Nach Jahren in Berlin kehrt der Modedesigner der hektischen Hauptstadt den Rücken. Wie einige Prominente vor ihm zieht es ihn nun in ruhigere Gefilde.
Das Leben in der Großstadt kann seinen Bewohnern viel abverlangen. Konfrontiert mit Endlos-Baustellen, Staus, Wohnungsknappheit und einem täglichen Miteinander, das hin und wieder mal zu wünschen übrig lässt, ist es ein ständiger Balanceakt zwischen unzähligen Möglichkeiten und latenter Überforderung.
Auch die vielen Prominenten, die in Berlin leben und es oft so mühelos erscheinen lassen, sind davor nicht gefeit. Nach einigen Jahren in der Hauptstadt kehrt ihr nun Designer Harald Glööckler den Rücken. Ihn zieht es zurück in seine alte Heimat.
So verbringt Glööckler aktuell den Sommer in seinem Anwesen im rheinland-pfälzischen Kirchheim an der Weinstraße, wie die Bild berichtet. Der Umzug markiert für den 61-jährigen Unternehmer nicht nur einen Wohnortwechsel, sondern auch einen bewussten Neuanfang nach der Trennung von seinem Ehemann. Hauptgrund seien dabei vor allem die damit verbundenen veränderten Lebensbedingungen: Der Berliner Trubel belaste ihn zunehmend.
„Ich habe in den Jahren in Berlin festgestellt, dass mir die Großstadt auf Dauer einfach nicht mehr guttut“, erklärt der Designer. „Alles kommt mir immer lauter vor, immer hektischer und leider auch immer dreckiger. Ich glaube, das ist auf Dauer nicht die richtige Umgebung, wenn man 100 Jahre alt werden möchte. Und seit Ikarus in mein Leben gekommen ist, habe ich noch einmal sehr stark hinterfragt, wie ich eigentlich leben möchte“ – Ikarus ist sein Hund.
Nun lebt Glööckler also in der Pfalz – und zwar in einer geschichtsträchtigen Villa aus dem Jahr 1927, die nach der Trennung von seinem langjährigen Ehemann Dieter Schroth zeitweise leer stand und ursprünglich verkauft werden sollte. Der Künstler nutzt das Gebäude nun selbst und hat die Räumlichkeiten komplett verändert.
Wie er es gestalterisch am liebsten mag, hat er der Berliner Zeitung bereits vor drei Jahren gezeigt: Je pompööser, desto besser. Doch ganz anders als in seinem neuen Domizil: Statt schwerer Stoffe und Prunk bis zum Abwinken setzt er auf helle Räume und viel Platz für seine Kunstwerke – im Erdgeschoss befindet sich sogar eine eigene Galerie.
„Ich musste mich neu erfinden. Ich wollte mehr Leichtigkeit, weniger Schwere“, erklärt Glööckler. „Alles dreht sich um meine Kunst, für die es genug Raum gibt, die ich über Auktionen und Vernissagen präsentiere und verkaufe.“
Doch der vollbärtige Designer und TV-Star ist bei weitem nicht der erste Prominente, der sich von Berlin abwendet. Während manche mit Aussagen wie „Berlin ist over“ zwar für Aufsehen sorgen, aber offenbar keinen Widerspruch darin sehen, weiterhin in der Hauptstadt zu leben, ziehen andere tatsächlich Konsequenzen und packen ihre Koffer. Die Liste prominenter Abgänge ist länger, als man denken könnte.
Sarah Connor etwa zog erst im vergangenen Jahr nach Frankreich ans Meer – allerdings weniger aus Abneigung gegenüber Berlin als vielmehr aus Zuneigung zur Mittelmeerregion. So ließ sie es zumindest in einem entsprechenden Instagram-Post durchscheinen. Demnach sei es ein lange gehegter Traum gewesen, am Meer zu leben und ihrer Familie mehr Ruhe zu ermöglichen.
Ganz anders Guido Maria Kretschmer, der der deutschen Hauptstadt überdrüssig war. „Berlin hat ein bisschen seinen Charme verloren, das ist traurig“, sagte der „Shopping Queen“-Moderator vor einiger Zeit im Interview mit der Berliner Zeitung.
Immerhin zehn Jahre war er hier beheimatet – bis es ihn 2021 nach Hamburg zog. Allerdings zeigt er sich versöhnlich: Irgendwie liebt er die Stadt an der Spree offenbar noch immer, weshalb er seine Wohnung in Schöneberg damals zumindest nicht aufgab.
In den vielen Statements der ehemaligen Hauptstadt-Prominenz scheint vor allem eines durch: Berlin war gut genug für einen Lebensabschnitt – doch irgendwann wird es Zeit für etwas Neues.
So erklärte auch Schauspieler Oliver Wnuk, unter anderem bekannt aus „Stromberg“ und der ZDF-Krimireihe „Nord Nord Mord“, in einem Interview mit der Bild der Frau: „Berlin ist auch langsam durch für mich. Ich wohne in Friedrichshain, das ist das Mekka der 20-Jährigen. Ich passe da als fast 50-Jähriger nicht mehr rein, ohne meine Würde zu verlieren.“ Damals zog es ihn in den Süden, erklärte er. Und tatsächlich: Nach rund 18 Jahren verließ er 2024 schließlich seine alte Heimat und zog nach Bayern an den Starnberger See.
Eine regelrechte Abrechnung mit Berlin lieferte Peggy Gou. Die Star-DJ und zeitweilige Wahl-Berlinerin erklärte in einem Statement auf Instagram im vergangenen Jahr: „Der Grund, warum ich Berlin verlasse, ist, dass jeder denkt, er sei ein Hipster. Berlin war mal eine coole Stadt, aber die jungen Leute sind heute alle Creative Director, jeder ist DJ, jeder ist ein Fotograf. Ich frage mich, ob die in Berlin sind, um noch irgendetwas zu lernen.“
Die im südkoreanischen Incheon geborene Musikerin zog mit 15 Jahren nach London und 2013 nach Berlin, wo sie ihre Karriere als DJ startete.
Stilikone und Star-DJ: Peggy Gou konnte Berlin aufgrund der vermeintlich vielen Hipster, Kreativdirektoren und Fotografen nicht mehr aushalten.
© Björn Larsson Rosvall/TT/Imago
Und zum Schluss: Auch Hape Kerkeling lebte mit seinem Mann in Berlin – suchte 2017 aber das Weite und wurde in Köln fündig. Für ihn war vor allem die „homophobe Atmosphäre“ in der Stadt ein Grund für den Wegzug. Selbst auf der Schöneberger Motzstraße habe man sich nicht mehr so frei bewegen können wie früher.
Bei „Maybrit Illner“ erklärte Kerkeling, er habe „manchmal das Gefühl, dass wir in einer ähnlichen Zeit leben wie in der Weimarer Republik. Mir kommt es so vor, als wären wir am Vorabend von etwas, das ich nicht miterleben möchte.“ So habe er schweren Herzens Berlin verlassen – bereue diesen Schritt aber nicht.
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