Nächsten Samstag startet der 1.FC Heidenheim in die neue Zweitliga-Saison. Frank Schmidt geht dann in sein 20. Trainerjahr beim FCH. Im Gespräch mit SWR Sport macht er sich Gedanken über seinen Verein, seine eigene Zukunft und über die Krise im deutschen Fußball.
Nur noch ein paar Tage, dann geht`s endlich wieder los für Frank Schmidt und seine Jungs. Beim Interview-Termin mit SWR Sport zum bevorstehenden Saisonstart kommt der FCH-Trainer mit strahlendem Lachen und sonnengebräuntem Gesicht durch die Tür in der Heidenheimer Arena. Das sommerliche Trainingslager in Südtirol hat sichtlich gutgetan.
Der Kult-Coach wirkt bestens erholt vom nervenzehrenden Endspurt der vergangenen Saison, voller Energie. Und auf den Zweitliga-Auftakt am nächsten Samstag (08. August/13 Uhr) gegen den VfL Osnabrück freut sich Frank Schmidt ganz besonders. Und das hat Gründe.
SWR Sport: Frank Schmidt, in einer Woche geht`s wieder los, kribbelt`s schon?
Frank Schmidt: Vielleicht sogar noch etwas mehr als in der Vergangenheit. Warum? Weil wir zum ersten Mal seit ich dabei bin einen Abstieg verkraften mussten. Und da wieder anzupacken, nach vorne zu kommen und wieder erfolgreicher zu sein, sowas kann ja auch motivieren. Wir hätten zwar gerne in der Bundesliga weitergespielt, aber wir nehmen die 2. Liga an, weil ich immer gesagt habe, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass der 1.FC Heidenheim mit seinen Möglichkeiten immer Bundesliga spielt. Von daher sollte man nicht so enttäuscht sein, die 2. Liga ist eine tolle Liga mit tollen Vereinen, da muss man sich erstmal durchsetzen.
Wie lange mussten Sie knabbern am ersten Abstieg in Ihrer Trainerkarriere?
Eine Nacht. Weil ich in meinem Leben früh gelernt habe, nicht zu lange zu hadern mit dem was passiert ist. Das kann man nicht mehr ändern, und das würde auch viel zu viel Energie entziehen. Bei mir kam der Switch relativ schnell: Was müssen wir eigentlich tun, um wieder erfolgreich zu sein. Im Leben geht`s immer darum, Niederlagen zu verarbeiten, zu akzeptieren und sich selber zu reflektieren, um am Ende idealerweise gestärkt daraus hervorzugehen. Das ist unser Weg.
Was stand auf dem Blatt Papier, um wieder erfolgreich zu sein?
Es wäre einfach gewesen, sich an unsere neun Zweitligajahre zurückzuerinnern und zu fragen, 'wie haben wir es denn damals gemacht'. Dann hätte ich mich nicht groß vorbereiten brauchen, sondern nur 'Copy and Paste' und hätten einfach so weitergemacht. Aber dazu war ich nicht bereit, weil wir abgestiegen sind, weil wir den Klassenerhalt nicht geschafft haben. Und deshalb habe ich mir überlegt: Wie wollen wir die neue Saison begehen, mit welchem Kader und welchen Neuzugängen.
Unsere DNA wollten wir nicht verändern, die haben wir über Jahrzehnte aufgebaut. Aber was können wir tun, um zur erfolgreichen DNA zurückzukommen? Daran habe ich die Spieler vom ersten Tag an erinnert in der Vorbereitung. Und wir haben eine gute Energie und eine gute Intensität, das ist unabdingbar so wie wir spielen wollen.
Was in Heidenheim auch gleichgeblieben ist: Trotz des Abstiegs geht der FCH mit Frank Schmidt als Trainer auch ins 20. Jahr. Ist das immer noch Wahnsinn und unfassbar?
Das passt ganz gut, weil es ja nicht das Normale ist. Man erwartet ja geradezu in unserer Gesellschaft, wenn`s mal nicht läuft, dass man einen Sündebock sucht und findet. Und den feuert man. Wir gehen einen anderen Weg, vielleicht wie der SC Freiburg über Jahrzehnte. Und trotzdem haben wir - und ich selbst - es uns nicht einfach gemacht nach dem Motto 'dann steigen wir halt ab'.
Ich habe das Gespräch gesucht, Holger Sanwald hat das Gespräch gesucht, wie schon seit 19 Jahren. Das gehört auch unter Freunden zur Pflicht, dass man ehrlich zueinander ist, die Situation ehrlich beleuchtet. Wenn wir zur Erkenntnis gekommen wären, es mit einem neuen Trainer zu versuchen, dann wäre ich auch zur Seite getreten. Aber wir meistern Krisen zusammen und deshalb bin ich jetzt heiß darauf zu zeigen, dass wir auch mit Rückschlägen umgehen können. Und deshalb freut mich die Unterstützung, das ist nicht selbstverständlich.
Sie werden Ihren Vertrag bis 2027 also erfüllen. Gibt es Gedanken darüber, wie es danach weitergeht?
Was hilft es, sich jetzt Gedanken zu machen. Wir müssen davon wegkommen, das Thema 'Vertragsverlängerung Frank Schmidt' in den Vordergrund zu stellen. Das würde vom Fokus Saisonstart ablenken. Ich bin ein Teamplayer und jetzt geht es darum, die ganze Energie darauf zu verwenden, dass wir erfolgreich sind. Ich bin nicht der Wichtigste im Verein, obwohl ich wichtige Entscheidungen treffen muss. Ich bin nach wie vor gerne Trainer, dazu wurde im Frühjahr alles gesagt. Daran hat sich nichts geändert.
WM-Bilanz: "Alle waren enttäuscht vom deutschen Team"In der Sommerpause und in der Vorbereitung zwischen den Saisons beschäftigte sich Frank Schmidt natürlich auch intensiv mit der Fußball-WM, obwohl zahlreiche Spiele mitten in der Nacht deutscher Zeit stattfanden, der FCH-Coach deshalb "im Bett war". Das, so Schmidt, "war einfach zu spät, ich brauche meinen Schlaf. Da bleibt man nicht nachts um 3 Uhr auf, zumal dann die eigene Vorbereitung mit der Mannschaft in Heidenheim dazukam".
SWR Sport: Wie haben Sie trotz dieser vielen späten Spiele die WM erlebt?
Frank Schmidt: Natürlich habe ich mir die deutschen Spiele angeschaut, habe auch nach neuen Trends geschaut, was sind wichtige Entwicklungen. Allerdings haben mich in der Vorrunde die wenigsten Paarungen vom Hocker gehauen. Das war anders als in den 80er und 90er Jahren, als ich aufgewachsen bin, wo eine WM noch eine WM war, man schon in der Vorrunde kämpfen musste bis zum Umfallen um weiterzukommen. Ich mag es mir nicht ausmalen, dass die Größe der Weltmeisterschaft noch weiter ausgeweitet wird. Das hat nichts mehr mit Wettkampf der besten Nationen zu tun.
Wie enttäuscht waren Sie vom deutschen Team?
Alle waren enttäuscht, das darf man dann auch sagen. Natürlich haben wir eine andere Erwartungshaltung gehabt. Für mich ist die Nationalmannschaft die größte Mannschaft die wir in Deutschland haben. Und so eine WM hat Potenzial für ein ganzes Land, nicht nur für Sportbegeisterte. Zusammenhalt, Emotionen, sich freuen dürfen, auch mal Stolz zu zeigen - aber da waren wir zum dritten Mal wiederholt weit davon entfernt. Jetzt geht es darum, zu den Tugenden zurückzukehren, die uns immer stark gemacht haben.
Mit dem neuen Führungsteam um Jürgen Klopp müssen wir die Weichen stellen für mehr Enthusiasmus und Erfolg. Das Miteinander und Füreinander ist wichtig, wie bei uns in Heidenheim. Es wird ein langer Weg, aber auch ich habe mich gefreut, dass Jürgen Klopp als Cheftrainer übernommen hat und dass ein paar Dinge im Hintergrund verändert werden.
Haben inzwischen vor allem junge Spieler zu wenig Widerstandsfähigkeit? Sie sprachen dabei in der Entwicklung von "Bulldozer-Eltern"...
Es ist ein langer Prozess vom jugendlichen Fußballer bis zum jungen Profi. Aber aus der Jugendarbeit und aus dem Nachwuchsleistungszentrum ist zu hören, dass da Eltern Rollen einnehmen, in denen sie sich nicht mehr kritisch oder selbstkritsich mit der Leistung auseinandersetzen, das ist auch in der Schule und in anderen Bereichen so. Nach dem Motto 'mein Kind macht keine Fehler'. Man versucht immer einen Weg zu ebnen, der möglichst kritiklos vonstatten geht. Aber das Leben ist voller Rückschläge, und ich finde Rückschläge ganz wichtig in der Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen, um später gestärkt daraus hervorzugehen.
Kritik ist in unserer Gesellschaft schon gar nicht mehr erlaubt. Kritik ist aber eine Art der Wertschätzung, man macht sich Gedanken über die Fehler und wie es besser laufen kann. Kritische Themen werden den Kindern aus dem Weg geräumt. Wenn ich aber kritikfrei durchs Leben gehe, wie soll ich später Widerstände überwinden, auch bei uns im Profifußball, wo wir den Anspruch haben, wieder Weltmeister zu werden? Wir können es nicht nur auf NLZ, Ausbildung, Verträge oder Geld schieben. Wir müssen schon viel früher rein in die Entwicklung und Ausbildung unserer Kinder, davon bin ich überzeugt.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Trainer-Altmeister Friedhelm Funkel: "Für weitere Einsätze topfit" | 0 | 16.18 | 31-07-2026 |
| 2 | Zwischen guter Laune und harter Arbeit: Schuster zieht Bilanz des Freiburger Trainingslagers | 0 | 11.47 | 30-07-2026 |
| 3 | So geht Maximilian Senft die Herausforderung Karlsruher SC an | 0 | 8.73 | 29-07-2026 |
| 4 | Fußball - Jürgen Klopp ist neuer Fußball-Bundestrainer | 0 | 10 | 24-07-2026 |
| 5 | Юрий Семин стал главным тренером футбольного клуба "Ростов" | 0 | 0 | 04-08-2021 |
| 6 | Neuer Bundestrainer: Warum die Verpflichtung von Jürgen Klopp einem Trend widerspricht | 0 | 7.35 | 25-07-2026 |
| 7 | Vor dem Spiel – 1. FC Heidenheim (A) – Spieltag 31 – Saison 2025/26 | 0 | 5 | 23-04-2026 |
| 8 | Freiburgs Neuling Yannick Engelhardt: "Den SC komplett spüren" | 0 | 7.84 | 31-07-2026 |
| 9 | "Сочи" намерен приобрести нескольких футболистов к старту нового сезона | 0 | 0 | 10-07-2021 |
| 10 | Адиев стал исполняющим обязанности главного тренера футбольного клуба "Химки" | 0 | 0 | 16-04-2025 |