Anfang Juli beginnt für das Frauen-Nationalteam die Vorbereitung auf die WM in Dänemark. Spätestens dann muss die Nachfolge des Erfolgstrainers Colin Muller geregelt sein. Und: Einmal mehr irritiert die Geringschätzung des Frauenprogramms innerhalb von Swiss Ice Hockey.
Anfang Juli beginnt für das Frauen-Nationalteam die Vorbereitung auf die WM in Dänemark. Spätestens dann muss die Nachfolge des Erfolgstrainers Colin Muller geregelt sein. Und: Einmal mehr irritiert die Geringschätzung des Frauenprogramms innerhalb von Swiss Ice Hockey.

Amber Searls / Imago
Doch, die Schweiz hat noch ein Frauen-Nationalteam im Eishockey. Auch wenn man während der Heim-WM der Männer im Mai einen anderen Eindruck gewinnen konnte. Die Frauen um die Weltklassestürmerin Alina Müller hatten im Februar in Mailand Olympia-Bronze gewonnen. Die Herren-WM in Freiburg und Zürich hätte die Möglichkeit geboten, diesen Exploit zu würdigen: das Team einzuladen und vor einer Partie der Schweiz aufs Eis zu schicken. Nur Gewinner hätte diese simple Massnahme produziert. Die Mädchen auf den Rängen hätten sogar auf die Idee kommen können, diesen Sport zumindest einmal ausprobieren zu können.
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Swiss Ice Hockey hat diese Chance verpasst. Es gab keine Einladungen für die Spielerinnen – teilweise reagierte der Verband nicht einmal auf Anfragen. Und wer eine Antwort erhielt, der wurde beschieden, sie müsse die Tickets selber kaufen. So erging es nicht nur den Frauen: Auch die Spieler, die an der Männer-WM 2013 in Stockholm sensationell Silber gewannen, wurden nicht berücksichtigt. Es ist eine seltsame Art und Weise, mit seiner Geschichte umzugehen.
Die Gleichgültigkeit gegenüber den Frauen erstaunt nicht. Das Frauen-Eishockey geniesst verbandsintern seit Jahren einen auffallend tiefen Stellenwert. Dazu zwei Episoden: 2023 wurde das Team bei einem WM-Vorbereitungs-Camp in Barrie, Kanada, in einem Motel der Kette «Super 8» einquartiert; von Swiss Ice Hockey rekognoszierte niemand vor Ort. Die Unterkunft in Barrie wurde offenbar rege als Drogenumschlagplatz genutzt und war so schäbig, dass die Equipe eilig wieder auszog. Bei der WM 2024 in Utica im Gliedstaat New York musste die Delegation auf alten Jacken den Aufdruck eines Ex-Sponsors mit schwarzem Klebeband abdecken, weil der Verband sich das Geld für neue Outfits sparen wollte.
Opposition aus dem Verwaltungsrat gegen den Amerikaner IdalskiEs sind Episoden, die exemplarisch für den Umgang des Verbands mit dem Frauen-Nationalteam stehen. Immer wieder musste um Selbstverständlichkeiten gekämpft werden, etwa bei der Ausrüstung. Der Director National Teams Lars Weibel hat in den letzten Jahren kaum Spiele des Frauenteams besucht. Weibel ist inzwischen zu Ambri-Piotta weitergezogen, die von ihm 2024 als General Managerin der Frauen eingesetzte Anja Stiefel hat den Verband ebenfalls verlassen.
Die Spielerinnen haben die anhaltende Geringschätzung mit bemerkenswertem, fast stoischem Gleichmut ertragen. Alina Müller sagte der «NZZ am Sonntag» im März: «Gewisse Leute bemühen sich sehr darum, dass es bei uns vorwärtsgeht. Andere ein bisschen weniger.»
Bald steht für das Nationalteam der erste Pflichttermin in der Vorbereitung auf die WM in Dänemark vom November bevor: das Summercamp im Athletikzentrum OYM in Cham. Noch hat Swiss Ice Hockey keinen Nachfolger für den langjährigen Nationalcoach Colin Muller bekanntgegeben. Ein Kandidat war der Amerikaner Brian Idalski, gegen den es aber offenbar Opposition aus dem Verwaltungsrat gab. Idalski, 55, coachte zuletzt die Vancouver Goldeneyes in der boomenden nordamerikanischen Frauen-Profiliga PWHL und wird nun stattdessen Cheftrainer des tschechischen Nationalteams.
Die Kronfavoritin verklagte in den USA einst ihren ArbeitgeberAuf die zweite Kandidatin – angeblich die Kronfavoritin – wäre man bei einem Brainstorming im ersten Anlauf nicht gekommen. Und im zweiten auch nicht. Es handelt sich um die 62-jährige Kanadierin Shannon Miller, die 16 Jahre lang am US-College von Minnesota-Duluth coachte. Nach dem Ende dieser Ära verklagte sie die Universität wegen Diskriminierung unter anderem in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung – und gewann: 2019 wurden ihr und ihren Anwälten in einem Vergleich 4,53 Millionen Dollar überwiesen. Ein Jahr zuvor, im Dezember 2018, trat sie von ihrem letzten aktiven Trainerjob bei den Calgary Inferno zurück. Siebeneinhalb Jahre später scheint sie kurz davor zu stehen, den Job als Schweizer Nationaltrainerin zu übernehmen. Andy Murray, der einst bei Kloten und dem ZSC beschäftigte ehemalige NHL-Coach, kennt Miller seit Jahren, sie coachte am College Murrays Tochter Sarah. Er sagt: «Sie ist eine starke Persönlichkeit mit viel Selbstvertrauen. Sie weiss, wie man es schafft, Menschen ihr Potenzial abrufen zu lassen.»
Vielleicht schafft sie es ja, dass dieses Team innerhalb von Swiss Ice Hockey mehr Wertschätzung erhält.
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