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Feuerpause am Golf, Eskalation am Tor der Tränen – schickt Iran jetzt seine Verbündeten los?

Дата публикации: 27-07-2026 14:07:39

Seit Freitag herrscht zwischen Washington und Teheran eine Feuerpause. Die Huthi-Miliz in Jemen hingegen kämpft weiter. Doch die einst gefürchtete, proiranische Achse, der sie angehören, ist stark geschwächt.

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Feuerpause am Golf, Eskalation am Tor der Tränen – schickt Iran jetzt seine Verbündeten los?

Seit Freitag herrscht zwischen Washington und Teheran eine Feuerpause. Die Huthi-Miliz in Jemen hingegen kämpft weiter. Doch die einst gefürchtete, proiranische Achse, der sie angehören, ist stark geschwächt.

Boote in der Meerenge von Bab al-Mandab im Süden Arabiens. Inzwischen ist auch diese Wasserstrasse schwer zu passieren.

Boote in der Meerenge von Bab al-Mandab im Süden Arabiens. Inzwischen ist auch diese Wasserstrasse schwer zu passieren.

Reuters

Donald Trump klang fest entschlossen. Er denke darüber nach, zu einem grossen Schlag gegen Iran auszuholen, sagte der US-Präsident am letzten Donnerstag, nachdem sich amerikanische und iranische Truppen fast zwei Wochen lang heftige Kämpfe geliefert hatten. Doch es kam anders: Statt die Eskalation zu befehlen, drückte Trump auf die Pausentaste.

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Anstatt Brücken und Ölanlagen zu pulverisieren oder, wie spekuliert, sogar Bodentruppen auf die Insel Kargh zu schicken, stellte Washington seine Angriffe auf Iran am Freitag vorerst ein. Teheran wiederum unterliess ebenfalls Gegenangriffe auf die Golfstaaten Bahrain und Kuwait.

Iran gibt sich kämpferisch

Seither herrscht im Nahen Osten eine trügerische Ruhe. Die Kampfpause diene dazu, der Diplomatie eine Chance zu geben, sagte Trump. Hinter den Kulissen vermuten jedoch viele, dass den Amerikanern möglicherweise die Abwehrraketen ausgehen und sie daher kein Interesse haben, den Konflikt zu eskalieren.

Iran hingegen gibt sich kämpferisch. «Wir haben keine Verhandlungen mit den Amerikanern verlangt», sagte der Teheraner Regierungssprecher Esmail Baghaei am Montag. Doch der Islamischen Republik dürfte eine Atempause ebenfalls gelegen kommen. Denn die schwer angeschlagenen Iraner können eine weitere Zerstörung ihrer Infrastruktur kaum gebrauchen.

Zudem scheint Teheran einen neuen Weg gefunden zu haben, um den Amerikanern zu schaden. So bat die iranische Führung die mit ihr verbündeten Huthi im fernen Jemen, die Meerenge von Bab al-Mandab zu sperren. Der «Tor der Tränen» genannte Wasserweg zwischen dem Roten Meer und dem Indischen Ozean ist neben der bereits blockierten Strasse von Hormuz der zweite wichtige Handelsweg, der unter Irans Kontrolle steht.

Sollen es die Verbündeten richten?

Dabei hatte sich die proiranische Miliz bis vor kurzem aus dem Krieg herausgehalten. Jetzt scheinen sich die Kampfhandlungen aber vom Golf hinunter nach Südarabien zu verlegen. Weil die mit Teheran verbündeten Jemeniten ausgerechnet mehrere saudische Tanker und Ölanlagen angriffen, schlug Riad am Wochenende bereits zurück und bombardierte Stellungen der seit 2015 in Nordjemen herrschenden Schiitenkrieger.

Anti-Trump-Plakat in Teheran. Seit Freitag herrscht zwischen Iran und Amerika eine Feuerpause.

Anti-Trump-Plakat in Teheran. Seit Freitag herrscht zwischen Iran und Amerika eine Feuerpause.

Majid Asgaripour / Wana News Agency

Die neuen Kämpfe in Jemen zeigen, dass Iran Monate nach Kriegsbeginn wieder vermehrt versucht, seine Verbündeten einzusetzen. Zuletzt hatte Teheran auf amerikanische Angriffe fast nur mit ballistischen Raketen und Drohnen der eigenen Streitkräfte geantwortet. Dabei sah die Verteidigungsstrategie der Iraner früher einmal ganz anders aus.

Jahrelang galt die «Achse des Widerstands» – jenes Netzwerk aus Milizen und Staaten, welches Iran in jahrzehntelanger Arbeit überall im Nahen Osten aufgebaut hatte – als Hauptverteidigungslinie Teherans. Hochgerüstete Gruppen, wie der Hizbullah in Libanon oder proiranische Kampfverbände im Irak, sollten verhindern, dass Iran selbst angegriffen würde.

Schwierige Lage in Libanon

Doch ausser den Huthi, die ihrer Aufgabe zwar spät, aber immerhin einigermassen gerecht zu werden versuchen, hat die gefürchtete Achse ihre Funktion kaum erfüllt. Denn die Allianz ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, und die meisten ihrer Mitglieder kämpfen ums Überleben.

Am schlimmsten ist die Lage in Libanon. Dort galt der Hizbullah einmal als Teherans Kronjuwel und bildete selbst Kämpfer in Jemen und im Irak aus. Aber nach zwei desaströsen Kriegen gegen Israel ist von der einst gefürchteten Miliz wenig übrig.

Zuletzt gelang es Hizbullah-Kommandos zwar, im Dienste Irans dem israelischen Militär in Südlibanon Verluste zuzufügen. Doch die mit Drohnen geführten Angriffe können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Hizbullah aus dem letzten Loch pfeift. Wirklich gefährlich kann die Miliz den Israeli, die inzwischen weite Teile Südlibanons besetzt halten, kaum mehr werden. In weiten Teilen Libanons ist sie wegen ihres Krieges im Namen einer fremden Macht zudem tief verhasst.

Der Hizbullah kann kaum mehr Waffen einführen

Zuletzt musste der Hizbullah sogar mit ansehen, wie Libanons Präsident Joseph Aoun gemeinsam mit Donald Trump im Weissen Haus über eine Entwaffnung der Miliz verhandelte. Derweil sieht ein Abkommen zwischen Libanon und Israel die Einrichtung sogenannter Pilotzonen in Südlibanon vor, wo die libanesische Armee vom israelischen Militär die Sicherheitsverantwortung übernehmen soll.

Selbst wenn diese Pläne aber nie zustande kommen und Israel weiterhin auf libanesischem Territorium verbleiben sollte: Der inzwischen komplett von iranischen Offizieren geführte Hizbullah hat einen schweren Stand – und kann seit dem Sturz des Asad-Regimes im benachbarten Syrien nur noch begrenzt Waffen importieren.

Ähnlich schwierig ist die Lage für Irans Verbündete im Irak. Zwar schossen auch dort proiranische Gruppen eifrig Raketen und Drohnen auf amerikanische Einrichtungen. Doch so richtig motiviert scheinen diese meist längst zu mafiaähnlichen Gebilden mutierten Milizen kaum zu sein. Nur die radikalsten von ihnen beteiligten sich am Krieg.

Viele Schiiten im Irak haben genug vom Krieg

Die schiitische Regierung in Bagdad unter dem neuen Ministerpräsidenten Ali al-Zaidi kündigte an, die verbleibenden Milizen bis Ende September entwaffnen zu wollen. Die meisten Schiitenkämpfer im Land sind sowieso längst Teil der Sicherheitskräfte und verfolgen neben ihrer Loyalität zu Iran auch andere, vor allem monetäre Interessen.

Iraks neuer Ministerpräsident Ali al-Zaidi (rechts) zu Besuch in Teheran. Bagdad versucht sich aus dem Krieg im Nahen Osten herauszuhalten, so gut es geht.

Iraks neuer Ministerpräsident Ali al-Zaidi (rechts) zu Besuch in Teheran. Bagdad versucht sich aus dem Krieg im Nahen Osten herauszuhalten, so gut es geht.

Hamed Malekpour / Imago

Viele irakische Schiiten haben zudem genug von Krieg und Krise und wollen endlich vom Erdölreichtum ihres Landes profitieren. Zaidi versucht deshalb, wie jeder irakische Regierungschef vor ihm, zwischen Iran und Amerika zu manövrieren. Zuletzt war der zum Politiker gewandelte Unternehmer in beiden Hauptstädten zu Gast. In Washington waren dabei auch die Waffen der proiranischen Gruppen ein Thema.

Offiziell weigern sich die Iraner, den Niedergang der Achse zu akzeptieren. Man sei dem Hizbullah dankbar für den Einsatz und werde ihn auch weiterhin unterstützen, verkündete Baghaei kürzlich. Bis heute sperren sich die Iraner zudem dagegen, einer Entwaffnung des Hizbullah und anderer Milizen im Rahmen eines Friedensabkommens mit Amerika zuzustimmen.

Den Huthi geht das Geld aus

Trotzdem erwiesen sich von allen Verbündeten bisher nur die jemenitischen Huthi-Kämpfer als einigermassen effektiv. Doch selbst wenn die Huthi mit ihren Angriffen im Roten Meer einer Anfrage Teherans nachkamen, verfolgen sie dabei längst auch eigene Interessen. So will die Miliz, die in Nordjemen mit harter Hand über ein Armenhaus regiert, ihr eigenes Überleben sichern.

Seit Monaten droht den Huthi nämlich das Geld auszugehen. Mit ihrer Risikostrategie gegen Saudiarabien wollen sie Riad nun dazu zwingen, weiterhin Löhne für Staatsangestellte zu bezahlen und Flugverbindungen vom derzeit geschlossenen Flughafen der Hauptstadt Sanaa zuzulassen.

Doch mit ihrem Kurs könnten die Huthi zu hoch pokern. Denn für Saudiarabien ist die Route durch das Tor der Tränen angesichts der Sperrung von Hormuz inzwischen überlebenswichtig. Fast alle Erdölexporte aus dem Königreich gehen durch dieses Nadelöhr. Riad kann weitere Angriffe im Roten Meer daher kaum einfach so hinnehmen.

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