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DIE NEUESTEN ENTWICKLUNGEN - Waffenruhe im Gazastreifen: Vermittlerstaaten verurteilen Israels jüngste Angriffe im Gazastreifen +++ Abzug von Israel laut Trumps Friedensrat erst nach Hamas-Entwaffnung

Дата публикации: 04-08-2026 07:16:49

Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas ist brüchig. Bis zu einem nachhaltigen Frieden im Nahen Osten ist es ein weiter Weg. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Die neuesten Entwicklungen

Waffenruhe im Gazastreifen: Vermittlerstaaten verurteilen Israels jüngste Angriffe im Gazastreifen +++ Abzug von Israel laut Trumps Friedensrat erst nach Hamas-Entwaffnung

Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas ist brüchig. Bis zu einem nachhaltigen Frieden im Nahen Osten ist es ein weiter Weg. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

NZZ-Redaktion04.08.2026, 09.16 UhrAktualisiert


Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Fahrzeug ist eine Schülerin ums Leben gekommen.

Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Fahrzeug ist eine Schülerin ums Leben gekommen.

Salah Hashem / Imago

Die neuesten Entwicklungen:
  • Die Vermittlerstaaten im Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen haben die jüngsten Angriffe Israels in dem abgeriegelten Gebiet scharf verurteilt. In einer in der Nacht auf Dienstag (4. 8.) veröffentlichten gemeinsamen Erklärung Katars, Ägyptens und der Türkei hiess es, «diese Verstösse» gefährdeten den Weg zur Deeskalation und verschärften das Leid der Zivilbevölkerung. Israel müsse seinen Verpflichtungen aus dem Völkerrecht nachkommen und die Bedingungen des Waffenruheabkommens einhalten, um dessen Umsetzung nicht zu untergraben. Die Vermittler forderten erneut einen umfassenden Schutz der Zivilbevölkerung, medizinischer Einrichtungen und von Helfern. Ferner müsse die Lieferung humanitärer Hilfe und von medizinischen Gütern im gesamten Gazastreifen gewährleistet sein.
  • Der umstrittene Friedensrat für den Gazastreifen erwartet von Israel erst nach einer Entwaffnung der islamistischen Terrororganisation Hamas einen kompletten Abzug aus dem Küstenstreifen. «Entgegen unzutreffenden Berichten stellen wir klar, dass der vollständige Abzug der israelischen Armee hinter die gelbe Linie erst erfolgen wird, sobald die Abgabe (der Waffen) vollständig abgeschlossen ist, wie es die Hamas den Vermittlern zugesagt hat», hiess es in einer Mitteilung des Friedensrats auf der Plattform X. «Dies gilt gleichermassen für leichte Waffen, schwere Waffen und die Tunnelsysteme.»
  • Bei neuen israelischen Angriffen im Gazastreifen sind am Sonntag (2. 8.) mindestens sieben Palästinenser getötet worden. Unter den Toten soll auch ein Kind sein, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa mitteilte. Ein israelischer Armeesprecher sagte, man prüfe die Berichte.
  • Die Terrororganisation Hamas hat sich über ihre Entwaffnung geäussert. Die Umsetzung der zweiten Phase des von den USA vorangetriebenen Friedensplan hänge davon ab, dass Israel alle Bedingungen der ersten Phase einhalte, hiess es in der Mitteilung vom Freitag (31. 7.). Dazu zähle das Ende der militärischen Einsätze Israels. Die zweite Phase des Plans sieht die vollständige Entwaffnung der Hamas vor.
  • Der amerikanische Präsident Donald Trump hat eine Vereinbarung zur Entwaffnung der Hamas verkündet. Der von den USA initiierte sogenannte Friedensrat hat laut Trump am Donnerstag (30. 7.) eine Vereinbarung zur «vollständigen Entwaffnung» der islamistischen Hamas im Gazastreifen erzielt.  Zum Bericht
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InhaltsverzeichnisWie ist die gegenwärtige Lage im Konflikt zwischen Israel und der Hamas?

Seit Oktober 2025 gilt nach zweijährigem Krieg ein formeller Waffenstillstand in Gaza. Israel und die islamistische Hamas stimmten einem von den USA vorgelegten «Friedensplan» zu. Dessen erste Phase beinhaltete neben dem Ende der Kämpfe die Rückgabe von Geiseln und Gefangenen sowie den teilweisen Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen. Zudem soll der Zugang für humanitäre Hilfe nach Gaza erleichtert werden. Die israelische Armee zog sich seither hinter vereinbarte Linien zurück, und die Hamas übergab lebende und tote Geiseln. Israel liess zudem palästinensische Gefangene frei.

Die Lage bleibt aber fragil. Immer wieder kommt es zu Feuergefechten. Israel fliegt weiterhin Luftangriffe als Reaktion auf angebliche Verstösse gegen die Waffenruhe in Gaza. Laut Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden zwischen Beginn des Waffenstillstands und Ende Dezember 2025 mehr als 400 Palästinenser getötet, davon überwiegend Zivilisten. Die Uno-Kinderhilfsorganisation Unicef teilte im Januar mit, seit dem Waffenstillstand seien mehr als 100 Kinder in Gaza getötet worden. Auf israelischer Seite wurden laut der Nachrichtenagentur Reuters bis Mitte Januar drei Soldaten getötet. Auch hat die Hamas bis Mitte Januar noch nicht alle Geiseln zurückgegeben: Die sterblichen Überreste eines Israeli befinden sich weiterhin im Gazastreifen.

Dennoch haben die USA am 14. Januar angekündigt, dass der Friedensplan in die zweite Phase starten soll. Ebenso wurden die Mitglieder einer Übergangsregierung aus palästinensischen Technokraten bekanntgegeben. Das Komitee soll den Gazastreifen vorübergehend verwalten. Diese Technokratenregierung soll von einem «Friedensrat» unter Trumps Leitung beaufsichtigt und unterstützt werden. Ob damit der Übergang zur zweiten Phase gelingt, ist ungewiss. Viele Punkte, etwa die Entwaffnung der Hamas oder der Einsatz einer internationalen Stabilisierungstruppe, sind noch ungeklärt.

Der amerikanische Präsident Donald Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu trafen sich Ende Dezember 2025 in Florida, um die Implementierung der zweiten Phase des Friedensplans zu besprechen.

Der amerikanische Präsident Donald Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu trafen sich Ende Dezember 2025 in Florida, um die Implementierung der zweiten Phase des Friedensplans zu besprechen.

Amos Ben Gershom/Israel Gpo / Imago

Wie kam es zum Waffenstillstand?

Im Herbst 2025 kam es zu indirekten, von Ägypten, Katar, der Türkei und den USA vermittelten Gesprächen zwischen Israel und der Hamas. Am 10. Oktober 2025 trat nach intensiven Verhandlungen der Waffenstillstand in Kraft. Im November 2025 segnete der Uno-Sicherheitsrat die Vereinbarung ab.

Im Zentrum des Waffenstillstands steht ein von Donald Trump entwickelter 20-Punkte-Friedensplan. Der amerikanische Präsident und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu stellten den Plan erstmals im September 2025 im Weissen Haus vor.

Davor war der internationale Druck für einen Frieden im Nahen Osten war vor allem wegen der katastrophalen humanitären Lage in Gaza gestiegen. Nachdem Israel Anfang September Hamas-Vertreter in Katar bombardiert hatte, was den Interessen der USA und von deren Partnern in den arabischen Golfstaaten zuwiderlief, wurde Trump aktiv. Er setzte den Sondergesandten Steve Witkoff und seinen in der Golfregion vernetzten Schwiegersohn Jared Kushner als Chefverhandler ein. Sie konnten sowohl Israel als auch mehrere arabische und muslimische Staaten für den 20-Punkte-Plan gewinnen.

Was beinhaltet der 20-Punkte-Plan der USA?

Der Plan will den Krieg im Gazastreifen beenden sowie einen Rahmen für Frieden und eine politische Ordnung in Gaza schaffen. Im Rahmen des ersten Teils des Abkommens sollten unter anderem alle aus Israel entführten lebenden und toten Geiseln übergeben werden. Im nächsten Schritt soll die Hamas entwaffnet und der Gazastreifen wieder aufgebaut werden. Hamas-Mitglieder, die sich zu einer friedlichen Koexistenz mit Israel und zur Niederlegung ihrer Waffen verpflichten, sollen eine Amnestie erhalten.

Die zweite Phase sieht zudem eine Übergangsregierung für Gaza und eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) vor, die im Gazastreifen für Ordnung sorgen soll. Ein internationaler «Friedensrat» soll unter Leitung von Donald Trump die Übergangsregierung beaufsichtigen. Die israelische Armee soll aus dem Grossteil des Gazastreifens abziehen und bislang gehaltene Gebiete schrittweise an die ISF übergeben. Noch ist allerdings unklar, welche Länder Truppen für die ISF zur Verfügung stellen werden. Auch die palästinensische Übergangsregierung sowie der «Friedensrat» haben ihre Arbeit noch nicht aufgenommen.

Israels Ministerpräsident hat den 20 Punkten zugestimmt, die zu einem Ende des Krieges im Gazastreifen führen sollen – das Dokument im Wortlaut.

Wie aussichtsreich ist der Friedensplan?

Donald Trump hat bereits im Herbst den «ewigen Frieden» im Nahen Osten ausgerufen. Ob seine Pläne aber für eine nachhaltige Ruhe im Gazastreifen sorgen oder gar eine Lösung des jahrzehntealten und komplexen Nahostkonflikt vorantreiben können, ist bisher noch nicht abzusehen.

Das israelische Verteidigungsministerium hat mitgeteilt, dass Israel seine Truppen niemals vollständig aus dem Gazastreifen abziehen werde. Die israelische Regierung möchte zudem weiterhin die strategische Kontrolle über Gaza behalten, zum Beispiel durch Sicherheits- und Grenzkontrollen. Einflussreiche Minister der Regierung Netanyahu fordern längst eine Rückkehr zum Krieg, um die Hamas zu vernichten. Manche Vertreter der radikalen Siedlerbewegung sprechen sich auch für eine jüdische Besiedlung des Gazastreifens und die Vertreibung seiner Bewohner aus.

Angehörige der radikalen Siedlerbewegung versammeln sich im Dezember 2025 während einer Veranstaltung zur Unterstützung einer israelischen Übernahme des Gazastreifens auf einem Hügel mit Blick auf den Gazastreifen.

Angehörige der radikalen Siedlerbewegung versammeln sich im Dezember 2025 während einer Veranstaltung zur Unterstützung einer israelischen Übernahme des Gazastreifens auf einem Hügel mit Blick auf den Gazastreifen.

Maya Levin / AP

Die islamistische Hamas fordert derweil den vollständigen Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen und ein Ende der israelischen Blockade. Sie hat sich zwar zuletzt bereit gezeigt, die politische Macht in Gaza abzugeben, eine Entwaffnung lehnt die islamistische Hamas jedoch ab. Israel befürchtet, dass sie versuchen wird, im Verborgenen ihre militärischen Fähigkeiten wieder aufzubauen und neue Angriffe gegen Israel vorzubereiten.

Laut Trumps Plan soll im Gazastreifen demnächst die im Januar bestimmte Übergangsregierung die Macht übernehmen. Sie besteht aus palästinensischen Experten und Wirtschaftsvertretern, die zuvor von Israel auf Sicherheitsrisiken hin geprüft wurden. Während die israelische Regierung die Übergangsregierung zwar akzeptierte, aber eher unterkühlt auf deren Einbestellung reagierte, weckte sie auf der palästinensischen Seite Hoffnung. Wann das Technokratenkomitee tatsächlich seine Arbeit aufnimmt, ist noch unklar.

Während der Westen einen Waffenstillstand als Auftakt zu Friedensverhandlungen, zumindest aber als Ende der Kampfhandlungen versteht, haben Israeli und Araber andere Konzepte dafür parat.

Die amerikanische Regierung verkündet den nächsten Schritt in Richtung Frieden für den Gazastreifen. Eine Übergangsregierung für den Küstenstreifen ist bestimmt. Israel reagiert unterkühlt, während die Palästinenser Hoffnung schöpfen.

Wie ist die humanitäre Lage in Gaza?

Der zweijährige Krieg hat im Gazastreifen für eine verheerende humanitäre Krise gesorgt. Die Infrastruktur im Gazastreifen ist durch die israelischen Militärschläge weitestgehend zerstört, das Gebiet liegt in Trümmern. Kein Ort im Küstengebiet ist vom Krieg verschont geblieben. Laut der deutschen Analysefirma Vertical52, die Satellitendaten auswertet, wurden in den vergangenen zwei Jahren 78 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen zerstört oder beschädigt. Der Wiederaufbau wird eine gigantische Herausforderung darstellen, etwa wegen Blindgängern und Tausenden Tonnen von Trümmern.

Durch den Krieg und die Blockierung von Essens- und Hilfslieferungen war die Versorgungslage insbesondere im Sommer 2025 katastrophal. Im August 2025 riefen von der Uno unterstützte internationale Experten eine Hungersnot für die Stadt Gaza und die umliegenden Gebiete aus.

Seit Beginn der Waffenruhe ist die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Gütern wieder angestiegen. Laut Berichten von Medien und Nichtregierungsorganisationen herrscht aber nach wie vor eine desolate humanitäre Lage. Die Mangelernährung, die Verbreitung von Krankheiten und das Ausmass der landwirtschaftlichen Zerstörung seien noch immer alarmierend hoch. Hinzu kommen Winterstürme und Starkregen, die bei der schlechten Versorgungslage verheerende Auswirkungen haben. Ein grosser Teil der Bevölkerung lebt in provisorischen Unterkünften. Laut dem Uno-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) bestehen immer noch Hindernisse für die Einfuhr von Hilfsgütern.

Der Schutt türmt sich, das Wasser ist kontaminiert, überall liegen Blindgänger: Um den Gazastreifen wieder bewohnbar zu machen, wären riesige Anstrengungen nötig. Eine visuelle Übersicht zeigt, wo die grössten Herausforderungen liegen.

Warum ist der Konflikt im Nahen Osten wieder eskaliert?

Der Gaza-Krieg war von einem beispiellosen Massaker der Hamas und anderer extremistischer Organisationen am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Damals töteten die islamistischen Terroristen in Israel rund 1200 Menschen und verschleppten mehr als 250 Israeli in den Gazastreifen. Die israelische Armee lancierte umgehend Luftangriffe auf Hamas-Ziele und rückte später auch mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein.

In zwei verheerenden Kriegsjahren wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 71 000 Palästinenser im Gazastreifen getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Diese Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Ebenso unklar ist, wie viele Hamas-Kämpfer unter den Getöteten sind.

Auf israelischer Seite wurden zusätzlich zu den Opfern der Massaker vom 7. Oktober 2023 laut Angaben des israelischen Militärs bis Ende 2025 466 israelische Soldaten getötet. Zudem kommt es immer wieder zu tödlichen Anschlägen von Hamas-Terroristen. Weitere Israeli wurden durch Raketenangriffe Irans und der libanesischen Schiitenmiliz Hizbullah getötet, die mit der Hamas verbündet sind.

Rekonstruktion eines unfassbaren Terrorakts.

Mit Agenturmaterial

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