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Fill-In-Jazzfestival: Wieso Caterina Valente dann doch nicht anrief

Дата публикации: 02-08-2026 15:14:00




Jazz trifft Seeidylle: Das Fill In-Festival gastierte am Wochenende am Bostalsee – und zauberte eine Atmosphäre, die fast nach Meer roch. Nur wenige Saarländer machten sich den Weg dorthin. Die verpassten ein Konzert, über das man noch lange reden wird.



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Fill-In-Jazzfestival Wieso Caterina Valente dann doch nicht anrief

Nohfelden · Jazz trifft Seeidylle: Das Fill In-Festival gastierte am Wochenende am Bostalsee – und zauberte eine Atmosphäre, die fast nach Meer roch. Nur wenige Saarländer machten sich den Weg dorthin. Die verpassten ein Konzert, über das man noch lange reden wird.

Idyllische Atmosphäre mit Klappstühlen und Picknickdecken am See beim Fill-In-Gastspiel am Freitag am Bostalsee.

Idyllische Atmosphäre mit Klappstühlen und Picknickdecken am See beim Fill-In-Gastspiel am Freitag am Bostalsee.

Foto: Sebastian Dingler

Wunderbare Musik in einer idyllischen Atmosphäre erleben – das war am Wochenende möglich, wenn auch für viele mit einer längeren Fahrt verbunden. Das Fill In-Jazzfestival gastierte nämlich an zwei Tagen mit einer Bühne am Ufer des Bostalsees. Mitzubringen waren Klappstuhl oder Picknickdecke – und schon konnte man die interessanten musikalischen Acts bei besten Freiluftbedingungen genießen. Besonders schön dabei: Die Bühne war so aufgebaut, dass man hinter ihr den See erblickte.

Mäßiger Zuspruch am Freitag

„Wir haben dadurch ein bisschen das Gefühl von Meer“, meinte Oliver Strauch dazu. Der Festivalleiter legt immer wieder Wert auf die Tatsache, dass das Fill In kein reines Saarbrücker, sondern ein saarländisches Festival ist – somit suche er auch immer nach touristisch interessanten Orten, die er im Rahmen des Jazzfestivals bespielen kann. Vorneweg gesagt: Mit dem Strandbad am Bostalsee lag er von der Atmosphäre her goldrichtig. Nur hätte der Zuschauerzuspruch am Freitagabend etwas besser sein können, da verloren sich vielleicht 150 Menschen auf der großen Fläche. Offenbar war einigen der Weg dann doch zu weit. Die verpassten so richtig was, lässt sich zweifellos resümieren.

Am Freitagabend machte den Beginn das Trio Franz Becker and Friends. Neben dem Saarbrücker Gitarristen waren das der Saxofonist Helmut Engelhardt aus Kaiserslautern sowie der Wiesbadener Gitarrist und Sänger Tom Woll, den manche noch als Chef der Midnight Movers kennen. Mit dabei waren auch Bass und Schlagzeug sowie manchmal ein Piano oder gar eine dritte Gitarre – nur wurden diese als Playback abgespielt. Man habe es schon mit einer Rhythmusgruppe probiert, meinte Becker hinterher, das sei aber „ziemlich stressig“ gewesen.

Bilderstrecke zuletzt aktualisiert:

22.06.2026

Mehr Entspanntheit hört man nur selten

Irgendeine Form von Stress hätte in der Tat dem Blues-, Jazz- und Rock-Programm von Franz Becker and Friends sehr entgegengewirkt. Die drei alten Hasen spielten nämlich mit einer Entspanntheit, wie man sie selten auf einer Bühne erlebt hat. Und schön klang es auch: Zweistimmige Gitarrenmelodien wie einst bei Wishbone Ash, viel Blues in Wolls tiefer Stimme und der gewohnt schöne Ton von Engelhardt. Da konnte man mal drüber hinwegsehen, dass echte Menschen an Bass und Schlagzeug einen natürlicheren Sound erzeugt hätten.

Als es langsam dunkel wurde und die letzten Stehpaddler zum Ufer zurückkehrten, kam das Jörg Seidel-Trio auf die Bühne. Neben dem Namensgeber (Gitarre, Gesang), Thilo Wagner am Piano und Jens Loh am Kontrabass hatte die Band die Sängerin und Saxofonistin Sabine Kühlich mit dabei.

Im Zeichen einer Legende

Die wagte sich an eine oft unterschätzte Legende heran: Caterina Valente galt in Deutschland oft nur als Schlagerstar, war aber doch sehr viel mehr. Beispielsweise eine in den USA gefeierte Jazzsängerin, die in allen großen Musikshows auftrat, ob jene von Nat King Cole oder jene von Dean Martin. Oder die eigentliche „Queen of Bossa nova“ (Seidel), die mit dem brasilianischen Gitarristen Luiz Bonfá schon sehr früh ein Bossa nova-Album aufnahm, gerade als dieser Stil Anfang der Sechzigerjahre auf der ganzen Welt populär wurde.

Dementsprechend abwechslungsreich gestaltete sich das Konzert am Bostalsee: Es begann mit „Ganz Paris träumt von der Liebe“, dem größten Erfolg, den die polyglotte Italienerin je in Deutschland hatte. Dann folgten Duette, die die Valente mit Peter Alexander und ihrem Bruder Silvio Francesco gesungen hatte: „Eventuell“ von 1955 und „Quizás, quizás, quizás“ aus dem Jahr 1958. Wie gut, dass sich Seidel als kongenialer Gesangspartner von Kühlich herausstellte. Wie sehr der Bandleader Caterina Valente verehrt, zeigte sich darin, dass er ihr ein Lied geschrieben hatte, in dem er sein Bedauern darüber ausdrückte, sie nie live gesehen zu haben. „Ich leg dich auf meinen Plattenspieler / Dann singst du allein für mich“, hieß es da.

Seidels schöne Valente-Anekdote

Schön aufs Glatteis führte Seidel das Publikum mit der Anekdote, dass er einst eine CD mit diesem Lied Valentes Management gegeben habe. Die Sängerin habe ihn daraufhin angerufen und erzählt, dass sie das Album dauernd in der Küche habe laufen lassen. „Ich wollte gerade etwas erwidern, aber da bin ich aufgewacht“, meinte Seidel und zerstörte damit ganz selbstironisch die Illusion.

Das offizielle Programm des Konzerts endete mit einer schier unglaublichen Scatgesang-Nummer: „Avalon“ hatte die Valente einst mit Ella Fitzgerald und Perry Como aufgenommen. Seidel und Kühlich brachten es fertig, einige Takte lang ohne instrumentale Begleitung weiter zu scatten, ohne dabei Harmonie oder Tempo zu verlieren. Das provozierte zu recht einen großen Zwischenapplaus. Natürlich gab es danach vehemente Rufe nach einer Zugabe. „Alles andere wäre eine bittere Enttäuschung gewesen“, meinte Seidel verschmitzt.

Etwas Melancholie zum Finale

Fürs allerletzte Lied hatte sich die Band ein besonderes Schmankerl ausgedacht, nämlich das melancholische „Adé“ von Manfred Krugs erstem im Westen aufgenommenen Album – natürlich mit Caterina Valente als Partnerin. Toll, wie Seidel und Kühlich darin die langen Töne stehen ließen. Schön, dass man dieses Lied mal live hören durfte, wenn auch nicht von Krug (er starb 2016) und Valente (sie ging vor zwei Jahren von uns). Aber dafür gibt es ja den Plattenspieler. (cis/cim)

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