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Ukrainischer Energie-Manager mahnt: EU-Gasspeicher füllen sich zu langsam

Дата публикации: 03-07-2026 12:02:00

Nur noch gut vier Monate bleiben Europa, um seine Gasspeicher vor dem Winter zu füllen. Ein ukrainischer Energie-Manager warnt: Diesmal reicht der Markt allein nicht aus.

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Stand: 03.07.2026, 14:02 Uhr

Von: Myriam Nollte

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Nur noch gut vier Monate bleiben Europa, um seine Gasspeicher vor dem Winter zu füllen. Ein ukrainischer Energie-Manager warnt: Diesmal reicht der Markt allein nicht aus.

Kiew – Europas Gasspeicher füllen sich in diesem Jahr langsamer als gewohnt – und die Zeit wird knapp. Das schreibt Mykola Kolisnyk, Leiter der Erzeugungsabteilung beim ukrainischen Energiekonzern Naftogaz, in einem Meinungsbeitrag für das Portal Kyiv Independent. Bis zum 1. November bleiben demnach nur noch rund vier Monate, um die Speicher vor der Heizsaison zu füllen.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.

Da Kolisnyk selbst für den Betreiber der größten unterirdischen Gasspeicher Europas arbeitet, vertritt er in seinem Kommentar naturgemäß auch die Perspektive eines Akteurs, der von einer stärkeren Nutzung ukrainischer Speicherkapazitäten profitieren würde.

Ukrainischer Energie-Manager mahnt: EU-Gasspeicher füllen sich zu langsam

Nur noch gut vier Monate bleiben Europa, um seine Gasspeicher vor dem Winter zu füllen. Ein ukrainischer Energie-Manager warnt: Diesmal reicht der Markt allein nicht aus. © © IMAGO / Ardan Fuessmann / Symbolbild

Anfang Mai habe die Speicherfüllung in der EU bei lediglich 35 Milliarden Kubikmetern gelegen, gut einem Drittel der Gesamtkapazität von gut 100 Milliarden Kubikmetern und mehr als 7 Milliarden Kubikmeter unter dem Vorjahreswert, schreibt Kolisnyk.

Warum die Zeit drängt

Grund sei unter anderem die seit Ende Februar gesperrte Straße von Hormus, über die zuvor knapp ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgas-Handels abgewickelt worden sei. Der Ausfall von katarischem und emiratischem LNG habe Europa monatlich rund 2 Milliarden Kubikmeter gekostet, in der Summe knapp 8 Milliarden Kubikmeter während der wichtigen Einspeicherungssaison.

Das Fachinstitut Oxford Institute for Energy Studies rechne bei anhaltendem Trend nur noch mit rund 70 Prozent Füllstand bis zum 1. November – deutlich unter dem EU-eigenen Ziel von 90 Prozent.

Das ukrainische Modell als Vorbild

Kolisnyk verweist in seinem Beitrag auf die Erfahrungen seines eigenen Landes. Ukrainische Gasversorger seien bereits seit 2016 verpflichtet, eine Pflichtreserve von bis zu 10 Prozent ihrer geplanten Monatsmengen vorzuhalten. Zwei Tage nach Beginn der russischen Invasion, am 26. Februar 2022, habe die Ukraine einen Gaskrisen-Notfallmodus aktiviert und Gasexporte größtenteils gestoppt.

Die Ukraine betreibe heute mit 31 Milliarden Kubikmetern das größte unterirdische Speichersystem Europas – das 1,5-fache der kombinierten Kapazität von Ungarn, Rumänien, Polen und der Slowakei, so Kolisnyk. In gemeinsamen Stresstests mit der EU-Kommission, dem Energiegemeinschaftssekretariat und USAID 2023 und 2024 habe sich gezeigt, dass selbst bei gezielter Zerstörung einzelner Anlagen ausreichend Ein- und Ausspeicherkapazität erhalten bleibe.

Was die EU-Kommission selbst dazu sagt

Etwas anders liest sich die Lage bei der EU-Kommission. Deren Gas-Koordinierungsgruppe erklärte Ende Mai 2026, die europäischen Speicher könnten bis zum Ende des Sommers auf rund 80 Prozent steigen – genug, um die Versorgungssicherheit für den kommenden Winter zu gewährleisten.

Aktuell bestehe keine unmittelbare Sorge um die Gasversorgung der EU, hieß es. Die Gruppe bestätigte gleichzeitig, dass die Sperrung der Straße von Hormus sowohl Erdgas als auch Rohöl betreffe und alle EU-Länder von den Marktverwerfungen erfasse.

Die Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR) ordnet die Lage vorsichtiger ein: Der aktuelle Speicherdurchschnitt liege bei rund 30 Prozent, und angesichts hoher Gaspreise werde in Brüssel bereits diskutiert, das ursprüngliche 90-Prozent-Ziel für 2026 auf 80 Prozent zu senken.

Die Einschätzungen von EU-Kommission, Denkfabrik und Kolisnyk unterscheiden sich also in der Dringlichkeit, stimmen aber im Kern überein: Der diesjährige Winterpuffer wird dünner ausfallen als in den Vorjahren.

Deutschland diskutiert das ukrainische Modell

Besonders bemerkenswert findet Kolisnyk, dass die Debatte inzwischen auch in Deutschland angekommen sei. Der Verband der deutschen Fernleitungsnetzbetreiber, FNB Gas, habe ein „Kombinationsmodell“ vorgeschlagen: eine ganzjährige strategische Reserve von 24 Terawattstunden, umgerechnet etwa 2 Milliarden Kubikmeter, zusätzlich zu einer Lieferverpflichtung von 63 Terawattstunden, etwa 6 Milliarden Kubikmeter, bis zum 1. Februar.

Zusammen sollten diese Instrumente 30 bis 40 Prozent der deutschen Speicherkapazität absichern. Auch Österreich und Ungarn hielten bereits ähnliche staatlich kontrollierte Reserven vor, schreibt Kolisnyk – rund 20 Terawattstunden in Österreich, etwa 1,9 Milliarden Kubikmeter in Ungarn.

Kolisnyks Forderungen an Europa

Der Naftogaz-Manager fordert in seinem Beitrag drei Konsequenzen für die EU: eine strategische Reserve als Versicherungsprämie statt als Marktverzerrung, eine europäische statt nationale Organisation dieser Reserve, und die stärkere Nutzung bereits vorhandener Kapazitäten.

Die Ukraine biete ausländischen Kunden bereits bis zu 10 Milliarden Kubikmeter eigene Speicherkapazität an, buchbar auch über die gemeinsame EU-Gaseinkaufsplattform AggregateEU. Ein Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zur Reform der Versorgungssicherheitsregeln soll noch im zweiten Quartal 2026 folgen. Quellen: Kyiv Independent (Meinungsbeitrag von Mykola Kolisnyk, Naftogaz Ukraine), Europäische Kommission, eigene Recherche

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