Marco Schuchmann ist Datenanalyst bei den Krefeld Pinguinen. Im exklusiven Interview erklärt er seine Aufgaben bei den Schwarz-Gelben
Interview | Krefeld · Marco Schuchmann ist Datenanalyst bei den Krefeld Pinguinen. Im exklusiven Interview erklärt er seine Aufgaben bei den Schwarz-Gelben
Marco Schuchmann analysiert Daten und studiert Spieler, die für die Krefeld Pinguine spannend sein könnten.
Foto: samla.deMarco Schuchmann ist der Datenanalyst der Krefeld Pinguinen. Im Interview mit unserer Redaktion berichtet er, wie er zu den Krefeldern gekommen ist, was seine Aufgaben sind, den Wechsel von Santos nach Krefeld und wie man sich seine Analysen zur Kaderplanung vorstellen muss. Darüber hinaus erzählt er über die Herausforderung der DEL.
Herr Schuchmann, Sie sind so etwas wie der Herr der Datenbanken bei den Pinguinen. Erklären Sie doch einmal Ihren Job.
Marco Schuchmann: Ich bin seit der vergangenen Saison hauptberuflich für die Spieler- und Datenanalyse sowie das Scouting bei den Krefeld Pinguinen tätig. Ich fertige aus meinen Analysen Spielerprofile an, die ich dem Trainerteam vorstelle. Dafür nutze ich sowohl eine Statistikdatenbank als auch die Videoanalyse, denn erst die Kombination aus beidem rundet ein Spielerprofil ab.
Sie sind unter Sergey Saveljev in den Verein gekommen?
Schuchmann: Genau. Damals habe ich noch in meinem Hauptjob in der Chemie-Branche in Dormagen gearbeitet. Eishockey war aber immer meine Leidenschaft. Ich habe ihm mein Konzept zugeschickt und er hat sich noch am gleichen Tag mit mir in Verbindung gesetzt. Seit dem bin ich hier und seit Peer Schopp im Amt ist, haben wir meine Aufgaben stetig ausgebaut.
Wie wird man Daten-Analyst?
Schuchmann: Mich hat schon immer interessiert, wie die Prozesse professioneller Scoutingagenturen aufgebaut sind. Deshalb bin ich auf Agenturen zugegangen, um diese Abläufe kennenzulernen. Die Datenanalyse war für mich von Beginn an ein wichtiger Bestandteil des Scoutingprozesses. Durch die nachfolgend enge Zusammenarbeit mit einem NHL Data Analysten konnte ich mir in diesem Bereich weiteres, wertvolles Wissen aneignen. Durch die Zusammenarbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Aufgabenfeldern konnte ich außerdem schnell ein gutes Netzwerk aufbauen. So habe ich mein Hobby schließlich zum Beruf gemacht – und bereue diesen Schritt bis heute nicht.
Wie muss man sich so eine Analyse von Ihnen vorstellen?
Schuchmann: Es gibt in verschiedenen Tools Unmengen an Daten und Zahlen zu jedem Spieler. Ich nutze diese Daten, um daraus ein Spielerprofil zu erstellen und vergleiche es mit den Anforderungen, die wir im Team vorher festgelegt haben. So können wir im weiteren Verlauf der Kaderplanung feststellen, welcher Spieler perfekt zu uns passt. Manchmal ist es nicht der Talentierteste, sondern der, mit dem besten Gesamtpaket. Man hat es in dieser Saison gesehen, wie wichtig das Mannschaftsgefüge ist. Der beste Spieler auf dem Markt hilft dir nur dann, wenn er sich wohlfühlt und in die Mannschaft passt.
Wie lange dauert die Erstellung eines Spielerprofils?
Schuchmann: Das variiert sehr stark. Ich analysiere einen Spieler nie isoliert, sondern immer im Vergleich zu einer passenden Referenzgruppe derselben Position. Erst dadurch werden die Unterschiede in den Spielerprofilen wirklich sichtbar und eine fundierte Einordnung möglich. In der vergangenen Woche habe ich für die Analyse einer solchen Spielergruppe rund 20 Stunden benötigt. Ein einzelnes Spielerprofil lässt sich natürlich deutlich schneller erstellen.
In den Play-offs der Vorsaison hat Mathew Santos hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wie fiel die Analyse hier aus?
Schuchmann (lacht): Bei Mathew mussten wir nicht mehr viel analysieren. Als wir Max Newton gescoutet haben, fiel er uns natürlich auch auf. Thomas Popiesch wollte damals einen rechtsschießenden Center haben, also haben wir uns für Max entschieden. Santos und Newton spielten bei HK Dukla Michalovce zusammen, daher waren alle Daten vorhanden. Spannend wurde es für uns dann, als er auch in die DEL 2 gewechselt ist. Nach seiner Play-off-Performance war schnell klar, dass wir diesen Spieler bei uns haben wollen.
Bei C.J. Suess dürfte es dann anders gewesen sein, schließlich hatte er in Dresden kein leichtes Jahr?
Schuchmann: Ganz genau. Ich schaue mir meistens die Daten aus den vergangenen fünf Jahren oder sogar noch länger an. Bei Import-Spielern auch gerne bis in ihre College-Zeit zurück. Manchmal haben Spieler ein Ausreißer-Jahr, im Positiven wie im Negativen. Da schauen wir dann genau hin und überlegen, woran das gelegen haben könnte. C.J hatte vor Dresden über Jahre hinweg sehr konstante Zahlen und hat dann auch bei uns richtig stark performt. Das zeigt, dass sein schwieriges Jahr in Dresden andere Ursachen gehabt haben muss und nicht sein tatsächliches Leistungsniveau widerspiegelt.
Haben alle Mannschaften in der DEL oder DEL 2 die gleichen Tools?
Schuchmann: Im Grunde genommen, ja. Die Daten hat jeder Standort zur Verfügung. Die einen nutzen sie mehr, die anderen weniger. Da wir in Krefeld nicht über die Ressourcen von Mannheim, München oder Berlin verfügen, müssen wir andere Wege finden, um den perfekten Spieler zu finden, der uns weiterhilft, die Klasse zu halten. Daher hat der Analyticsbereich einen großen Stellenwert bei uns.
Können Sie dann in den Tools eigene Parameter festlegen?
Schuchmann: Ja. Ich kann zum Beispiel sagen, filtere mir alle Spieler mit einer bestimmten Bullyquote heraus. Gleiches gilt für Abschlüsse, Tore, Vorlage und so weiter. Man kann sich das Programm individuell einstellen, sodass es für die eigene Mannschaft am besten passt.
Mit wie vielen Spielern beschäftigten Sie sich in der Kaderplanung?
Schuchmann: Da kommen schon einige zusammen. Beziffern kann ich es nicht. Viele Agenturen schlagen uns Spieler vor, besonders nach dem Aufstieg kamen hunderte Anfragen bei uns an. Da müssen wir dann schauen, was wollen wir und welcher Spieler passt zu uns. Wir treffen da keine vorschnellen Entscheidungen. Hier hilft uns das aufgebaute System sehr gut.
Gab es Spieler, die Sie gecoutet haben, die am Ende nicht performt haben?
Schuchmann: Die Volltrefferquote ist bisher schon sehr hoch (lacht)
Wie unterscheidet sich die Arbeit zwischen DEL 2 und DEL?
Schuchmann: Es ist von daher schon mehr Arbeit, als dass man sein System jetzt neu aufstellen muss. In der DEL 2 kennen wir alle Spieler und Zahlen in Sachen Schussvolumen, Trefferquote, Bullys und so weiter. Wir konnten es direkt einordnen. Diese Vorarbeit aus der DEL 2 müssen wir jetzt auf die DEL projizieren und schauen, ob Spieler XY zu uns passt.
Wie sieht die Kaderplanung bei den Krefeld Pinguinen aus?
Schuchmann: Wir haben uns frühzeitig zusammengesetzt, um zu schauen, was uns fehlt und wo wir uns verbessern wollen. Anfang des Jahres haben wir natürlich für zwei Ligen geplant, denn mit dem Meistertitel und dem Aufstieg konnte man ja nicht planen. Dann verschaffen wir uns einen Marktüberblick und dann gehe ich in die Analyse und selektiere schon ein bisschen vor. Ich bin immer im Austausch mit Thomas Popiesch und wir schauen gemeinsam, ob ein Spieler in unser Aufgabenprofil passt. Da wir durch den Aufstieg spät dran waren, war der Markt natürlich nicht mehr so voll, aber wir waren gut vorbereitet, was in hinten raus geholfen hat.
Wie sieht Ihre Arbeit während der Spiele aus?
Schuchmann: Ich sitze auf der Tribüne und tagge unterschiedliche Spielsituationen, damit Thomas Popiesch diese in der Drittelpause noch einmal anschauen und den Spielern Ratschläge geben kann. In den Pausen gehe ich dann in die Kabine und übergebe dem Trainerteam dann das Ergebnis.
Schaut man sich ein Spiel im Scoutingprozess anders an?
Schuchmann: Meine Sicht auf das Spiel ist wahrscheinlich grundsätzlich anders als die von einem Fan. Der Fan achtet während des Spiels meist auf den Puck und das reine Spielgeschehen, mein Augenmerk liegt viel auf den Situationen abseits des Spielgeschehens. Das Spiel ohne Puck ist sehr wichtig, daher achte ich viel auf unser Stellungsspiel oder auch auf das Verhalten in der neutralen Zone.
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