Seitdem der Iran und die USA sich bekämpfen, ist Gas im Großhandel teurer. Bei den Verbrauchern ist das noch nicht angekommen. Im Gegenteil.
Der Irankrieg hat für weltweit steigende Gaspreise gesorgt. Eine Analyse zeigt: Trotzdem können Verbraucher viel Geld sparen.
Das Chaos am Persischen Golf schien sich gerade etwas zu legen, da treiben neue Angriffe die Gaspreise wieder nach oben. Für deutsche Haushalte ist davon bislang jedoch kaum etwas auf der Rechnung angekommen. Eine aktuelle Analyse zeigt sogar: Millionen Verbraucher können mit sinkenden Gaskosten rechnen.
Die Neukundenpreise für Gas sind über die vergangenen Wochen etwas gesunken. Gegenüber FOCUS online sagte ein Sprecher des Verbrauchsportals Verivox, dass das „Sparpotenzial derzeit hoch“ sei. Ein Beispielhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden kann mit einem Wechsel beim Gasvertrag im Schnitt 735 Euro einsparen. Pro Monat wäre das eine Ersparnis von 61,25 Euro.
Dabei sollten Kunden – gerade in turbulenteren Zeiten – darauf achten, dass der Vertrag eine Preisgarantie enthält. So bleibt der Preis konstant, auch wenn Ereignisse wie die Sperre an der Straße von Hormus die Öl- und Gaspreise steigen lassen. Preisgarantien schützen auch vor steigenden Netzentgelten.
„Die jüngsten Preissteigerungen am Großhandelsmarkt infolge des Nahost-Konflikts sind bislang bei vielen Haushalten noch nicht angekommen“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.
Die Verbraucher profitieren noch davon, dass die Energieanbieter ihr Gas 2024 und 2025 vergleichsweise billig eingekauft hatten. „Es ist aber durchaus möglich, dass einzelne Versorger bis Jahresende noch Preisanpassungen vornehmen.“
Ebenfalls wichtig: ein Blick darauf, ob der Tarif ein Grundtarif ist oder ein Sondertarif. Aktuell bezieht knapp jeder zweite Gaskunde Gas vom örtlichen Versorger. 16 Prozent davon stecken im Grundversorgungstarif, 32 Prozent in Sondertarifen (7,5 Millionen Haushalte).
Diese Sondertarife werden in der Breite derzeit billiger. Die durchschnittlichen Jahreskosten für den günstigsten lokalen Sondertarif sanken um drei Prozent – von 2292 Euro auf 2223 Euro.
Ob diese Preise langfristig niedrig bleiben, ist angesichts der Gasmarktsituation fraglich. Um zu erklären, warum, eignet sich ein Blick auf den niederländischen Handelsplatz TTF, der als wichtigster Referenzmarkt Europas gilt. Hier lag der Gaspreis im Jahr 2024 durchschnittlich bei etwa 34 Euro, ein Jahr später bei 37 Euro pro Megawattstunde. Das sind die Preise, von denen die Verbraucher heute noch profitieren, weil die Versorger viel auf Vorrat kaufen konnten.
Im Jahr 2026 stiegen die Großhandelspreise für Gas zwischenzeitlich auf bis zu 66 Euro je Megawattstunde. Ende Juni liegen sie noch immer über 40 Euro. Doch was bedeutet das für die weitere Preisentwicklung?
Ein Blick auf den Ukraine-Krieg zeigt: Damals fielen die Ausschläge am Gasmarkt deutlich heftiger aus. Zudem dauerte es mehrere Monate, bis die Preisexplosion bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankam.
Die Energieversorgung Mittelrhein AG (EVM) verwies etwa darauf, dass der Gaspreis erst im Januar 2023 – also fast zehn Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs – einen Rekordwert von 20 Cent je Kilowattstunde erreichte. So lange brauchten die Großhandelspreise damals, um sich spürbar in den Kundentarifen niederzuschlagen.
Für die aktuelle Lage heißt das: Weil die Großhandelspreise während der Ukraine-Krise wesentlich stärker gestiegen waren als in der Hormuskrise, ist diesmal kein Ausschlag in vergleichbarer Größenordnung zu erwarten.
Die Sperre an der Straße von Hormus begann ebenfalls im Frühling. Überträgt man den Zeitverzug auf die heutige Zeit, stünde ebenfalls erst im Winter eine Preisexplosion bei den Neukundenverträgen bevor.
Zusätzlich gibt es zwei Einflussfaktoren, die Gas mittel- bis langfristig verteuern können:
Diese Schritte sollten Verbraucher regelmäßig durchlaufen, bestenfalls jedes Jahr. So können sie immer sicherstellen, möglichst wenig für ihr Gas zu bezahlen.
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