Nach dem Telefonat zwischen Donald Trump und Wladimir Putin macht sich unter Anlegern Hoffnung auf ein Ende des Ukrainekriegs breit. Der Dax schließt über der Marke von 22.600 Zählern. Aktien von Siemens verbuchen einen Kurssprung.
Hoffnung auf eine Friedenslösung für die Ukraine und starke Geschäftszahlen von Siemens haben den Dax am Donnerstag erstmals über die Marke von 22.600 Punkte getrieben. Das Rekordhoch steht nun bei knapp 22.625 Zählern.
Zum Handelsende gewann der deutsche Leitindex 2,1 Prozent auf 22.612 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 2,1 Prozent auf 27.761 Punkte nach oben. Immer mehr Anleger gingen in den Aktienmarkt hinein – aus Furcht, eine weiter laufende Rallye zu verpassen, hieß es aus dem Handel.
US-Präsident Donald Trump (78) hatte mit Kremlchef Wladimir Putin telefoniert und Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vereinbart. Gleichzeitig legte Trumps Regierung erstmals öffentlich dar, wie sie sich eine Vereinbarung für ein Kriegsende vorstellt – und zwar an mehreren Stellen ganz im Sinne Moskaus.
Die Hoffnung auf einen Waffenstillstand in der Ukraine habe in Europa die Angst vor US-Importzöllen verdrängt, schrieb Marktanalyst Emmanuel Cau von der britischen Investmentbank Barclays. Die europäischen Aktienmärkte böten aus Bewertungssicht immer noch Potenzial für Kurssteigerungen.
Der Technologiekonzern Siemens hatte zum Jahresauftakt deutlich mehr verdient. Jefferies-Experte Simon Toennessen sprach von einem Order-Comeback im Bereich Automatisierung. Die im Dax schwer gewichteten Siemens-Aktien nahmen ihre Rekordjagd wieder auf und zogen an der Dax-Spitze um 7,3 Prozent an. Mit einem Plus von mehr als einem Fünftel sind sie auch seit Jahresanfang in der Dax-Spitzengruppe.
Europaweit und auch hierzulande griffen Anleger in dem weiter positiven Umfeld auch bei den konjunktursensiblen Autowerten zu, zumal mit dem Reifenkonzern Michelin ein Branchenunternehmen solide Geschäftszahlen gemeldet hatte. Ein weiterer Grund war laut Börsianern die Hoffnung auf Entspannung beim zuletzt belastenden Thema Zölle. So stiegen BMW um 6,1 Prozent. Die Vorzugsaktien von Volkswagen gewannen 6,4 Prozent und profitierten damit auch von einer Kaufempfehlung der Bank HSBC.
Douglas mit KursrutschAls Schlusslicht im Nebenwerteindex SDax brachen die Anteilsscheine von Douglas um mehr als 15 Prozent ein. Die Parfümeriekette blickt nach einem verhaltenen Auftakt ins neue Geschäftsjahr etwas zurückhaltender auf die Gewinnentwicklung.
Die Aktien von KWS Saat fielen um 8 Prozent. Der Saatguthersteller habe mit seinen Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal enttäuscht, hieß es am Markt.
Wall Street: US-Börsen im PlusDie US-Aktienmärkte haben am Donnerstag wieder Fahrt aufgenommen. Der Dow Jones Industrial stieg zuletzt um 0,4 Prozent auf 44.524 Punkte, nachdem er tags zuvor rund ein halbes Prozent verloren hatte. Für den breit aufgestellten S&P 500 ging es um 0,5 Prozent auf 6.085 Zähler nach oben. Der überwiegend mit Technologieaktien bestückte Nasdaq 100 gewann 0,8 Prozent auf 21.884 Punkte.
Daten zu den Erzeugerpreisen hatten nur wenig Einfluss auf die Aktienkurse. Zur Wochenmitte hatte ein überraschend starker Anstieg der US-Verbraucherpreise die Wall Street etwas ausgebremst. Die nun veröffentlichten Erzeugerpreise legten zwar ebenfalls stärker als erwartet zu, verpassten den Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank Fed aber offenbar keinen weiteren Dämpfer.
Die Kryptowährung Bitcoin schwankte am Donnerstag weiterhin um die Marke von 95.000 US-Dollar.
Die Ölpreise sind am Donnerstag gesunken. Die Erholung der vergangenen Handelstage ist damit vorerst gestoppt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete zuletzt 74,40 US-Dollar. Das sind 0,78 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI zur Lieferung im März fiel um 0,77 Dollar auf 70,60 Dollar.
In den USA sind die Ölreserven in der vergangenen Woche laut dem Energieministerium stärker als erwartet gestiegen. Die Rohölvorräte kletterten um 4,1 Millionen auf 427,9 Millionen Barrel (je 159 Liter). Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg um 2,3 Millionen Barrel gerechnet. Ebenfalls belastend wirkte die gestiegene US-Inflationsrate.
Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat ihre Prognosen für die weltweite Ölnachfrage in diesem Jahr nicht verändert. Sie warnte in ihrem Monatsbericht, dass die Handelspolitik von US-Präsident Trump die Volatilität auf den globalen Märkten anheizen könnte. Die neuen Zölle hätten für mehr Unsicherheit gesorgt. Zuvor hatte Trump die Opec mehrfach aufgefordert, die Preise zu senken.
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