Eine Sonnenfinsternis ist ein beeindruckendes Naturereignis und ermöglicht auch wissenschaftliche Erkenntnisse. Dies wollen die Weltraumbehörden ESA und NASA nutzen.
Eine Sonnenfinsternis ist ein beeindruckendes Naturereignis und ermöglicht auch wissenschaftliche Erkenntnisse. Dies wollen die Weltraumbehörden ESA und NASA nutzen.
Am 12. August bildet sich ein beeindruckendes Himmelsspektakel, wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt. Obwohl mehrere Raumsonden unser Zentralgestirn permanent im Blick haben, bieten Sonnenfinsternisse Wissenschaftlern auch heute noch zusätzliche Möglichkeiten zur Erforschung der Sonne. Ausgestattet mit einer Vielzahl spezieller Instrumente steigen Flugzeuge und Ballons in der schmalen Zone der totalen Finsternis auf, die sich von Grönland über Island bis nach Spanien erstreckt.
Sonnenobservatorien wie der „Solar Orbiter“ und „Soho“ (Solar and Heliospheric Observatory) decken die helle Sonnenscheibe mit einer künstlichen Blende ab. Durch den Einsatz von speziellen Instrumenten erzeugen sie eine künstliche Sonnenfinsternis, um die äußere Atmosphäre der Sonne, die heiße Korona, sichtbar zu machen.
Aus Sicherheitsgründen ist jedoch eine Blende erforderlich, die größer ist als die Sonnenscheibe. Andernfalls würde ein Teil des hellen Sonnenlichts durch Beugungseffekte und Streuung auf die empfindlichen Sensoren fallen und diese zerstören. „Soho“ beispielsweise sieht die Korona erst ab einem Abstand von etwa einem halben Sonnenradius von der Sonnenoberfläche. Bei einer totalen Sonnenfinsternis tritt dieses Problem nicht auf und die Forscher können die Korona bis hinab zur Oberfläche der Sonne in Augenschein nehmen.
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Sonnenexperte Daniel Müller von der Europäischen Weltraumbehörde Esa erläutert einen weiteren Vorteil: „Bei solchen Ereignissen können besondere Experimente und Techniken getestet werden, die nicht einfach auf gut Glück auf einen Satelliten übertragen werden können.“ Die Startkosten für Flüge ins All sind jedoch zu hoch. Die Methoden werden zunächst auf der Erde getestet und nach erfolgreicher Prüfung im Weltall eingesetzt.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA plant gemeinsam mit der NASA, der Weltraumbehörde der USA, kombinierte Beobachtungen von der Erde und aus dem Weltall. Ein von der NASA eingesetztes Spezialflugzeug verfolgt den Schatten des Mondes, der sich mit einer Geschwindigkeit von 2.500 Kilometern pro Stunde über die Erdoberfläche bewegt. An Bord des Flugzeugs befindet sich eine Kamera, die pro Sekunde 20 hochaufgelöste Bilder der Korona liefert.
Parallel dazu beobachtet der „Solar Orbiter“ die Sonnenkorona. „Die Sonde weist an diesem Tag eine Entfernung von ungefähr 90 Grad zur Erdrotationsachse auf“, erläutert Müller. „Sie betrachtet die Sonne also aus einer anderen Perspektive.“ Diese zusätzliche Perspektive eröffnet die Möglichkeit, stereoskopische, dreidimensionale Bilder von Strukturen in der Sonnenkorona zu erstellen.
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Die Korona besteht aus dünn verteilten Gasen mit einer Temperatur von mehreren Millionen Grad. Trotz einer Temperatur von lediglich 6.000 Grad auf der Oberfläche der Sonne ist dies möglich. Die genauen Mechanismen, die zur Aufheizung des Gases in der Korona führen, sind noch nicht vollständig erforscht. Die Beobachtungen der Forscher während der Sonnenfinsternis könnten weitere Hinweise für eine Lösung des Rätsels liefern.
Vor dem Beginn des Weltraumzeitalters waren totale Sonnenfinsternisse die einzige Möglichkeit für Wissenschaftler, die Korona zu beobachten. Die Forschungstätigkeit wurde offiziell am 8. Juli 1842 aufgenommen, als eine Finsternis von Südfrankreich, Norditalien und Österreich aus beobachtet wurde. Im gleichen Jahr unternahmen Astronomen aus ganz Europa erstmals den Versuch, mit Fernrohren und Messapparaturen in die Finsterniszone zu pilgern.
Die Sonnenfinsternis am 29. Mai 1919 war ein bedeutender Meilenstein in der Forschung. Die Dunkelheit am Tag ermöglichte die Beobachtung von Sternen in der Nähe der Sonne. Dadurch konnten Wissenschaftler die Relativitätstheorie Albert Einsteins verifizieren. Gemäß dieser Theorie wird die Schwerkraft der Sonne die Lichtstrahlen ferner Sterne in ihrer Ausbreitung so beeinflussen, dass ihre Position am Himmel leicht verschoben wird. Die Messungen bei der Finsternis bestätigten den von Einstein vorhergesagten Wert. Dies war ein bedeutender Erfolg für die Relativitätstheorie.
dpa
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