Was haben die Feministin Alice Schwarzer, der Autor Ahmad Mansour und Ex-Fußballtrainer Christian Streich gemeinsam? Sie alle kommen zur „Hombuch“ nach Homburg. Geredet wird auch über Herz-Chirurgie.
Saarbrücken · Was haben die Feministin Alice Schwarzer, der Autor Ahmad Mansour und Ex-Fußballtrainer Christian Streich gemeinsam? Sie alle kommen zur „Hombuch“ nach Homburg. Geredet wird auch über Herz-Chirurgie.
Bei der nächsten „HomBuch“ ist durchaus Feuer drin. Lebhafte bis kontroverse Gespräche könnte es geben, zwischen dem 12. und 21. Oktober. Zum Beispiel mit Alice Schwarzer, die den Deutsch-Französischen Freundschaftspreis erhält; diese Auszeichnung des Saarlandes, dotiert mit 3000 Euro, wird traditionell bei der Hombuch verliehen. Schwarzer, Feministin, Gründerin und Chefredakteurin der „Emma“, die in Paris und in Köln lebt, wird den Preis am Freitag, 16. Oktober, im Siebenpfeifferhaus in Homburg entgegennehmen und aus ihrem jüngsten Buch lesen: „Feminismus pur. 99 Worte“. Danach gibt es ein Gespräch, das Michael Thieser moderiert, Geschäftsführer des Deutsch-Französischen Journalisten- und Medienpreises. „Sie ist eine streitbare Person, die polarisiert“, sagt Thieser am Dienstagmorgen bei der Programmvorstellung in Homburg, „wir wissen auch, dass sie das Ende der Unterstützung für die Ukraine gefordert hat“ – es verspricht also, eine interessante Diskussion zu werden.
Die Hombuch wird auch im Siebenpfeifferhaus beginnen: am Montag, 12. Oktober, mit einem Abend unter dem Motto „Bücher, Worte und Musik“ – mit Roland Kunz und Susanne Wachs vom Saarländischen Rundfunk und Bernhard Leonardy, Organist, Kantor und Intendant der Musikfestspiele Saar. Die drei werden über Bücher und Literatur sprechen, von denen sie geprägt wurden, und Musik wird es auch geben – ein Flügel steht bereit.
Alice Schwarzer mit Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine im Februar 2023 bei einer Berliner Kundgebung für Verhandlungen mit Russland im Ukraine-Krieg.
Foto: dpa/Monika SkolimowskaAhmad Mansour liest aus „Haltung ohne Hass“
Tags darauf liest der Autor Ahmad Mansour aus seinem Buch „Haltung ohne Hass“, das Anfang September erscheint und sich mit Radikalisierung und Verschwörungserzählungen, Populismus und Desinformation beschäftigt; Peter König (SR) wird mit Mansour diskutieren, der sich gegen Extremismus wendet und als Muslim viele Aspekte des Islam kritisiert; er wird mit Personenschutz nach Homburg reisen, wie Vera Backes vom Hombuch-Team erklärt.
Lesung im Waldstadion?
Das Homburger Waldstadion ist ein eher ungewöhnlicher Ort für eine literarische Veranstaltung, aber hier absolut passend: Am Mittwoch, 14. Oktober, ist Christian Streich zu Gast – ehemaliger Profifußballer, einst in Homburg (1988-1990), und danach Trainer in Freiburg, erst für die Jugendmannschaft, dann für die Profis, bis 2024. Streichs Pressekonferenzen sind legendär, da er sich gerne sehr deutlich zur aktuellen politischen Lage äußerte, unter anderem die AfD als „rechtsnational“ und „autokratisch“ bezeichnete. Streich, studierter Deutsch-, Geschichts- und Sportlehrer, wird nicht mit eigenem Buch nach Homburg reisen, sondern über „Die Bücher seines Lebens“ sprechen.
Einst spielte er für Homburg Fußball, jetzt kommt der ehemalige Trainer zur Hombuch.
Foto: Andreas Gora/dpa/Andreas GoraFür Hans-Joachim Burgardt, der seit 2022 für die Hombuch verantwortlich ist, geht mit der Verpflichtung Streichs ein Traum in Erfüllung, für den er oft zu Hörer und Handy greifen musste. „So 40, 50 Mal habe ich sicher mit seinem Management telefoniert, das war alles nicht so einfach, weil Christian Streich halt so viel macht.“
Mit Jelinek ins Kino
Einen Ausflug ins Kino macht die Hombuch am Donnerstag, 15. Oktober: Das Eden Cinehouse in Homburg zeigt den Film „Liebhaberinnen“ nach dem Roman von Elfriede Jelinek. Die Verfilmung mit Johanna Wokalek als Messe-Hostess in der Sinnkrise läuft als Vorpremiere – regulär startet „Liebhaberinnen“ eine Woche später. Die Regisseurin des Films, der bei der jüngsten Berlinale uraufgeführt wurde, kommt auch nach Homburg: Koxi, bürgerlich Caroline Kox, geboren im Saarland.
Hommage an Siegfried Lenz
Die Galerie Julia Johannsen ist ein regelmäßiger Spielort der Hombuch: Am Samstag, 17. Oktober, ist dort Günter Berg – Verleger, Literaturagent und Inhaber einer beeindruckenden Vita: Lektor und später auch Geschäftsführer bei Suhrkamp, danach bei Hoffmann und Campe, wo er unter anderem die Arbeit von Siegfried Lenz betreute. Der Abend in der Galerie mit zwei Terminen steht unter dem Motto „Der Pakt mit dem Leser“ und widmet sich dem Werk und Leben von Lenz – begleitet von der Gemälde- und Fotografie-Ausstellung „Bin am Meer, kann sein, dass...“.
Wie operiert man am Herzen?
Zurück ins Siebenpfeifferhaus geht es am Sonntag, 18. Oktober – dort wird der Herzchirurg Rüdiger Lange sein passend betiteltes Buch „Herzblut“ vorstellen, das Mitte September erscheint: Um seine Arbeit geht es und um den Versuch, wie Lange es formuliert, „hinter die Fassade der Hochleistungsmedizin zu blicken. Wie lebt ein Mensch, der als Arzt Tag und Nacht mit Leben und Tod konfrontiert ist? Wie hoch ist der Preis für bedingungslose Disziplin, Präzision und Verantwortung?“
Mit Rainer Maria Rilke geht die Hombuch für dieses Jahr zu Ende: Am Mittwoch, 21. Oktober, gastiert das „Rilke Projekt“ im Homburger Saalbau. Seit 2001 beschäftigt sich das Musiker- und Produzentenduo Angelica Flee und Richard Schönherz mit dem Werk des Dichters (1875-1926) und holte für ihre Rilke-Alben so unterschiedliche Stimmen ins Studio wie Patricia Kaas und Ben Becker, Mario Adorf und Nina Hagen. Im Saalbau ist das Projekt mit seinem Jubiläumsprogramm „So viel Himmel“ zu Gast – mit dabei sind die Mimen Nina Hoger, Dietmar Bär, Pasquale Aleardi und der Musiker Florian Künstler. Literatur, Musik und szenisches Spiel sollen miteinander verschmelzen. Für Hans-Joachim Burgardt ist dieses Finale im Saalbau „das aufwendigste und herausfordernste Projekt, das wir bisher hatten“. Aber es werde sich lohnen, da ist er sich sicher. „Ich habe jetzt schon Gänsehaut.“ (jos)
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