Die Pläne von Katherina Reiche könnten private Solaranlagen verteuern. Dabei liefern die Anlagen bereits heute einen großen Teil des erneuerbaren Stroms.
Stand: 02.07.2026, 18:28 Uhr
Die Pläne von Katherina Reiche könnten private Solaranlagen verteuern. Dabei liefern die Anlagen bereits heute einen großen Teil des erneuerbaren Stroms.
München – Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat große Pläne für kleine Photovoltaikanlagen. In dem Gesetzesentwurf aus Reiches Ministerium heißt es: „Der künftige Investitionsrahmen des EEG soll erneuerbare Energien zukünftig markt- und systemdienlich fördern. Dafür wird die fixe Einspeisevergütung für Neuanlagen konsequent abgeschafft. Dies geht mit einer umfassenden Verpflichtung neuer Anlagen zur Direktvermarktung einher.“

Die Solarbranche meldete umgehend Bedenken gegen das Vorhaben an. „Private Haushalte leisten mit Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach bereits heute einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende. Die Einspeisevergütung sollte daher nicht ersatzlos gestrichen, sondern weiterentwickelt werden“, sagte Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, der Rheinischen Post. Eine kürzlich erschienene Studie der Denkfabrik Agora Energiewende warnt jetzt obendrein vor möglichen Kostensprüngen für PV-Besitzer.
Ende der Einspeisevergütung: Studie warnt – „Direktvermarktung ist derzeit noch komplex“Die Einspeisevergütung gilt als Instrument, um den Ausbau von privaten Solaranlagen voranzubringen. Dabei zahlt der Staat für eine Anlage mit einer Leistung von 10 Kilowatt eine Vergütung von 7,78 Cent pro eingespeister Kilowattstunde (kWh). Bei Volleinspeisung steigt die Vergütung auf 12,34 Cent pro kWh. Kleine Anlagen sollen die Förderung künftig aber nicht mehr erhalten, sondern den produzierten Strom direkt vermarkten. Das bedeutet für Anlagenbesitzer, dass sie den überschüssigen Strom meist durch einen Vertrag mit einem Unternehmen direkt an der Strombörse zu den dortigen Preisen verkaufen müssten.
Agora Energiewende befürchtet, dass die Kosten für private Anlagen dadurch „gegenüber der derzeitigen fixen Einspeisevergütung für Haushalte“ steigen könnten. „Für einen Vier-Personen-Haushalt in einem Bestandshaus würde das jährliche Mehrkosten von 185 bis 277 Euro bedeuten – je nach Eigenverbrauch“, berechnet die Denkfabrik laut Pressemitteilung. Der Einbau einer Dachanlage, etwa für Haushalte mit Wärmepumpe, würde sich damit kaum noch lohnen.
In der Konsequenz werde das den Ausbau privater PV-Anlagen massiv reduzieren, in unteren Einkommensschichten womöglich vollständig stoppen. Dabei machen private Anlagen rund 30 Prozent des gesamten Solarstroms aus. Der Grund: Der Verkauf an der Strombörse sei schlicht zu teuer. Hohe Dienstleistungskosten von rund 140 Euro jährlich machten den Stromverkauf für Haushalte mit einer hohen Eigennutzung des erzeugten Stroms unrentabel. Agora fordert deshalb eine Absenkung der Kosten auf 50 Euro im Jahr.
„Kleine PV-Dachanlagen stehen an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit“, kommentiert Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland, die Pläne von Reiche. „Doch die vom Gesetzgeber vorgesehene Direktvermarktung ist derzeit noch komplex und teuer für Privathaushalte.“ Die Bundesregierung müsse durch eine standardisierte Schnittstelle zwischen Stromnetz und Anlagen, oder den konsequenten Rollout von Smartmetern die notwendigen Bedingungen für eine Direktvermarktung schaffen.
Reiches EEG-Plan – Kosten würden bald automatisch sinkenVon der Neuregelung wären ausschließlich neue Anlagen betroffen. Die staatliche Einspeisevergütung für bestehende Anlagen bliebe im Falle einer EEG-Anpassung erhalten. Diese ist für einen Zeitraum von 20 Jahren ausgelegt. Aktuell kostet die Vergütung aller Anlagen im Jahr rund 8 Milliarden Euro. Wie Agora Energiewende anmerkt, würden sich die Kosten zum kommenden Jahrzehnt aber ohnehin um 1,5 Milliarden Euro reduzieren. Der Grund dafür ist der Wegfall teurer Altanlagen, die dann nicht mehr gefördert werden.
Dagegen würde eine Verlängerung der Förderung nur marginale Mehrkosten verursachen. Die Berechnung geht hier von rund 160 Millionen Euro aus, die bei einer Fortführung um weitere vier Jahre anfallen würden. (Quellen: EEG-Entwurf, Rheinische Post, Agora Energiewende) (nhi)