Austern, Champagner und 500-Euro-Suiten: Der Präsident des Südtiroler Alpenvereins wettert gegen Luxustourismus in den Dolomiten. Schutzhütten sollten Zufluchtsorte sein.
Austern, Champagner und 500-Euro-Suiten: Der Präsident des Südtiroler Alpenvereins wettert gegen Luxustourismus in den Dolomiten. Schutzhütten sollten Zufluchtsorte sein.
In Südtirol gibt es 96 offizielle Schutzhütten. Davon sind 45 in privater Hand, 26 sind Landesschutzhütten, 14 gehören dem CAI (Club Alpino Italiano) und 11 dem Alpenverein Südtirol. Eigentlich sollen sie Wanderern, die nach einem Spaziergang nur ein einfaches Bett und eine warme Mahlzeit benötigen, als Unterkunft dienen.
In den letzten Jahren wurden jedoch mehrere alpine Schutzgebiete renoviert und in luxuriöse Unterkünfte umgewandelt. „Die Berge passen sich den Touristen an, obwohl es eigentlich umgekehrt sein sollte“, kritisierte der Präsident des Südtiroler Alpenvereins, Carlo Alberto Zanella, nun im italienischen „Corriere della Sera“.
So bietet etwa die exklusive Berghütte „Fredarola Harbor“ auf 2370 Metern Höhe mit 360-Grad-Panoramablick auf die Dolomiten frische Austern, Champagner und Suiten für 500 Euro pro Nacht an. Spa und Indoorpool stehen auch zur Verfügung.
„Ein Zufluchtsort ist kein Hotel“, wettert der Alpinist im „Corriere“. „In den Schutzgebieten erlebt man einen echten Berg und begnügt sich mit einer einfachen Gerstensuppe. Heute wollen jedoch sowohl Touristen als auch Hoteliers immer mehr.“ Letztere versuchen laut Alpenverein-Chef, den Stadttourismus in hohe Lagen zu verlagern. Das Risiko dabei sei, diejenigen zu verlieren, die unsere Berge wirklich lieben, zugunsten derjenigen, die nur für einen Aperitif mit schöner Aussicht in den sozialen Medien hinaufsteigen, so der Alpinist.
Nicht nur wegen Luxusanwesen, der Umgang mit Schutzhütten in den Bergen ist Alpinisten schon lange ein Dorn im Auge. Renato Costa ist seit 45 Jahren Hüttenwirt des „Rifugio Franco Cavazza al Pisciadù“, einer Alpenvereinshütte der Sektion Bologna des Club Alpino Italiano. Ihm platzte letztes Jahr auf Facebook der Kragen und er beschwerte sich öffentlich über einen Wanderer.
„Normalerweise veröffentliche ich solche Dinge nicht gerne, aber wenn es sein muss, muss es sein“, erklärte Costa in seinem Post auf Facebook. Weiter schreibt er: „Nachdem wir diesem Herrn erklärt hatten, welchen Weg er nehmen muss, um hinunterzugehen, scheint er sich verlaufen zu haben. Um sich zu bedanken, kam er zur Hütte, war außer sich, beschädigte die Tür und beleidigte uns mit Schimpfwörtern. Eine Schande.“
Auch Giancarlo Lenatti, Hüttenwirt des „Rifugio Marco e Rosa“ in der Lombardei, beklagte Schäden durch nachlässige Bergsteiger, die die Schutzhütte unverschlossen gelassen hatten. Der Schnee hatte die Betten durchnässt, und Lenatti musste einen teuren Helikopterflug für 1500 Euro unternehmen, um die Schäden zu beheben.