Wer eine Zugfahrt plant, denkt meistens noch prompt an die DB. Dabei werden immer mehr Strecken auch von konkurrierenden Anbietern bedient – und das oft wesentlich günstiger.
Wer eine Zugfahrt plant, denkt meistens noch prompt an die DB. Dabei werden immer mehr Strecken auch von konkurrierenden Anbietern bedient – und das oft wesentlich günstiger.
Lange Zeit war das vertraute Rot-Weiß der Deutschen Bahn im Fernverkehr quasi alternativlos. Doch das einstige Monopol bröckelt: Angetrieben vom Kundenwunsch nach klimafreundlichen Reisen und offeneren EU-Märkten drängen immer mehr private Anbieter und ausländische Staatsbahnen auf die deutschen Gleise.
Da der Markt für Hochgeschwindigkeitsbahnen aufgrund der hohen Anschaffungskosten schwer zu knacken ist, besetzen neue Anbieter geschickt Nischen: entweder als Low-Cost-Tageszüge mit älterem, modernisiertem Wagenmaterial oder im reinen Nachtreiseverkehr.
Für Fahrgäste ist das eine hervorragende Nachricht. Mehr Wettbewerb sorgt nicht nur für ein größeres Angebot an Routen, sondern belebt auch das Geschäft beim Service und den Ticketpreisen – man muss die neuen Mitstreiter nur erst mal auf dem Schirm haben. Wer die Reisebranche derzeit aufmischt, zeigt unsere Übersicht der spannendsten neuen oder neu aufgelegten Verbindungen 2026.
Der größte DB-Konkurrent Flixtrain setzt dieses Jahr vor allem auf den Ausbau der innerdeutschen Routen: Die Strecke Hamburg–Berlin–Erfurt–Stuttgart wird nun ohne Umstieg mit rund 8,5 Stunden Reisezeit angeboten. Außerdem gibt es täglich mehr Fahrten zwischen Berlin und Frankfurt am Main sowie Köln und Hamburg.
Spannend, aber noch Zukunftsmusik: Während Flixtrain bisher voll auf ältere, modernisierte Waggons setzte, will das Unternehmen ab 2028 erstmals fabrikneue Fernzüge einsetzen, die der Bauart des ICE L der DB entsprechen. Dann soll endlich auch München in Flixtrains Streckennetz integriert werden.
In eher gemütlichen 7,5 Stunden, dafür zu Schnäppchenpreisen ab 19 Euro rollen die Züge des niederländischen Unternehmens GoVolta von Berlin nach Amsterdam. Angeboten wird die Strecke ab 1.7.2026 an allen Wochentagen außer Dienstag, zusteigen kann man in Hannover und Osnabrück, ab 28.9. teils auch in Braunschweig und Magdeburg. Am günstigsten fährt, wer mindestens sieben Monate vorab bucht, für Juli und August kosten Tickets derzeit 35 bis 75 Euro. Aufschlag fällt für Sitzplatzreservierungen, große Koffer oder ein änderbares Reisedatum an.
Wichtig: Stullen einpacken, die Züge haben (noch) kein Bistro.
Seit dem 4. Mai 2026 bietet der schwedische Snälltåget, bei uns bisher für seine Nachtfahrten bekannt, auf der beliebten Strecke Hamburg–Stockholm täglich auch eine Tagesverbindung an. Der neue Direktzug startet um 9.51 Uhr in der Hansestadt und erreicht Stockholm nach Stopps u.a. in Neumünster, Kopenhagen, Malmö, Lund und Linköping um 21.17 Uhr – macht etwa 11,5 Stunden Fahrzeit. Der Restaurantwagen „Krogen“ ist stets geöffnet.
Tickets für die gesamte Strecke kosten zwischen 499 und 1799 Schwedischen Kronen, was ca. 46 bis 167 Euro entspricht. Je 20 Prozent Rabatt gibt es für junge Leute bis 25 Jahre sowie Senioren ab 60 Jahre. Reisen mindestens zwei Personen zusammen, spart man mit dem „Tillsammans-Ticket“ 25 Prozent.
In Sachen Geschwindigkeit sticht er den ICE glatt aus: Der Frecciarossa 1000 (dt: „Roter Pfeil“) von Trenitalia kann auf gerader Linie über 350 km/h erreichen und soll ab Ende 2026 auf den Strecken München–Rom sowie München–Mailand zum Einsatz kommen – mit zunächst einer Verbindung pro Tag. Attraktive Zwischenstopps sind Richtung Mailand (ca. 6,5 Stunden Fahrzeit) Innsbruck, Bozen und Verona; Richtung Rom (ca. 8,5 Stunden) kommen Bologna und Florenz hinzu. Ab Ende 2027 soll die Strecke in Italien bis Neapel, in Deutschland bis Berlin verlängert werden. Angaben zu Ticketpreisen gab es bei Redaktionsschluss noch nicht.
Wir hatten bereits verkündet, dass es mit dem ComfortJet erstmals seit zehn Jahren wieder einen Direktzug zwischen Prag und Kopenhagen gibt – hervorgegangen aus einer Kooperation der DB, der dänischen Staatsbahn DSB sowie der tschechischen Bahn ČD. Seit dem 1.5.2026 fährt der bis zu 230 km/h schnelle Zug mehrmals täglich mit Halt in Dresden, Berlin und Hamburg. Tickets gibt es dank „Super Sparpreis Europa“ ab 19,99 Euro; normale Fahrkarten mit Stornooption sind auf der Seite der ČD (cd.cz/en) oft günstiger als auf bahn.de.
Der populäre „Knödelexpress“ mit dem berühmten 90er-Jahre-Speisewagen auf der Strecke Prag–Berlin ist seit Oktober 2025 Geschichte. Im modernen Bistro des ComfortJet werden zwar weiter frisch gezapftes Bier, böhmischer Sauerbraten und Schnitzel angeboten – Letztere aber nicht mehr frisch zubereitet, sondern aufgewärmt.
Schon ab 9 Euro soll der Leo Express Fahrgäste ab dem 13.12.2026 von Prag über u.a. Pilsen, Domažlice und Regensburg bis nach München bringen. Geplant sind acht Verbindungen pro Tag. Bereits ab dem 25.6. startet lautet Unternehmensmeldungen die neue Leo-Express-Linie von Frankfurt am Main ins polnische Przemyśl mit Stopps in Leipzig, Dresden, Prag und Krakau. Wer sich auf leoexpress.com/de für den Newsletter anmeldet, bekommt 20 Prozent Rabatt.
Ebenfalls zwischen Leipzig, Krakau, Breslau und Przemyśl rollt seit einigen Monaten zweimal täglich der neue Eurocity. Die Fahrzeit bis Krakau beträgt sieben Stunden; praktischerweise hält der Zug auch in Riesa, Elsterwerda, Ruhland und Hoyerswerda. Tickets kosten mit dem „Super Sparpreis Europa“ der DB inklusive Sitzplatzreservierung ab 19,99 Euro.
Die Nachtzugverbindung Berlin–Hamburg–Stockholm ist gerettet: Nachdem die schwedische Staatsbahn SJ die Strecke aufgegeben hat, bedient sie ab dem 1.9.2026 der private RDC EuroNight dreimal pro Woche. Zwischenhalte sind u.a. Kopenhagen und Göteborg, Tickets ab 40 Euro.
Ende 2025 wurde bekannt, dass der Nightjet (ÖBB) die beliebte Strecke Berlin–Brüssel–Paris nicht mehr befährt. Nun hat das niederländisch-belgische Unternehmen European Sleeper übernommen: Ab Berlin startet sein Zug jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag um 19.33 Uhr. Ab dem 13.7. macht der Nachtzug Stopp in Hamburg. Tickets kosten ab 79,99 Euro pro Person im geteilten Abteil, ab 279,99 Euro für ein Privatabteil (max. fünf Personen). Ab 9.9.2026 fährt zudem ein European Sleeper Montag, Donnerstag und Samstag von Brüssel über Aachen, Köln, Zürich, Lugano bis Mailand. 2027 kommt eine direkte Amsterdam-Verbindung hinzu.
Von Wiebke Hugen
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