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Mücken: Heimische sind oft gefährlicher als eingeschleppte

Дата публикации: 27-07-2026 08:01:26

Nicht eingeschleppte Mücken-Arten wie die Tigermücke sind das größte Risiko, sondern heimische Stechmücken wie die Gemeine Hausmücke. Sie übertragen gefährliche Erreger wie das West-Nil-Virus auch in Mitteldeutschland.

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Gemeine Hausmücke (Culex pipiens) sitzt auf einer Fingerkuppe.

AUDIO: Forscher raten zur Vorsicht vor einheimischen Mücken (3 Min)

"Mückenatlas"

Stand: 27.07.2026 10:01 Uhr

Nicht eingeschleppte Mücken-Arten wie die Asiatische Tigermücke sind das größte Risiko, sondern einheimische Stechmücken wie die Gemeine Hausmücke. Sie übertragen gefährliche Erreger wie das West-Nil-Virus auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auch andere heimische Plagegeister wie die Kriebelmücke können gefährlich werden. Mit dem "Mückenatlas" erhalten Mückenforscher wie Doreen Werner Unterstützung durch engagierte Bürger.

von MDR WISSEN

Obwohl in Deutschland eingeschleppte Stechmücken-Arten wie die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) breite Aufmerksamkeit erregen, geht von ihnen aktuell keineswegs die größte Gefahr aus. "Es ist in Deutschland bisher noch nicht dazu gekommen, dass Erreger aufgenommen und wieder abgegeben wurden. Von daher ist sie erstmal aus unserer Sicht nur ein Mücke, die zwar lästig ist, aber von der de facto aktuell keine Gefahr ausgeht", sagt Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung MDR AKTUELL.

Hausmücke überträgt West-Nil-Virus

Heimische Hausmücken (Culex pipiens) übertragen verschiedene Viren.

Anders sieht das Werner zufolge bei der Gemeinen Hausmücke (Culex pipiens) aus, die in jeder Regentonne brütet. "Und es gibt verschieden Viren, die in Deutschland zirkulieren, die aktuell von dieser Gemeinen Hausmücke übertragen werden können", warnt Werner. Dazu zählt zum Beispiel das West-Nil-Virus, das grippe-ähnliche Symptome hervorrufen kann, darunter hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Vor allem für ältere Menschen kann das Virus durchaus gefährlich werden.

Nach Daten des Friedrich-Loeffler-Instituts und des Robert Koch-Instituts haben die einheimischen Stechmücken das Virus mittlerweile von Berlin und Brandenburg auch nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verbreitet. 2019 waren erstmals Infektionen mit dem West-Nil-Virus innerhalb von Deutschland nachgewiesen worden.

Rheinschnake: Stichfreudige Massenplage

Rheinschnaken (Aedes vexans) sind in Überschwemmungsbebieten eine Massenplage.

Doch nicht nur durch die Übertragung von Krankheiten, auch durch die schiere Masse im Auftreten können Mücken zum Problem werden. So gilt neben der eingeschleppten Tigermücke auch die heimische Rheinschnake (Aedes vexans) als extrem penetrant und lästig. Wie die Tigermücke fliegt sie ihre Opfer unnachgiebig an. Und das in extrem großer Zahl. Die Rheinschnake ist eine Überschwemmungsmücke, deren Larven sich massenhaft in überschwemmten Wiesen und Auen entwickeln. Offiziell als "Plage" klassifiziert können Rheinschnaken 20 und mehr Stiche pro Minute setzen.

Kriebelmücke reißt gefährliche Wunden

Eine Kriebelmücke (Simulium spec.) reißt ein Loch in menschliche Haut.

Alles andere als ungefährlich ist auch die heimische Kriebelmücke (Simulium spec.), die beachtliche Wunden verursachen kann. Anders als Stechmücken, die ihren Opfern das Blut über einen feinen Rüssel aussaugen, reißen Kriebelmücken einen kleinen Krater in das Unterhaut-Bindegewebe, bis sich ein kleiner Blutstropfen bildet, der aufgeleckt wird. Problematischer als der "Stich" selbst sind Werner zufolge unsachgemäße Wundbehandlungen. Selbst leichte Verunreinigungen etwa durch Kratzen könnten teils ernste Sekundärinfektionen verursachen. Kriebelmücken leben und vermehren sich an sauerstoffreichen Fließgewässern.

Winzige Gnitze überwindet Zeltplanen

Winzige Gnitzen (Culicoides spec) verfolgen ihre Opfer überall hin.

Eine ähnliche Blutsaugtaktik wie die Kriebelmücke verfolgt im Verborgenen die Gnitze oder Bartmücke (Ceratopogonidae). Die meist nur ein bis zwei Millimeter großen Tiere bleiben oft völlig unbemerkt, bis sich der juckende Stich bemerkbar macht. Aufgrund ihrer geringen Größe können sich die winzigen Plagegeister nach Angaben von Mückenforscherin Werner selbst durch den dünnen Gaze-Stoff von Zeltplanen hindurchzwängen.

"Mückenatlas" erfasst Mücken und Erreger

Um mögliche Bedrohungen durch einheimische und eingeschleppte Mückenarten in Schach zu halten, sind Mückenforscher auf die Hilfe von Hobbyforschern angewiesen. Dafür gibt es seit 2012 den "Mückenatlas", ein gemeinsames Projekt von Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und Friedrich-Loeffler-Institut. Leibniz-Forscherin Doreen Werner leitet das Projekt, bei dem jeder Bürger als "Mückenjäger" gefangene Mücken einsenden kann. Er braucht sich dafür nur auf der Webseite Mückenatlas.com anmelden. Die eingesendeten Mücken werden dann wissenschaftlich bestimmt und auf Krankheitserreger untersucht.

Dr. rer. nat. Doreen Werner anlässlich der Aufzeichnung der MDR-Talkshow Riverboat am 2. Juni .2023 in der Mediacity Leipzig.

"Dann haben wir die Kenntnis davon, wo welche Mücken aktiv sind. Und wir können dann natürlich sehr gezielt Forschungsfragen stellen. Und dann können wir auch ganz gezielt Bekämpfungsmaßnahmen einleiten und auch die entsprechenden Behörden in Kenntnis setzen und dafür sorgen, dass man da genauer hinschaut", betont Werner im MDR-Interview. "Und selbst wenn ich unter tausend Mücken nur eine finde, die mir einen guten Hinweis gibt, dann hat sich das rentiert." Jede Mücke zähle, so Werner. Bisher hätten in Deutschland rund 42.000 Teilnehmer mehr als 250.000 Stechmücken für die Forschung gefangen und eingeschickt.

MDR/dpa (dn)

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