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E20: Autofahrer müssen sich an neuen Kraftstoff gewöhnen

Дата публикации: 08-05-2026 05:16:00

Langfristig könnte beim Benzin E20 an der Tankstelle E5 ersetzen. Wer den neuen Sprit tanken kann und was seine Vor- und Nachteile sind.

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Um klimapolitische Vorgaben einzuhalten, müssen Tankstellen künftig mehr alternative Kraftstoffe mit höherem Ethanolgehalt verkaufen. Langfristig könnte E20 dabei E5 ersetzen. Wer den neuen Sprit tanken kann und was seine Vor- und Nachteile sind.

Bislang gibt es nur ganz wenige Tankstellen mit der neuen Benzinsorte Super E20. Doch das dürfte sich bald ändern. Hintergrund sind aktuelle Überlegungen der Europäischen Kommission, alternative Kraftstoffe stärker zu etablieren. Eine Möglichkeit dazu ist E20 als Ergänzung zu E10. Der höhere Ethanol-Anteil sorgt für eine bessere CO2-Bilanz des Kraftstoffs, da die für die Ethanol-Herstellung verwendete Biomasse diese Menge an CO2 in der Wachstumsphase zuvor der Atmosphäre entzogen hat. Außerdem gilt ein 20-prozentiger Bioethanolanteil im Benzin als Basis für künftige eFuels und ReFuels. Autofahrerinnen und Autofahrer sollten sich also schon jetzt damit auseinandersetzen, was der Umstieg auf E20 bedeutet. FOCUS online beantwortet die wichtigsten Fragen.

1. Das ist E20

Das E steht für Ethanol und die Zahl gibt den Maximalwert der Beimischung an. Dieser Anteil kann also variieren und bedeutet bei E20, dass bis zu 20 Prozent Bioethanol enthalten sein können, aber nicht müssen. Bioethanol wird überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zucker oder Getreide hergestellt und dem fossilen Benzin beigemischt. „Die Mischung des Kraftstoffs und die Auslieferung durch den Mineralölpartner erfolgen wie bei Super E10. Lediglich das Mischungsverhältnis ist ab Tanklager anzupassen”, sagt der Treibstoff-Produzent CropEnergies. 

2. E20: Mehrverbrauch, aber günstigerer Preis

Der höhere Ethanolgehalt geht einher mit einer geringeren Energiedichte. „Ein möglicher Aspekt ist der leicht erhöhte Kraftstoffverbrauch. Aufgrund des geringeren Energiegehalts von Ethanol liegt dieser bei E10 bereits rund drei Prozent über dem herkömmlicher Kraftstoffe und könnte bei E20 auf bis zu sechs Prozent ansteigen. Angesichts potenziell niedrigerer Kraftstoffpreise relativiert sich dieser Mehrverbrauch jedoch spürbar”, so der Automobilclub AvD. Da es E20 bislang nur an ganz wenigen Tankstellen gibt und in aktuellen Benzinpreis-Apps noch gar nicht erfasst wird, bleibt allerdings unklar, wie der Preis am Ende in der Breite wirklich ausfällt. Aktuell ist der Sprit bei „Roth Energie”, die E20 an zwei Stationen verkaufen, 10 Cent günstiger als Super E5 und 4 Cent günstiger als E10.

3. Folgen für Motor, Verträglichkeit und Freigabe

Wie gut sich der neue Sprit in der Praxis schlägt, kann man noch nicht sagen. Der Autoclub AvD begrüßt den Klima-Sprit zwar grundsätzlich, sagt aber auch: „Es ist zu beachten, dass Ethanol sowohl lösende als auch reinigende Eigenschaften besitzt und zudem Wasser anzieht. In der Praxis kann dies dazu führen, dass Ablagerungen im Kraftstoffsystem gelöst werden und es zu Verstopfungen kommen kann. Zudem können Elastomere (z. B. Kraftstoffschläuche) mit der Zeit porös werden, wodurch Undichtigkeiten auftreten oder Bauteile infolge von Aufquellen versagen. Die wasserbindende Eigenschaft von Ethanol begünstigt zudem Korrosion im Bereich des Kraftstoffsystems. Auf der ganz sicheren Seite ist man, wenn für den jeweiligen Fahrzeugtyp eine E20-Herstellerfreigabe existiert.” Das Problem: Eine Liste von Fahrzeugen, die E20 tanken könnten, gibt es noch nicht. Die gibt es bislang nur für E10.

Der Oldtimer-Verband DEUVET spricht sich auf Anfrage von FOCUS online zwar für E20 wegen seiner Klima schonenden Wirkung aus, weist aber darauf hin, dass ältere Fahrzeuge und vor allem Oldtimer damit ein Problem haben können.

FOCUS online hat dazu bereits 2025 mit dem Motorenentwickler eines großen europäischen Autoherstellers gesprochen. Sein Fazit zum Thema E20:

  • Ein Großteil der Fahrzeuge werde E20 vertragen, doch es werde auch Ausnahmen geben.
  • Gerade die deutschen Autohersteller, die ihre Fahrzeuge in vielen Ländern der Welt verkaufen (darunter auch in den USA oder Südamerika mit deutlich höherem Ethanol-Anteil im Benzin), hätten ihre Motoren schon seit vielen Jahren so entwickelt, dass sie einen Kraftstoff wie E20 gut vertragen.
  • Bei älteren Fahrzeugen könne es aber durchaus Probleme geben an Bauteilen wie der Kraftstoffpumpe, dem Einspritzsystem oder den Ventilen, so der Entwickler. Diese Autofahrer müssten dann also weiter E10 oder E5 tanken.
4. E20: Erfahrungen in der Praxis

Das Unternehmen CropEnergies berichtet von ersten Praxistests in der eigenen Fahrzeugflotte, deren Aussagekraft allerdings begrenzt ist: „Da die Autos nicht immer nur an der E20-Tankstelle tanken, ist bei Teilen der Flotte eine Mischbetankung von E5 bis E20 gegeben. Nach bisher ca. 35.000 Liter E20 gab es bis heute keinerlei Probleme”, heißt es in einer Mitteilung vom vergangenen Oktober. Die Autohersteller geben viele Modelle für E20 frei, aber eben nur relativ junge Fahrzeuge. "Große Teile der Fahrzeugflotte – insbesondere Modelle der sogenannten VW Core Group (VW, Skoda, Seat, Cupra und VW Nutzfahrzeuge) ab Baujahr 2016 – sind bereits für E20 geeignet und freigegeben. Aber auch Volumenhersteller wie BMW und Mercedes treiben diese Entwicklung aktiv voran, indem sie E20 für bestimmte Motoren bereits freigegeben haben", heißt es beim Kraftstoffhändler Roth Energie. 

Auch der ADAC befürwortet einen Hochlauf von E20, weil damit alternative Kraftstoffe konkurrenzfähiger würden. Allerdings könne man die Einführung nicht übers Knie brechen: "Bis Super E20 zur Anwendung kommen kann, müssen erst die erforderlichen Grundlagen geschaffen werden. So muss zur Sicherstellung einer einheitlichen Kraftstoffqualität Super E20 entsprechend genormt werden, denn die Qualitätsnorm für Ottokraftstoffe (EN 228) lässt derzeit nur einen maximalen Ethanolanteil von 10 Volumenprozent zu. Die Normung eines Ottokraftstoffes mit höherem Ethanolanteil steht aktuell zur Diskussion, ist aber nicht abgeschlossen", so der Club gegenüber FOCUS online.

5. Fallen E5 oder E10 künftig weg?

Ein entscheidender Vorteil von E20 ist, dass die bestehende Tank-Infrastruktur weiter genutzt werden kann. Man wird für den neuen Sprit keine neuen Säulen bauen. Das heißt aber, dass eine andere Sorte – wahrscheinlich E5 – dafür an vielen Tankstellen wegfallen wird. Der Oldtimer-Verband DEUVET fordert, dass es künftig für ältere Fahrzeuge eine „Schutzsorte” geben muss, damit die weiterfahren können, falls sie E20 nicht vertragen. E10 wird es in jedem Fall weitergeben und der größte Teil des Fahrzeubestandes verträgt den Kraftstoff auch; eine offizielle Liste dazu finden Sie bei DAT (direkter Link zum pdf-Dokument). Für Oldtimer-Fahrer und einige wenige alte Gebrauchtwagen könnte die Etablierung von E20 allerdings bedeuten, dass sie künftig das teure Super Plus tanken müssen.

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Preiswerter tanken - fünf Tipps

Mit diesen fünf Tipps sparen Sie jetzt an der Zapfsäule.

1. Vormittags tanken. Idealerweise zwischen 10 und 11 Uhr. Der günstigste Zeitpunkt ist direkt vor der 12-Uhr-Erhöhung. Die Preise sind dann am niedrigsten, weil sie seit dem Vorabend nur noch gefallen sein können.
2. Abends ab 20 Uhr als Alternative. Wer nicht bis zum nächsten Tag warten will, kann stattdessen ab 20 Uhr tanken. Die Ersparnis gegenüber dem Mittagspreis beträgt dann durchschnittlich 4,8 Cent pro Liter.
3. Preisvergleich nutzen. Da alle Tankstellen gleichzeitig um 12 Uhr erhöhen, aber unterschiedlich schnell danach senken, gibt es nachmittags größere Preisunterschiede als früher.
4. Nicht in Panik geraten. Der 12-Uhr-Sprung sieht dramatisch aus, ist aber kein Zeichen für eine Preisexplosion. Es ist die gebündelte Tageserhöhung, die früher über den ganzen Tag verteilt war.
5. Autobahntankstellen meiden. Der Autobahn-Aufschlag liegt im Schnitt bei 20 bis 30 Cent über dem Preis abseits der Autobahn. Bei 50 Litern sind das 10 bis 15 Euro Unterschied.

Würden Sie E20 tanken, wenn Ihr Auto dafür freigegeben wäre?

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