Luxushandtaschen, Medikamente oder Elektronik – Produktfälschungen sind selbst für Fachleute oft kaum noch von Originalen zu unterscheiden. Forschende haben nun ein Sicherheitsetikett entwickelt, das sich mit einem Smartphone überprüfen lässt und Plagiate mit hoher Trefferquote erkennen soll.
Gefälschte Produkte werden den Originalen immer ähnlicher und sind in vielen Fällen selbst von Branchenangehörigen nur noch schwer zu unterscheiden und zu erkennen. Gleichzeitig entwickelt sich das Know-how für Produktfälschungen immer weiter. Jetzt haben Forschende eine Lösung vorgestellt, die die Entdeckung nachgemachter Waren deutlich vereinfachen soll.
Statt spezieller Scanner oder teurer Prüftechnik soll künftig ein handelsübliches Smartphone mit der entsprechenden App ausreichen, um die Echtheit eines Produkts zu überprüfen. Allerdings wird ein kleiner Aufsatz für die Kamera benötigt, was das Ganze für Endnutzer:innen dennoch praktikabel erscheinen lässt, insbesondere aber im Handel zum Einsatz kommen könnte.
Ein Forschungsteam rund um Produktschutz und Authentifizierungstechnologien hat ein dazu passendes neuartiges Sicherheitslabel entwickelt, das sich mit herkömmlichen Druckverfahren in großen Stückzahlen herstellen lässt und auf Licht sowie Temperatur reagiert. Die Ergebnisse wurden im International Journal of Materials and Product Technology veröffentlicht.
Sicherheitsmerkmal reagiert auf Licht und Temperatur
Das neue Verfahren kombiniert drei Technologien in einem einzigen Etikett. Zum Einsatz kommen Mikroverkapselungen mit funktionalen Materialien, die ihre optischen Eigenschaften abhängig von Temperatur und Lichteinfall verändern. Ergänzt wird das System durch eine spezielle UV-Druckfarbe sowie ein mobiles Prüfverfahren, das die Echtheit mithilfe eines Smartphones verifizieren kann.
Dabei gelten die so erzeugten optischen Signaturen als schwer zu kopieren, weil sie sich nicht über herkömmliche Druckverfahren reproduzieren lassen. Dennoch soll sich das System problemlos in bestehende Inkjet- und Screenprozesse integrieren lassen. Nach Angaben der Forschenden wurden die Mikrokapseln mithilfe nanotechnologischer Bindematerialien verstärkt.
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Die Etiketten selbst sollen auf diese Weise auch hoher Luftfeuchtigkeit und Hitzeeinwirkung besser standhalten. Die verwendete Tinte kommt zudem ohne flüchtige organische Lösungsmittel aus. In Tests behielten die Etiketten laut den Forschenden selbst nach wiederholter Lagerung bei niedrigen Temperaturen noch mehr als 83 Prozent ihrer Farbtreue. Das könnte sie für den Einsatz in internationalen Lieferketten interessant machen.
Smartphone und KI prüfen die Echtheit
Für die Authentifizierung wird nach Angabe des Wissenschaftlerteams ein Smartphone in Kombination mit einem kleinen optischen Aufsatz benötigt. Dieser misst, wie das Licht mit dem Sicherheitslabel interagiert. Anschließend wertet ein Machine-Learning-Modell die aufgenommenen Daten aus und erkennt so, ob das Etikett echt oder gefälscht ist. Im Versuch erreichte das System nach Angaben des Forscher:innenteams die Erkennungsgenauigkeit von knapp 97,5 Prozent. Das habe selbst bei besonders überzeugenden Fälschungen funktioniert.
Produktfälschungen verursachen weltweit jedes Jahr Milliardenschäden. Betroffen sind unter anderem Luxusartikel, Elektronik, Medikamente, aber auch Lebensmittel und Kosmetika. Wie ein Experte zu Produktplagiaten erklärt, werde inzwischen buchstäblich alles gefälscht, was irgendwie vermarktbar sei. Das habe damit zu tun, dass es durch Losgröße-1-Produktion einfacher geworden ist, auch für Spezialmaschinen und individuelle Fertigung bestimmte Produkte nachzumachen. Doch viele derzeit verwendete Schutzmechanismen wie Hologramme, RFID-Chips oder spezielle Authentifizierungssysteme setzen zusätzliche Hardware voraus oder verursachen hohe Kosten.
Ein smartphonebasiertes Verfahren könnte diese Hürde, so glauben die Expert:innen, deutlich senken. Zwar verfügen Hersteller, Händler und Logistikunternehmen schon heute über geeignete Endgeräte, doch in Zukunft könnten dann etwa bei Medikamenten sogar Verbraucher:innen die Echtheit eines Produkts direkt beim Kauf mit entsprechenden Lösungen im Laden überprüfen.
Bisher ist die Technologie noch eine Laborentwicklung – und Hersteller, die solche neuen Sicherheitsetiketten in ihre bestehenden Druck- und Verpackungsprozesse integrieren wollen, gibt es offenbar noch nicht. Doch wenn das gelingt, könnte künftig das Smartphone in Kombination mit einem einfachen Aufsatz zum wichtigsten Werkzeug im Kampf gegen Produktfälschungen werden.
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