zwar über den Kopf des CEO Patrick Lengwiler hinweg, der mit Kläy freundschaftlich verbunden ist. Lengwiler war es aber, der die Kunde der Entlassung überbringen musste, offenbar schon vor mehr als einer Woche. «Das war ein Handstreich in der Manier eines Grümpelturnier-OK», schreibt einer aus dem Klubumfeld zornig.
Lässt sich der CEO Lengwiler diese Desavouierung gefallen?Es fragt sich, ob und wie lange Lengwiler sich das gefallen lässt. Der ehemalige Torhüter darf als Baumeister des heutigen EVZ bezeichnet werden, seit 2012 wirkt er als CEO. Es wäre keine Überraschung, würde er sein Amt nach dieser unwürdigen Posse niederlegen, ihm lagen in den letzten Jahren immer wieder Angebote aus der Privatwirtschaft vor. Jedenfalls war sehr auffallend, dass Lengwiler in der Kommunikation der Entlassung mit keinem Wort erwähnt wurde. In den letzten Jahren hatte er sich immer wieder in den Wind gestellt und Misserfolge auf der Klubwebsite in zum Teil episch langen Interviews geduldig erklärt.
Der Klub will sich erst am Montag detailliert äussern. Es fragt sich, ob der EVZ sich damit angesichts des grossen internen Unmuts und der externen Irritation einen Gefallen macht.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
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