Die Lage in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika ist nach der Ankunft Tausender Migranten angespannt. Die neusten Meldungen zur Migrationskrise.
Die Lage in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika ist nach der Ankunft Tausender Migranten angespannt. Die neusten Meldungen zur Migrationskrise.
NZZ-Redaktion03.08.2026, 18.58 Uhr
Berichte: Angespannte Nacht in Nordafrika-Exklave Melilla
Nach versuchten Grenzübertritten hat die Polizei in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla laut Medienberichten die ganze Nacht die Grenze zu Marokko abgesichert. Auf Bildern des staatlichen Fernsehens RTVE war zu sehen, wie zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil mit Blaulicht den Grenzverlauf entlangfahren. Unbekannt blieb, wie viele Menschen versuchten, den Grenzzaun zu überqueren oder gar in die Stadt gelangten. Ein Reporter von RTVE sprach von «mehreren Versuchen».
Am späten Freitagabend hatten rund 500 Menschen in mindestens zwei Schüben versucht, sich von Marokko aus Zutritt zu der Exklave zu verschaffen, wie Medien berichteten. Mehrere Menschen warfen laut den Berichten Steine auf die Beamten, während die Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hätten. Es blieb unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. Der Grenzübergang Beni Enzar ist seit Donnerstagabend geschlossen.
EU berät sich in Krisensitzung zu Ceuta
In der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat der grosse Andrang von Migranten zwar nachgelassen – doch die Folgen der Krise sind in Europa längst nicht vorbei. Heute wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die Entwicklungen austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte.
«Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten», versicherte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. Nach Angaben des spanischen Aussenministers José Manuel Albares sind nahezu alle der mindestens 50 000 irregulär eingereisten Menschen von Ceuta nach Marokko zurückgekehrt. Mindestens 57 Menschen waren beim Überqueren der Grenze nach Ceuta übers Meer ums Leben gekommen.
Bericht: Migranten versuchten Grenzüberquerung in Melilla
In der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla kam es laut Berichten zu erneuten Versuchen von Migranten, irregulär einzureisen. Am Freitagabend haben in Melilla rund 500 Menschen versucht, die Grenze von Marokko aus zu überqueren, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE. Die Sicherheitskräfte seien im Einsatz gewesen.
Zwei Stunden später, um 21 Uhr, habe es einen weiteren Versuch gegeben, den Grenzzaun zu überwinden. Mehrere Menschen haben dem Bericht zufolge Steine auf die Beamten geschleudert, während die Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hätten. Zunächst war unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. Der Grenzübergang Beni Enzar ist seit Donnerstagabend geschlossen.
Nahezu alle Migranten haben Ceuta verlassen
Die Migrationskrise in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta ist laut der spanischen Regierung nach dem Andrang von mindestens 50 000 Menschen nun praktisch überwunden. «Nahezu alle, die in Ceuta angekommen waren, sind inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt», schreibt Aussenminister José Manuel Albares auf X.
Die Integrität des Schengen-Raums sei gewährleistet. Es sei nicht möglich, auf das spanische Festland zu gelangen, ohne sich auszuweisen, erklärte Albares nach Kritik anderer Staaten der Europäischen Union. Er kritisierte die «interessengeleitete Verwirrung» rund um die Krise - ohne direkt auf eine bestimmte Regierung hinzuweisen. Zuvor hatte Italien angekündigt, das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend auszusetzen.
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner schreibt auf X, Albares habe ihm in einem Telefonat erzählt, dass «praktisch alle, die nach Ceuta eingereist waren, zurückgekehrt sind». Keine einzige Person habe die Grenze zum EU-Festland überschritten. Man bleibe in engem Kontakt.
Italien setzt Schengen-Abkommen mit Spanien aus
Italien setzt das Schengen-Abkommen mit Spanien in Reaktion auf den massenhaften Zustrom von Migranten in die spanische Exklave Ceuta aus. Das geht aus einer Mitteilung des italienischen Innenministeriums hervor.
Da Italien keine Landgrenze mit Spanien hat, betrifft der Schritt vor allem Personen, die mit dem Flugzeug oder dem Schiff zwischen den beiden Ländern reisen. Sie müssen sich bei der Einreise wieder mit einem Pass oder einer Identitätskarte ausweisen.
Das italienische Innenministerium teilte weiter mit, dass es gemeinsam mit Frankreich die Kontrollen an der gemeinsamen Landgrenze verstärken will.
Kritiker der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni tun den Schritt als symbolische Geste ab, die sich an ein innenpolitisches Publikum richte. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Migranten in Ceuta die Absicht hätten, nach Italien weiterzureisen.
Zahl der Todesopfer steigt auf 57
Laut den neusten Angaben sind mindestens 57 Migranten beim Versuch, aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen, ums Leben gekommen. Das teilte die spanische Regierung mit.
Offenbar 37 500 Menschen bereits nach Marokko zurückgekehrt
37 500 Menschen, die irregulär in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika gekommen sind, haben das Gebiet wieder Richtung Marokko verlassen. Das berichten der staatliche spanische TV-Sender RTVE und andere Medien unter Berufung auf das Innenministerium in Madrid.
Das würde bedeuten, dass drei Viertel der rund 50 000 Menschen, die nach Regierungsangaben in den vergangenen Tagen irregulär in die Exklave an der Meerenge von Gibraltar gelangt waren, nicht mehr dort sind. Unabhängig überprüfen liessen sich die Angaben nicht.

Deutscher Aussenminister Wadephul nennt Lage in Ceuta besorgniserregend
Spanien muss nach den Worten des deutschen Aussenministers Johann Wadephul (CDU) umgehend die vollständige Kontrolle über Ceuta zurückgewinnen - die Situation dort sei «besorgniserregend». Der Schutz der europäischen Aussengrenze sei von überragender Bedeutung für die Europäische Union, um illegale Migration in Schach zu halten, erklärte er.
Er sei dazu mit seinem spanischen Amtskollegen José Manuel Albares und seinem marokkanischen Kollegen Nasser Bourita sowie Kolleginnen und Kollegen innerhalb der EU in Kontakt gewesen. «Jetzt ist schnelles und gemeinsames Handeln im Sinne der Europäischen Union gefragt, um den Schengenraum - eine der grössten Errungenschaften der EU - zu schützen und offenzuhalten», so Wadephul.
Briten bieten Unterstützung an
Die britische Regierung hat Spanien wegen der Krise in der Exklave Ceuta Unterstützung angeboten. «Natürlich ist das in erster Linie eine Angelegenheit der spanischen Regierung, aber die Situation gibt Anlass zur Sorge», sagte Premierminister Andy Burnham laut der Nachrichtenagentur PA. «Wir nehmen Kontakt mit der spanischen Regierung und den spanischen Behörden auf, um Unterstützung anzubieten, aber auch, um die Auswirkungen dieser Situation besser zu verstehen.»
Österreich sieht Schengen-Freiheit in Gefahr
Österreichs Kanzler Christian Stocker hat angesichts der Ankunft Tausender Migranten in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta Madrid zu konsequentem Handeln aufgefordert. «Jetzt ist entscheidend, dass Spanien seiner europäischen Verantwortung nachkommt und sicherstellt, dass kein einziger illegaler Migrant auf europäisches Festland gelangt», sagte Stocker.
Sollte sich die Lage so entwickeln, «dass wir Druck auf unsere nationalen Grenzen spüren, werden wir alles unternehmen, um diese zu schützen - dazu gehören im Bedarfsfall auch temporäre Schliessungen der Schengen-Grenzen», sagte der österreichische Regierungschef.