Mit dem KC 85 wollte die DDR ihre technische Leistungsfähigkeit demonstrieren. Doch der Computer blieb ein Nischenprodukt und erreichte nie die Verbreitung westlicher Modelle.
Der KC 85 zählt zu den bekanntesten Computern, die in der DDR entwickelt wurden.
Foto: COMPUTER BILD (KI generiert)
Mit dem KC 85 wollte die DDR ihre technische Leistungsfähigkeit demonstrieren. Doch der Computer blieb ein Nischenprodukt und erreichte nie die Verbreitung westlicher Modelle.
Der Commodore C64 trug maßgeblich dazu bei, Computer in den 1980er-Jahren für viele Menschen zugänglich zu machen. Auch in der DDR beobachtete man diese Entwicklung genau. Dort arbeitete der volkseigene Betrieb Robotron an einem eigenen Rechner für Bildungseinrichtungen und den privaten Einsatz. Das Ergebnis war der KC 85, der heute als einer der bekanntesten DDR-Computer gilt.
Die Computerentwicklung in der DDR war eng mit dem VEB Robotron in Dresden verbunden. Anfang der 1980er-Jahre intensivierte das Unternehmen seine Arbeiten an einem eigenen Heimcomputer. Das Gerät sollte sowohl für Computerspiele als auch für den Unterricht an Schulen und Hochschulen geeignet sein. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1984 stellte Robotron den Rechner zunächst unter dem Namen Z 9001 vor. Ein Jahr später erfolgte die Umbenennung in KC 85. Die Abkürzung KC stand für Kleincomputer, die Zahl 85 für das Jahr der Einführung.
Laut Michael Mikolajczak, Kurator des Heinz Nixdorf MuseumsForums (
HNF) in Paderborn, war der DDR-Führung bewusst, dass ein echter Heimcomputer für den privaten Gebrauch gedacht wäre. Eine breite Versorgung der Bevölkerung sei jedoch weder finanziell noch produktionstechnisch möglich gewesen. Von der ersten Serie gelangten lediglich 50 Geräte in den freien Handel. Der Preis lag bei rund 4600 Ostmark. Zum Vergleich: Ein Trabant kostete in der Grundausstattung lange Zeit knapp 8000 Ostmark. Hinzu kamen wiederkehrende Produktionsprobleme durch fehlende Bauteile. Dadurch waren sowohl Autos als auch Computer oft nur eingeschränkt verfügbar.
Die Bezeichnung Kleincomputer sollte nach Ansicht von Beobachtern auch davon ablenken, dass die Geräte kaum in privaten Haushalten verbreitet waren. Zudem fällt ein direkter Vergleich mit westlichen Rechnern schwer. Michael Mikolajczak verweist darauf, dass der KC-Compact, das letzte in der DDR produzierte Modell aus dem Oktober 1989, in einigen Berichten mit dem Schneider CPC verglichen wird. Auch DDR-Bürocomputer wurden gelegentlich mit IBM-PCs verglichen. Solche Rückblicke hält der Experte jedoch für wenig aussagekräftig. Der KC 85 erhielt schließlich eine neue Rolle. Statt als Heimcomputer wurde er vor allem für den Einsatz in Schulen vorgesehen. Für Michael Mikolajczak ist auch der häufige Vergleich mit dem Commodore C64 wenig passend: "Beide Rechner wurden in den 1980er-Jahren entwickelt sowie auf den Markt gebracht, und beide waren 8-Bit-Rechner. Das sind die einzigen Gemeinsamkeiten. Technisch reichten die KC-85-Modelle nicht an den C64 heran."
Trotz dieser Einschränkungen gilt die KC-Reihe als erfolgreichste Computerserie der DDR. Nach Angaben verschiedener Quellen wurden zwischen 1985 und der Wiedervereinigung insgesamt etwa 100.000 Geräte der Baureihe produziert. Für die Staatsführung spielte dabei auch die symbolische Wirkung eine Rolle. Wie Michael Mikolajczak erklärt, sollte gezeigt werden, dass die DDR mit der technischen Entwicklung anderer Länder Schritt halten könne. Mit der Wiedervereinigung begann jedoch der schnelle Niedergang der DDR-Computerindustrie. Der KC-Compact wurde Anfang der 1990er-Jahre laut Michael Mikolajczak teilweise zu sehr niedrigen Preisen auf Trödelmärkten verkauft.
Heute sind erhaltene Geräte der KC-Serie vor allem bei Sammlerinnen und Sammlern gefragt. Die Rechner entstanden unter schwierigen Bedingungen und haben deshalb einen festen Platz in der Computergeschichte. Der VEB Robotron wurde nach der Wiedervereinigung rasch abgewickelt. In der Folge verloren knapp 10.000 Beschäftigte ihre Arbeit. Viele fanden später neue Stellen in der IT-Branche der Bundesrepublik oder im Ausland.
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