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USA - vom Ankläger zum Geschäftspartner der FIFA

Дата публикации: 05-07-2026 01:00:20

Die Justiz der USA brachte die FIFA 2015 an den Rand des Zusammenbruchs. Der Skandal spülte FIFA-Präsident Gianni Infantino an die Macht - der nun in den USA Geschäfte macht.

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Würdigung der 250-Jahr-Feier durch die FIFA in Houston bei der WM 2026
Elf Jahre nach dem Skandal USA - vom Ankläger zum Geschäftspartner der FIFA

Stand: 05.07.2026 • 03:00 Uhr

Die Justiz der USA brachte die FIFA 2015 an den Rand des Zusammenbruchs. Der Skandal spülte FIFA-Präsident Gianni Infantino an die Macht - der nun in den USA Geschäfte macht.

Der 4. Juli ist der Nationalfeiertag in den USA, der Unabhängigkeitstag. 2026 war er besonders wichtig, weil der Staat 250 Jahre alt wurde. Die FIFA stieg voll in die Feierlichkeiten ein: Bei den WM-Spielen in Houston und Philadelphia am 4. Juli hielt die FIFA vor den beiden Spielen ihre eigene 250-Jahr-Feier in den Stadien ab: Mit Bannern, Soldaten und der Nationalhymne der USA.

Die Szenerie wirkte wie ein Beleg für den Wandel im Verhältnis zwischen den USA und der FIFA. Der Präsident des Weltverbands, Gianni Infantino, wünschte bei Instagram "allen in den Vereinigten Staaten und allen Amerikanern auf der ganzen Welt einen epischen Tag der Feierlichkeiten". So freundschaftlich war das Verhältnis zwischen den USA und der FIFA nicht immer.

Als die USA ihre Rechnung an die FIFA schickten

Rund elf Jahre zuvor, am 27. Mai 2015, wurden mehrere FIFA-Funktionäre in Handschellen aus einem Zürcher Luxushotel geführt. Mit weißen Bettlaken schützte das Personal die inhaftierten FIFA-Macher vor den Kameras. Die Verhaftungen erfolgten im Rahmen von umfassenden Ermittlungen des US-Justizministeriums wegen Bestechung, Geldwäsche und Betrugs.

Hinter Bettlaken wurden die verhafteten FIFA-Funktionäre 2015 abgeführt.

Im Mittelpunkt des Skandals stand immer wieder die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022, die 2010 erfolgt war. Die USA waren 2010 eigentlich der große Favorit für das Turnier 2022 und aus kommerzieller Sicht ohnehin der Wunschkandidat der damaligen FIFA-Spitze. Katar gelang es aber, genug Funktionäre von sich zu überzeugen. Später wurde klar, dass mehrere Stimmen gekauft waren - zum Leidwesen der USA. Die Verhaftungen wirkten, als hätten die USA ihre Rechnung nach Zürich geschickt.

Die damalige Generalstaatsanwältin Loretta Lynch sagte: "Das Justizministerium ist entschlossen, diesen Praktiken ein Ende zu setzen, die Korruption auszumerzen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen."

Die frühere Generalstaatsanwältin Loretta Lynch

Der Profiteur des Skandals: Gianni Infantino

Profitiert hat von den Ermittlungen und Verhaftungen durch die US-Behörden am Ende ein Mann: Gianni Infantino. Erst durch den Skandal kam er aus seiner bisherigen Position als UEFA-Generalsekretär, der die Auslosungen der Champions League leitete, ins höchste Funktionärsamt des Fußballs. 2016 gewann Infantino nach dem Rücktritt von Sepp Blatter die Abstimmung und war am Ziel: FIFA-Präsident. Den Weg dafür frei gemacht hatte in letzter Konsequenz die Arbeit der US-Justiz.

FIFA-Präsident Gianni Infantino am 4. Juli beim WM-Spiel in Houston

Aus den USA kam noch mehr Hilfe: US-Verbandschef Sunil Gulati wechselte im Wahlverfahren auf Infantinos Seite und sagte später: "Er versteht den US-Markt und wie wichtig dieser nicht nur für die FIFA, sondern auch für den Sport im Allgemeinen sein kann." Beobachtern zufolge half er bei den entscheidenden Wahlgängen bei der Stimmenbeschaffung für Infantino.

War die WM 2026 die Chance, sich zu revanchieren?

Die Chance, sich zu revanchieren, kam schnell. 2018 wurde beim FIFA-Kongress in Moskau die WM 2026 vergeben. Ein neues und transparentes Verfahren sollte es sein, bei dem alle Mitgliedsverbände der FIFA eine Stimme haben. Die Bewerbung aus den USA, Mexiko und Kanada gewann klar gegen den einzigen Gegenkandidaten aus Marokko.

Ein faires und transparentes Verfahren mit offener Abstimmung sei das, wie die FIFA immer wieder betonte. "Wir wollen sicher gehen, dass die Vergabe für 2026 absolut wasserdicht ist", sagte Infantino damals im Vorfeld mit Verweis auf die vorherigen Abstimmungen.

Infantino (r.) 2018 mit Vertretern der erfolgreichen WM-Bewerbung aus Nordamerika

Trump zu Infantino: "Wir haben das auf den Weg gebracht"

Doch wurden im Hintergrund Fäden gezogen, um das gewünschte Ergebnis zu bekommen? Diesen Eindruck konnte man bekommen, wenn man beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2020 Donald Trump zuhörte. Infantino saß bei einer Veranstaltung mit am Tisch, als Trump sagte, dass er schon vor seiner ersten Wahl zum US-Präsidenten bei der WM-Vergabe involviert gewesen sei.

Er plauderte weiter und sagte zu Infantino: "Du wolltest das Turnier dort (in den USA, d. Red.) haben, und ich wollte es dort haben, und wir haben es tatsächlich noch vor meinem Amtsantritt geschafft. Noch bevor ich mein Amt antrat, haben wir das auf den Weg gebracht."

Verplappert? US-Präsident Donald Trump (l.) mit Gianni Infantino 2020 in Davos

Hochproblematische Sätze für Infantino, der bei einer WM-Vergabe zumindest offiziell natürlich neutral bleiben muss. Hat er sich aber anders verhalten, um die USA zu begünstigen? Die FIFA wies das stets zurück und pochte auf ein sauberes Verfahren. Marokko, das möglicherweise benachteiligt gewesen sein könnte, hat inzwischen große Teile der WM 2030 bekommen und längst keinen Anlass mehr, sich zu beschweren.

Der FIFA-Skandal von 2015 ist längst Geschichte. Infantino rühmte sich damit, dass die Ermittlungen 201 Millionen US-Dollar an die Verbände zurück gebracht hätten. Die damalige Generalstaatsanwältin Lynch ist nun seit 2019 für die Kanzlei tätig, die die FIFA in den Ermittlungen vertrat und sprach gemeinsam mit Infantino bei einem "FIFA Compliance-Gipfel".

Infantino mit immer größerer Nähe zu Trump

Seitdem pflegen Infantino und Trump ein sehr enges Verhältnis, das in der Vergabe eines "FIFA-Friedenspreises" gipfelte, nachdem Trump den Friedensnobelpreis nicht bekommen hatte. Mittlerweile haben Norwegens Fußballverband und 50 EU-Parlamentarier eine Beschwerde der Menschenrechtsorganisation FairSquare unterstützt, die Infantino die Verletzung der in den FIFA-Statuten verankerten politischen Neutralität vorwirft.

Infantino kündigte derweil an, dem WM-Sieger nach dem Finale mit Trump den WM-Pokal zu überreichen. Das neue Verhältnis nutzt dem Weltverband erheblich. Der FIFA-Präsident rechnet nach eigenen Angaben mit Rekordeinnahmen von bis zu 14 Milliarden US-Dollar bei dem Turnier. Das Geld wird zu einem großen Teil an die Nationalverbände wie den DFB verteilt, die 2027 stimmberechtigt sein werden, wenn Infantinos Wiederwahl ansteht. Das Geld aus den USA sorgt für Zufriedenheit im Weltfußball und bei den Verbänden - und es sichert Infantinos Macht in einer Position, in die er erst durch die USA gekommen ist.

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