Das Gesamtkonzept zur Armeelogistik dürfte erst in ein paar Wochen erscheinen. Der Prüfungsbericht der EFK zeigt aber schon ein paar Eckdaten.
Das Gesamtkonzept zur Armeelogistik dürfte erst in ein paar Wochen erscheinen. Der Prüfungsbericht der EFK zeigt aber schon ein paar Eckdaten.

Corinne Glanzmann / VBS / DDPS
Ob Robert Scheidegger seine Krawatte vor dem Schlafengehen schon bereitgelegt hatte? Oder war es eine spontane Entscheidung, dass er vielleicht erst eine rote in der Hand hatte, sie schon zum Knoten binden wollte, dann aber einer Eingebung folgte?
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Scheidegger hat als Spezialist der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) jahrelang das Verteidigungsdepartement (VBS) beaufsichtigt. Es waren sein Team und er, die – zum Entsetzen der damaligen Bundesrätin Viola Amherd – früh davor warnten, dass der vermeintliche Fixpreis für die F-35-Kampfjets nicht so sicher ist, wie das VBS stets glauben machte. Vor gut einem Jahr hat Scheidegger die Seiten gewechselt, und Amherds Nachfolger Martin Pfister installierte den berufsbedingt grössten VBS-Kritiker als stellvertretenden Generalsekretär, zuständig für die neu geschaffene Abteilung für Planung, Controlling, Digitalisierung und Sicherheit.
Seither informiert Scheidegger in regelmässigen Abständen die Medien und die Bevölkerung über den Zustand der Armee und bedient sich dabei der Ampelmetapher: Projekte, die auf gutem Weg sind, leuchten grün, jene, die harzen, gelb, und jene, die derzeit nicht umsetzbar sind, rot. Alles Ausdruck einer Transparenzoffensive von Pfister, nachdem Amherd mehrfach für ihre Kommunikation kritisiert worden war.
Finanzierung läuft über die «ordentlichen Budgets»Auch die Armeelogistik, zu der ein Gesamtkonzept erarbeitet worden ist, trägt nun eine farbliche Bewertung, wenngleich eine inoffizielle: grün. Scheidegger nämlich zog beim entsprechenden Mediengespräch am Mittwoch bewusst eine grüne Krawatte an, weil man mit dem besagten Konzept zur Armeelogistik nun eine «sehr gute Basis» habe. Das Konzept selbst hat das VBS zwar noch nicht veröffentlicht, der Prüfungsbericht der EFK (und damit der ehemaligen Kollegen Scheideggers) liegt aber schon jetzt vor. Und die EFK ist für ihre Verhältnisse zufrieden mit der logistischen Planung der Armee: Das Gesamtkonzept sei «ausreichend reif», um die darin formulierten Massnahmen weiterverfolgen zu können, schreibt sie.
144 Massnahmen sind es insgesamt, so steht es im EFK-Bericht. Sie sollen zwischen 2027 und 2035 umgesetzt werden und rund fünf Milliarden Franken kosten, bis 2040 sogar zehn Milliarden. Wobei das VBS davon ausgeht, dass man die Zahl der Massnahmen auch auf 80 reduzieren könnte, ein «Vollausbau» entsprechend noch nicht nötig sei. Es muss priorisiert werden, das Geld ist knapp und die künftige Armeefinanzierung unsicher.
Michael Nussli von der Logistikbasis der Armee sagte beim Mediengespräch am Mittwoch, dass man die «finanziellen Mittel über die ordentlichen Budgets beantragen» werde. Abgesehen von einem «Betrag für die Einsatzlogistik von rund 480 Millionen Franken im Masterplan 2025» seien bisher «keine finanziellen Mittel bei der Armeeplanung beantragt beziehungsweise eingeplant» worden, heisst es im EFK-Bericht.
Die Logistik muss sich also dem Verteilkampf innerhalb der Armee stellen. Nussli sagte: «Wir werden nie alles haben, was wir gerne hätten.» Doch er warb schon einmal für seine Abteilung: «Operatives Wollen bedeutet, dass man logistisches Können darlegen muss.» Will heissen: Eine Armee kann noch so gut sein, es braucht ein Logistikteam, das Sanitätsmaterial oder Munition von A nach B bringt.
Krieg in der Ukraine führte zu UmdenkenDas B solle im Fall der Armee künftig «front- und truppennah» sein, sagte Nussli. Die Verlegung des Materials dürfte folglich Bestandteil des Gesamtkonzeptes sein. Das zumindest legen Nusslis Aussagen nahe, der Güter nicht in Konvois, sondern in «kleinen, nichtgrünen Fahrzeugen auf verschiedenen Achsen» transportieren will – «damit wir kein lohnendes Ziel sind».
Der Istzustand indes präsentiert sich anders, in der Ampelbewertung eher rot statt grün. Noch im Oktober hatte SRF getitelt: «Schweizer Armee ohne krisensichere Logistik bis 2035». Auch wegen der Friedensdividende hat das Schweizer Militär in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Effizienz vor Kriegstauglichkeit gestellt und seine Utensilien in grössere, der Öffentlichkeit bekannte Lager übergeführt, etwa in jenes in Thun. Im Kriegsfall ist das ein Sicherheitsrisiko.
Der russische Angriffskrieg und die Angst vor seiner Ausweitung haben zu einem Umdenken geführt. Hauptziel des Gesamtkonzeptes ist deshalb eine dezentrale und unterirdische Logistik, die teils schon angeordnet, teils erst «im Kriegsfall» umgesetzt werden soll. Denn Fakt ist auch: Eine dezentrale Logistik ist teurer und der Personalaufwand höher.
Sicherheitspolitische Strategie bald verabschiedetNussli sprach am Mittwoch auch von alten, zurückgebauten Bunkern, deren Reaktivierung geprüft werde. Einen Fall hat das VBS bereits durchgespielt. Knapp 50 000 Franken habe es gekostet, um den Bunker im Berner Oberland zumindest als Lager wieder benutzen zu können, so Nussli. Wolle man die zurückgebauten Bunker aber etwa als Unterkunft für Soldaten verwenden, dürfte es «um ein Zigfaches» teurer werden.
In ein paar Wochen dürfte das VBS das Gesamtkonzept Armeelogistik veröffentlichen. Dann erfährt man mehr über die Armee der Zukunft. Die EFK immerhin scheint zufrieden, wenngleich sie weniger Armeespezifisches als vielmehr die Konzeption prüfte. Und kritisierte, dass das Konzept für die Logistik noch vor der sicherheitspolitischen Strategie erarbeitet worden sei, dem grossen Bild, das der Bundesrat in der zweiten Jahreshälfte verabschieden dürfte. Wie dann wohl die Reaktionen ausfallen? Rot, gelb, grün?
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