Alle Sportlerinnen sollen sich nach dem Willen des Internationalen Olympischen Komitees künftig Geschlechtertests unterziehen, um an internationalen Frauen-Wettbewerben teilnehmen zu dürfen.
Stand: 26.03.2026 • 14:40 Uhr
Alle Sportlerinnen sollen sich nach dem Willen des Internationalen Olympischen Komitees künftig Geschlechtertests unterziehen, um an internationalen Frauen-Wettbewerben teilnehmen zu dürfen.
Wie das IOC am Donnerstag mitteilte, gilt die neue Regelung ab den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles und umfasst sowohl Einzel- als auch Teamsportarten.
Die neue Richtlinie ist das Ergebnis einer von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry eingesetzten Arbeitsgruppe zum "Schutz der Frauen-Kategorie". Transfrauen soll ein Start in der Frauenkategorie künftig untersagt sein. Von der Regelung ausgenommen sind Athletinnen, die eine "vollständige Unempfindlichkeit gegenüber Androgenen" nachweisen können, also die fehlende Fähigkeit ihres Körpers, Testosteron zu verwerten.
Auslöser für die verschärfte Politik der olympischen Dachorganisation war der Wirbel um Wettbewerbe im Frauen-Boxen bei den Sommerspielen in Paris 2024. Im Zentrum der Geschlechterdebatte standen die Olympiasiegerinnen Imane Khelif und Lin Yu-ting. Beide waren zuvor vom Weltverband IBA von der WM ausgeschlossen worden, da sie auf Basis eines nicht näher erklärten Geschlechtertests angeblich die Teilnahme-Kriterien nicht erfüllt hatten.
Test muss nur einmal gemacht werdenBei den Olympischen Spielen durften beide starten. Der damalige IOC-Präsident Thomas Bach sagte unter Verweis auf die damals geltenden Regeln: "Es bestand nie ein Zweifel daran, dass sie Frauen sind." Khelif betonte zuletzt auch: "Ich bin keine Transsexuelle, ich bin ein Mädchen." Transmenschen oder Transgender sind Personen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde.
Khelif kündigte bereits vor der Neuregelung des IOC an, sich vor Olympia 2028 in Los Angeles einem Geschlechtertest zu unterziehen. Laut der neuen IOC-Richtlinie müssen Athletinnen nur einmal den Test vornehmen lassen, sofern es keine Zweifel am Ergebnis gibt. Danach seien sie dauerhaft für Wettbewerbe zugelassen, hieß es.
Fall Caster Semenya sorgte für AufregungIn der Leichtathletik hatte es in jüngerer Vergangenheit viel Aufregung um den Fall Caster Semenya gegeben. Die dreimalige Weltmeisterin wehrte sich dagegen, sich vor Starts einer Hormonbehandlung zur Senkung ihres natürlichen Testosteronspiegels zu unterziehen. Sie betonte immer wieder, sie sei eine Frau. Nach Angaben in ihrer Autobiografie hat sie keine Gebärmutter und keinen Eileiter.
Als Reaktion auf die Debatten durften bei den Weltmeisterschaften im Boxen in Liverpool und in der Leichtathletik in Tokio im vergangenen Jahr nur Sportlerinnen in der Frauen-Kategorie starten, die sich einem sogenannten SRY-Gentest zur Bestimmung des biologischen Geschlechts unterzogen hatten und das Ergebnis "weiblich" vorwiesen. Die Sportlerinnen werden bei diesem Test auf ein Gen auf dem Y-Chromosom untersucht, das für die Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale entscheidend ist.
Dabei reicht ein Wangenabstrich oder eine Blutabnahme. Davor steht aber ein langes Aufklärungsgespräch. Unter den Athletinnen gehen die Meinungen über das Vorgehen auseinander, viele deutsche Sportlerinnen äußerten sich kritisch. Die Kritiker verweisen darauf, dass die Tests die Privatsphäre verletzen würden.
Die bloße Fokussierung auf biologische Merkmale werde zudem der Komplexität der Geschlechtsidentität nicht gerecht. "Geschlechtsspezifische Kontrollen und Ausgrenzung schaden allen Frauen und Mädchen und untergraben genau jene Würde und Fairness, für die sich das IOC angeblich einsetzt", sagte die Direktorin der "Sport & Rights Alliance", Andrea Florence.
"Eine Politik der Geschlechtsüberprüfung und des generellen Ausschlusses wäre eine katastrophale Aushöhlung der Rechte und der Sicherheit von Frauen", so Florence weiter.
Geschlechtstest bei Olympia zuletzt 1996Schon früher gab es in der olympischen Welt Geschlechtertests. So führte das IOC vor den Olympischen Spielen 1968 Abstrich-Tests zur Bestimmung der Geschlechts-Chromosomen ein. Geschlechtstest bei Olympia hatte es zuletzt 1996 in Atlanta gegeben.
Nach Problemen und Widerständen stellte das IOC die generelle Testung 1999 ein. Coventry, die erste Frau an der Spitze des IOC, hatte schon in ihrem Wahlkampf angekündigt, den Schutz der Frauen-Kategorie zu einem Kernthema zu machen.
Trump setzt IOC unter DruckZusätzlicher Druck kam von US-Präsident Donald Trump, der inmitten der Debatte um Khelif versprochen hatte, "Männer aus dem Frauensport herauszuhalten". Anfang des Vorjahres hatte Trump ein Dekret unterzeichnet, das Transmenschen von der Teilnahme am Frauensport ausschließt. Die USA sind 2028 offiziell Gastgeber der Sommerspiele in Los Angeles.
Die Aussagen von Trump hätten bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, so Coventry. "Das Thema war mir schon wichtig, bevor Trump wieder ins Amt gekommen ist", erklärte die Simbabwerin. Sie habe "keinen Druck von irgendjemandem außerhalb der olympischen Bewegung" verspürt.
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