Im Bitkom-Digitalranking fällt Deutschland auf Platz 17 von 27 EU-Staaten zurück. Die Infrastruktur ist gut, ihre Nutzung nicht – und die Verwaltung desaströs.
Im neuen Digitalranking des Bitkom erreicht Deutschland nur noch Platz 17 von 27 EU-Staaten. Der DESI-Wert (Digital Economy and Society Index) verbesserte sich 2026 nur geringfügig auf 51,1 Punkte im Vergleich zum Vorjahr, als Deutschland mit 50,1 Punkten noch auf Platz 14 kam. Insgesamt gab es in Deutschland also durchaus Fortschritte bei der Digitalisierung. Weil andere, insbesondere kleinere EU-Länder aber stärker zugelegt haben, büßt Deutschland drei Plätze ein. Die meisten anderen bevölkerungsreichen Länder stehen noch schlechter da, nur Spanien liegt hier vor Deutschland, dahinter Frankreich, Polen und Italien.
Mit dem EU-Digitalranking knüpft der Bitkom an den früheren DESI der EU-Kommission an. Sie setzt seit 2023 jedoch im Digital Decade Report überwiegend auf Einzelindikatoren. Diese Daten bündelt der Branchenverband zu einem Gesamtindex, der 44 Indikatoren aus den vier Bereichen „Digitale Transformation von Unternehmen“, „Qualität und Nutzung digitaler Infrastruktur“, „Digitale Kompetenzen“ und „Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung“ umfasst.
Dänemark an der SpitzeInsgesamt belegt Dänemark den Spitzenplatz mit einem Wert von 76,4 Punkten, gefolgt von Finnland mit 72,9 Punkten, den Niederlanden mit 72,7 Punkten, Malta mit 70,3 Punkten und Luxemburg mit 69,3 Punkten. Am schlechtesten schneidet Rumänien mit 26,5 Punkten ab. Das Land bildet zusammen mit Bulgarien und der Slowakei mit 36,9 beziehungsweise 38,3 Punkten die Schlussgruppe.
Betrachtet man Deutschland genauer, kommen die Unternehmen relativ gut weg: Sie erreichen unter den fünf größten EU-Ländern den ersten Platz, verschlechterten sich jedoch gegenüber 2025 von Platz 8 auf Platz 11 insgesamt. Der Bitkom verweist darauf, dass die Entwicklung der sogenannten Unicorns etwas besser als im EU-Durchschnitt sei. So werden Start-ups bezeichnet, die eine Bewertung von mindestens einer Milliarde Euro erzielen.
Infrastruktur wird nicht immer genutztIm Bereich digitale Infrastruktur verschlechterte sich Deutschland leicht von Platz 9 auf Platz 11. Relativ gut sieht die 5G-Mobilfunkabdeckung aus, sie erreicht 99,5 Prozent der Haushalte. EU-weit liegt der Durchschnitt bei 96,8 Prozent. Deutlich schlechter ist jedoch die tatsächliche Nutzung der Infrastruktur, denn hier kommt Deutschland nur auf Platz 21. So setzen lediglich sieben Prozent der Bevölkerung einen Anschluss mit mindestens 1000 Mbit/s ein – hier existiert eine Lücke zwischen dem Netzausbau und der tatsächlichen Buchung.
Eine Verbesserung gab es bei den digitalen Kompetenzen: Deutschland kommt hier jetzt auf Platz 11, im Vorjahr war es noch Platz 15. Auch hier ist es wieder der Platz 2 unter den großen EU-Ländern. So liegt der Anteil der IT-Fachkräfte an den Beschäftigten mit 5,5 Prozent leicht über dem EU-Durchschnitt von 5,0 Prozent, auch der Anteil der IT-Absolventen ist mit 6,2 Prozent höher als der EU-Durchschnitt von 5,5 Prozent. Die Basis ist also da – sie muss sich aber auch in Wirtschaft und Verwaltung niederschlagen.
Und insbesondere letzteres ist ein Problem: Deutschland kommt bei der digitalen Verwaltung weiterhin nur auf einen der hinteren Plätze – mit Platz 22 von 27 leicht schlechter als im Vorjahr mit Platz 21. Zum Beispiel ist der Wert der vorausgefüllten Formulare mit 52,0 Punkten deutlich niedriger als der EU-Durchschnitt von 75,9 Punkten. Hierbei handelt es sich um Formulare, die Daten automatisiert übernehmen, statt sie erneut abzufragen. Außerdem nutzen bloß 69,6 Prozent der Internetnutzer digitale Verwaltungsangebote, im EU-Durchschnitt sind das 76,0 Prozent.
Konkrete Forderungen an die PolitikDie Ergebnisse flankiert der Bitkom mit einer Reihe politischer Forderungen. So soll der Staat Unternehmensgründungen innerhalb von 24 Stunden ermöglichen und Genehmigungsverfahren unter anderem von Rechenzentren, Mobilfunkmasten und Fabriken beschleunigen. KI soll breiter eingesetzt werden, die Verwaltung soll Bürokratie und Berichtspflichten reduzieren. Digitale Identitäten sollen ausgebaut werden. Vor allem aber soll Deutschland ein Once-Only-Prinzip etablieren. Bürger und Unternehmen müssten dann Daten gegenüber Behörden nur noch einmal übermitteln, andere Stellen sollen diese Informationen – entsprechender Bedarf vorausgesetzt – wiederverwenden können.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst macht klar: „Platz 17 kann für Deutschland nicht der Anspruch sein.“ Gleichzeitig dämpft er aber auch die Erwartungen: „Ein großer, föderaler Flächenstaat wie Deutschland lässt sich nur bedingt mit Luxemburg, Estland oder auch Dänemark vergleichen. Unter den bevölkerungsstarken Flächenstaaten positioniert sich Deutschland gut.“ Der richtige Vergleich sei ein anderer: „Das ebenfalls föderal organisierte Spanien ist hier Vorreiter und zeigt, dass auch für Deutschland mehr geht.“
(fo)
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