Die USA sperrten den Zugang zu den mächtigsten KI-Modellen wie Anthropic. In Japan haben führende KI-Entwickler Sakana AI veröffentlicht – und versprechen damit Unabhängigkeit.
Berlin, Tokio. Japans KI-Zukunft wird im höchsten Wolkenkratzer des Landes entwickelt. Der Azabudai Hills Mori JP Tower im Zentrum Tokios ist ein 64-stöckiger Quader aus Stahl, Glas und Beton. Im 21. Stockwerk befindet sich die Zentrale von Sakana AI.
In dem schmucklosen Großraumbüro stehen Arbeitspulte dicht an dicht, notdürftig durch halbhohe Trennwände getrennt. Zwei kleine Büros in einer Ecke sind den Gründern vorbehalten: David Ha und Llion Jones.
Als ehemalige Forscher bei Google Brain wissen sie, wie KI-Durchbrüche entstehen. Die Forschungsabteilung des Google-Konzerns Alphabet veröffentlichte in den letzten 15 Jahren Meilensteine der KI und machte die Technologie für viele erst nutzbar. Ha leitete das Büro in Tokio von Google Brain. Jones war Co-Autor der Schlüsselstudie „Attention is all you need“ und hat damit die Transformer-Technologie mitentwickelt – die Grundlage aller heutigen KI-Chatbots, auch der von OpenAI und Anthropic. Jetzt planen sie in Japan die nächste Revolution.
Für den Start hätten Ha, Jones und ihr Mitgründer Ren Ito kaum einen besseren Zeitpunkt wählen können. Mitte Juni sperrte Anthropic sein neues Modell Fable 5, ein Grundlagenmodell, das besonders gut komplexe Aufgaben in der Programmierung und Datenverarbeitung löst. Zehn Tage später veröffentlichte Sakana AI die Modelle Fugu Standard und Ultra als mögliche Alternativen. Fugu Ultra soll sogar ähnlich leistungsstark sein wie Fable 5.
„Der Zugang zu Topmodellen kann von heute auf morgen verschwinden“, schrieb Ha auf X zur Ankündigung. Sakana sei „die praktische Absicherung gegen die Machtkonzentration“.
Das japanische Start-up bietet nun einen Ausweg: Es lässt mehrere KI-Modelle gleichzeitig arbeiten. Namhafte Risikokapitalgeber sind bereits von Sakana AI überzeugt. Sowohl Khosla Ventures, Frühinvestor bei OpenAI, als auch der Chipkonzern Nvidia und Google haben investiert. In einen Ansatz, der auch Vorbild für Deutschland sein könnte?