Erstmals seit fünfeinhalb Jahren ist ein Treffen der früheren Regierungschefin Aung San Suu Kyi mit einem ausländischen Vertreter öffentlich geworden.
Wieder in der Öffentlichkeit aufgetaucht: Aung San Suu Kyi (l.) am 3. August bei einem Treffen mit Arnaude de Baecque vom Internationalen Roten Kreuz
Foto: AFP/Myanmar’s Presidential Press and Information Bureau
Es war eine echte Überraschung: Aung San Suu Kyi, Ikone der Demokratiebewegung und frühere Friedensnobelpreisträgerin, hat am Montag einen Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (ICRC) getroffen. Nur vier Bilder hat die Regierung von Putschisten-Präsident Min Aung Hlaing davon herausgegeben, auf denen die 81-Jährige in traditioneller burmesischer Tracht zu sehen ist und in gutem Zustand wirkt. Einzelheiten ihres Gespräches mit Arnaude de Baecque, Landesbeauftragter Myanmar des ICRC, in der Hauptstadt Naypyidaw wurden nicht bekannt. Das Rote Kreuz bestätigte die Zusammenkunft.
Manches lässt sich aus den Bildern ableiten. So verlautete bereits im April, die prominenteste Gefangene des Regimes, die noch eine 27-jährige Haft abzusitzen hätte, werde in Hausarrest überstellt. Belege dafür gab es zunächst nicht. Nun spricht einiges für die Vermutung, dass es sich beim Ort des Treffens um das Gebäude handelt, wo sie jetzt festgehalten wird. Ein Bewacher ist nicht direkt zu sehen. Bereits 17 Jahre ihres Lebens verbrachte die Tochter von Unabhängigkeitsheld General Aung San unter einer früheren Militärdiktatur in Unfreiheit – ihr Hausarrest damals erfolgte im Familienhaus in der Wirtschaftsmetropole Yangon.
Isoliert selbst von Anwälten und VerwandtenErleichtert von den dürftigen Impressionen zeigte sich jetzt vor allem ihr in den USA lebender Sohn Kim Aris. Wiederholt hatte der Brite in den vergangenen Monaten in Interviews ein Lebenszeichen seiner Mutter eingefordert. Letztmalig gesehen haben sich beide vor über fünf Jahren. Zwischenzeitlich wurden nicht einmal mehr ihre Anwälte zu Suu Kyi vorgelesen. Es gab Gerüchte, die Frau, in der Heimat unter ihrem Spitznamen »Die Lady« weiterhin hochverehrt, könnte gar in Haft gestorben sein. Dass ihr die Haft gesundheitlich stark zusetzte, wurde bei früheren Gelegenheiten bekannt.
Suu Kyi war die bestimmende Persönlichkeit der kurzen demokratischen Phase des Landes, führte es eine Legislatur als De-facto-Regierungschefin. Im November 2020 errang ihre Nationale Liga für Demokratie (NLD) einen weiteren überragenden Wahlsieg. Kurz vor der Vereidigung der neuen Parlamentarier putschte das Militär unter dem damaligen Armeechef Min Aung Hlaing am 1. Februar 2021 erneut, begründet mit Zweifeln an der Wahl zuvor. Suu Kyi und Ex-Präsident Win Myint wurden umgehend verhaftet, erhielten in der Folgezeit wie unzählige frühere Amtsträger unter zumeist konstruierten Vorwürfen von Korruption bis Terrorunterstützung lange Haftstrafen.
Win Myint kam im Zuge einer größeren Amnestie überraschend Mitte April frei. Hoffnungen darauf, Suu Kyi könnte bald folgen, erfüllten sich nicht. Vielmehr wurden sogar Versuche der Asean, des südostasiatischen Staatenbundes, abgeblockt, einem diplomatischen Vertreter Zugang zu ihr zu gewähren. Jegliche Informationen über Aufenthaltsort und Gesundheitszustand wurden vom Regime verweigert. Auch jetzt war bei dem Treffen kein Arzt dabei, um zu beurteilen, wie es ihr wirklich geht. Kim Aris äußerte die Hoffnung, dass Kanäle des Zugangs zu seiner Mutter nun aber bestehen bleiben, er sie vielleicht bald selbst treffen könnte.
Myanmar sucht Weg aus der IsolationOffenbar handelt es sich bei dem winzigen Zugeständnis um einen weiteren Versuch des Regimes, die international weitreichende Isolation aufzuweichen. Zwar ist und bleibt China wichtigste Schutzmacht, auch zu Russland unter Putin sowie interessanterweise Pakistan wie Indien bestehen gute Kontakte. Der politische Westen hält aber die meisten Sanktionen aufrecht, während auch die Asean – Myanmar ist eines der elf Mitgliedsländer – das Ergebnis der Scheinwahlen vom Jahreswechsel nicht offiziell anerkennt. Sie fanden unter Ausschluss der NLD und der meisten anderen demokratischen Parteien statt, Min Aung Hlaing ist nun formell ziviler Präsident. Das Bündnis ringt weiterhin um eine klare Linie. Grundkonsens ist ein schon im April 2021 formulierter Fünf-Punkte-Plan mit dem Ziel der Rückkehr zur Demokratie. Davon ist das von einem Bürgerkrieg mit über 100 000 Toten und etwa 3,8 Millionen Binnengeflüchteten erschütterte Land meilenweit entfernt. Nach 100 Tagen im neuen Amt hielt Min Aung Hlaing am 31. Juli eine Rede zur Lage der Nation: Während die Bevölkerung darbt, in den Knästen sitzt oder vor neuen Kämpfen flieht, erging er sich in Schönfärberei und Aussichten einer strahlenden Zukunft. Tags zuvor hatte er unter japanischen Firmen um Investitionen geworben.
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