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Nach erster Hitzewelle in Krefeld: Gefahr durch „Astbruch“ in den Wäldern der Stadt

Дата публикации: 08-07-2026 07:15:00




Krefelds Wälder konnten sich in den vergangenen Jahren von den Dürresommern 2018 bis 21 erholen. Doch jetzt droht durch die Extremhitze der vergangenen Wochen eine neue Gefahr: Warum Waldspaziergänge plötzlich zum Risiko werden können.



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Nach erster Hitzewelle in Krefeld Gefahr durch „Astbruch“ in den Wäldern der Stadt

Krefeld · Krefelds Wälder konnten sich in den vergangenen Jahren von den Dürresommern 2018 bis 21 erholen. Doch jetzt droht durch die Extremhitze der vergangenen Wochen eine neue Gefahr: Warum Waldspaziergänge plötzlich zum Risiko werden können.

In der vergangenen Woche hat die Hitzewelle mit Temperaturen über 40 Grad Cesius Menschen und Tiere stark belastet. Auf den ersten Blick haben Bäume die Temperaturen gut überstanden. Besonders im Wald war das Mikroklima sogar recht angenehm. Doch auh die Bäume leiden unter diesen Hitzegraden, wie Krefelds Revierförster Jens Poschmann erklärt. Gemeinsam mit seinem Hund Luna ist er täglich in Stadtwald, Forstwald oder Hülser Bruch unterwegs. Immer wieder sieht er dabei dicke Äste, die scheinbar ohne erkennbaren Grund abgebrochen sind. Ein Streifzug durch den Stadtwald zeigt das Problem.

Astbruch infolge der Hitze ist ein großes Problem

Der Spaziergang führt vom Stadtwaldhaus über die Brücke zur dortigen Insel. Unmittelbar am Deuss-Tempel liegt nur ein paar Meter abseits des Weges ein Ast. Die Blätter sind bereits vertrocknet. „Dieser Ast ist vermutlich am Wochenende gefallen“, sagt Poschmann. „Ast“ ist dabei ein beinahe irreführendes Wort, denn was da gefallen ist, würde einen veritablen Baum abgeben. Der Durchmesser an der Basis beträgt rund 20 bis 25 Zentimeter, die Länge ist vier bis fünf Meter.

„Aktuell haben wir dieses Problem fast überall. Dieser Grünastbruch, wie es heißt, passiert bei Hitze über 35 Grad. Diese schädigt die Zellen, und sie haben nicht mehr die Tragfähigkeit. Bei scheinbar völlig gesunden Bäumen fallen dann die Äste plötzlich und ohne Vorwarnung, Wind oder dergleichen“, erläutert Poschmann. Besonders betroffen seien in diesem Jahr Buchen. Diese hätten einerseits eine sehr dünne Rinde. Ist das Blätterdach nicht geschlossen und kommt direkte Sonneneinstrahlung daran, komme es so schnell zu Sonnenbrand. Wichtiger sei aber ein anderer Effekt: „Es gibt bei allen Baumarten Zyklen in der Menge der Früchte. Alle paar Jahre gibt es sogenannte Mastjahre, in denen sie auf breiter Front besonders viele Früchte ausbilden. Buchen haben in diesem Jahr ein extremes Mastjahr. Sie hängen voll mit Bucheckern. Das ist ein enormes Gewicht, was die Bäume in dieser Hinsicht zusätzlich belastet“, erläutert er.

Wald hat sich generell gut von Dürrejahren erholt

Generell gehe es dem Wald vergleichsweise gut. „Wir haben immer noch Bäume, die Schäden aus den Dürrejahren 2018 bis 21 tragen“, erläutert Poschmann. Er zeigt auf sehr ausgedünnte Baumkronen. Eine Eiche ist zwar an den bestehenden Ästen dicht belaubt, doch in der Krone sind kaum dünne Äste zu sehen, Die Krone ist sehr durchlässig. „Dieser Baum ist massiv geschädigt, auch wenn alle Äste noch belaubt sind. Spätestens bei der nächsten Dürre wird er wohl fallen“, sagt der Förster.

Abseits der Wege bleiben geschädigte oder tote Bäume als Habitat für Tiere, Pflanzen und Pilze

Generell wurden solche Bäume stehengelassen. „Nur unmittelbar neben Wegen fällen wir im Wald. Totholz ist ein wichtiger Lebensraum für viele Tierarten. Darum bleiben die Bäume zumeist stehen“, erläutert Poschann. In der Folge heißt das: Gerade in der aktuellen Situation mit drohendem Astbruch sei es extrem riskant, die Wege zu verlassen. Auch für die Natur sei das schädlich. Kleine Pflanzen würden oft kaputt getreten, auch Tiere würden leiden.

Aufforstungsflächen gedeihen aktuell gut

Die Aufforstungsflächen würden sich aktuell recht gesund zeigen. „Die Bäume hier haben natürlich noch keine sehr tiefen Wurzeln. In der Folge können sie nur aus den Oberflächenschichten Wasser entnehmen. Waldboden speichert sehr gut Wasser. Bis zu drei Millionen Liter pro Hektar. Allerdings ziehen große, alte Bäume bis zu 800 Liter pro Tag und lassen sie über die Blätter verdunsten“, sagt Poschmann.

Dicker Ast auf einem Weg hätte tödlich sein können

Nach einigen Metern zeigt sich ein weiterer dicker Ast, dieser ist sogar noch größer. Und er liegt direkt über einem Weg. „Wenn hier jemand gelaufen wäre, hätte das tödlich enden können“, sagt der Förster. Der Baum sei aber augenscheinlich völlig gesund. Im Abbruch ist eine leichte Verfärbung zu sehen. „Hier hatte der Ast eine kleine Verletzung, ein Pilz ist eingedrungen. Dadurch war der Ast leicht geschwächt. Die Hitze hat ihm dann den Rest gegeben, und der Wind hat dann vermutlich irgendwann in der gestrigen Nacht zum Abbruch geführt“, erläutert Poschmann. Hier lasse sich nichts ändern. „Wir können im Wald nicht jeden Ast mit einem Steiger kontrollieren. Von unten war nichts zu sehen. Wer sich aktuell im Wald bewegt, muss einfach aufmerksam sein. Leider gehört das aktuell zum allgemeinen Lebensrisiko.“

Waldbrandgefahr steigt aktuell

Wichtig sei auch sonst Umsicht. „Unser Wald in Krefeld ist vergleichsweise resilient. Wir haben über 40 Baumarten und recht wenig Nadelholz. Trotzdem ist der Waldbrandindex aktuell relativ hoch. Also bitte rauchen Sie nicht im Wald, bitte lassen Sie keine Glasflaschen liegen oder parken mit heißem Katalysator auf trockenen Wiesen“, sagt er. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) liegt der Waldbrandindex aktuell bei Stufe Drei von Fünf. Das sei auch während der Hitze in Krefeld so gewesen. In anderen Regionen Deutschlands sei Stufe Fünf bereits erreicht. Viele Faktoren fallen in die Berechnung: Temperaturen, Niederschläge, Luftfeuchtigkeit oder Wind zählen dazu.

Wald geht es realtiv gut, viel Hitze und Trockenheit werden aber schnell zur Gefahr

Vorbei geht es an einer sehr alten Buche. „Die dürfte so etwa 125 bis 130 Jahre alt sein und ist einer der ältesten Bäume im Stadtwald. Sie ist in tollem Zustand. Bei solchen Bäumen geht mir das Herz auf“, sagt Poschmann. „Allzu viele Hitze- und Trockenperioden sollten es aber nicht werden. Sonst sind wir schnell wieder da, wo wir 2021 nach den Dürresommern waren“, mahnt Poschmann.

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