In Sachsen-Anhalt sorgt Didi Hallervorden für Ärger in der CDU. Fleischhauer hält Schulzes umstrittenen Wahlkampfhelfer dennoch für einen klugen Schachzug.
In Sachsen-Anhalt sorgt Didi Hallervorden für Ärger in der CDU. Fleischhauer hält Schulzes umstrittenen Wahlkampfhelfer dennoch für einen klugen Schachzug.
Der Komiker wettert gegen Bundeskanzler Friedrich Merz, nennt Verteidigungsminister Boris Pistorius „Kriegsminister“, spricht von „Völkermord“ in Gaza – und lockt dennoch die Massen an.
Im „Schwarzen Kanal“ erinnert die Strategie an Cem Özdemirs erfolgreichen Wahlkampf in Baden-Württemberg: Distanz zur eigenen Partei, um persönlich zu punkten. So wurde der Grüne zum Ministerpräsidenten im Ländle gewählt. „Von Özdemir lernen heißt siegen lernen“, sagt FOCUS-Kolumnist Jan Fleischhauer.
Denn Hallervordens Auftritte geben Schulze die Gelegenheit, sich als Verteidiger der Meinungsfreiheit zu präsentieren: Der 90-Jährige Hallervorden darf sagen, was er will, selbst wenn der CDU-Spitzenkandidat inhaltlich widerspricht.
Fleischhauer hält diese Form der politischen Auseinandersetzung für klug: „Eigentlich finde ich das einen guten Move von Herrn Schulze, sich jemanden zu holen, mit dem er im Zweifel über Kreuz liegt, beziehungsweise der natürlich bei einer ganzen Reihe von Äußerungen quer zum Parteiprogramm der CDU steht.“
Dass die Bundes-CDU über Hallervordens Attacken wenig begeistert ist, dürfte Schulze verschmerzen können. Denn vor Ort funktioniert die ungewöhnliche Allianz.
In Dessau war eine Veranstaltung mit 600 vorgesehenen Plätzen mit 750 Besuchern überfüllt, weitere Interessenten mussten draußen bleiben. „Mehr kannst du eigentlich als Wahlkämpfer nicht wollen“, sagt Fleischhauer.
Ob daraus tatsächlich eine Aufholjagd gegen AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund wird, ist offen. Fleischhauer imponiert zumindest, dass Schulze ins Risiko geht: „Ich habe Respekt vor Leuten, die sich etwas trauen, die im Zweifel auch den Stinkefinger zur Parteizentrale hinhalten.“