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Wie war die letzte Ehe von Brigitte Reimann? Die Tochter des Mannes erzählt davon

Дата публикации: 16-08-2026 14:46:01

„Was zwischen zwei Menschen geschieht“ von Christine Burgartz macht die Autorin Brigitte Reimann zu einer literarischen Figur. Ein eher unglückliches Experiment.

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Der Aufbau-Verlag in Berlin betreut das Werk von Brigitte Reimann, einer Autorin, die Aufbruch und Enge der DDR auf außergewöhnliche Weise zur Sprache brachte, vor allem mit ihrem Roman „Franziska Linkerhand“. Vor drei Jahren erschien Carsten Gansels sehr kundige Biografie Reimanns „Ich bin so gierig nach Leben“ bei Aufbau. Und neben ihren literarischen Texten sind hier verschiedene Briefwechsel ediert worden, außerdem die Tagebücher von 1955 bis 1963 und von 1964 bis 1970.

Tagebuch hat sie immer geschrieben, doch die Aufzeichnungen der letzten Lebensjahre sind verschollen, sehr wahrscheinlich vernichtet durch ihren vierten Ehemann, den Arzt Dr. Rudolf Burgartz. Sie starb am 20. Februar 1973 an einem schweren Krebsleiden. Er war bis zu seinem Tod im Jahr 2015 ihr Nachlassverwalter.

Seine Tochter aus zweiter Ehe, Christine Burgartz, hat nun ein Buch geschrieben: „Was zwischen zwei Menschen geschieht“. Auf dem Umschlag steht in einem Kreis die Information: „Ein Roman über BRIGITTE REIMANN: das letzte Kapitel“. Es ist der Aufbau-Verlag, der mit diesen Worten Leserinnen und Leser locken will, die vom Leben und Schreiben der früh verstorbenen Autorin fasziniert sind.

Das Tagebuch des Vaters – des Mannes, der Reimanns Tagebücher vernichtete

Auf zwei Ebenen wird hier erzählt. Im Mittelpunkt der einen steht eine junge Frau namens Kristen. Am Beginn des Romans begleitet sie ihren sterbenden Vater, übernimmt nach der Trauerfeier das Aufräumen seiner Hinterlassenschaften. Da findet sie auch ein Tagebuch von ihm – aus seiner Zeit „an der Seite der großen Schriftstellerin“. Kristen beginnt im zweiten Kapitel darin zu lesen, ist befremdet von den Gedanken ihres Vaters. Mit dem dritten Kapitel wechselt die Erzählebene.

Dort geht es, ebenfalls in der 3. Person erzählt, um die letzten Jahre Brigitte Reimanns; von der Begegnung mit dem zehn Jahre jüngeren nur R. genannten Mann über die Hochzeit und bald sehr schwierige Ehe bis zu ihrem Tod und der Vernichtung ihrer Tagebücher. Die Ebenen wechseln in unregelmäßigem Rhythmus. Gibt es in der Vergangenheit Wutausbrüche des Reimann-Ehemanns, findet man in der Gegenwartshandlung übergriffiges Verhalten des neuen Freundes von Kristen.

In einem Vorwort von reichlich einer Seite erklärt die Autorin, dass es keine derartigen Aufzeichnungen ihres Vaters gibt. „Das Tagebuch von Brigitte Reimanns Ehemann, das die Romanprotagonistin entdeckt“, sei lediglich „eine literarische Verdichtung verschiedener Quellen“. Laut Klappentext betreut sie heute den Nachlass der Schriftstellerin. Im Roman  macht sie sich die Reimann als Figur zu eigen, begibt sich in ihre Perspektive. Das kann man zumindest mutig nennen.

Sichtbarer Vergleich zu „Franziska Linkerhand“

Aber nicht das allein verstört an diesem Buch. Eine Leseprobe aus „Franziska Linkerhand“ am Buchende zeigt die literarische Fallhöhe deutlich. Der Stil von Christine Burgartz ist unpräzise, von schiefen Bildern und unmotivierten Wiederholungen durchzogen. So erinnert sich ihre Kristen, wie sie als kleines Kind Streit der Eltern zu schlichten suchte. Sie stellte den beiden Fragen, „als hätte sie einen schweren Fall von Amnesie erlitten“. Im selben Absatz folgt die Erschöpfung des Kindes, „als hätte sie den Iron Man absolviert“. Die erwachsene Kristen wird von ihrem Freund überrumpelt: „Für einen winzigen Moment wurde es ganz taub in ihr. Sie dachte daran, wie still es manchmal in ihr wurde, wenn Julius entschied, was als Nächstes an der Reihe war.“

In der DDR nur einmal aufgelegt: Tolle Geschichten vom Geschlechtertausch

Über Reimanns Ehemann heißt es nicht, er kündigte an, weniger zu trinken, sondern: „Er versuchte abzunehmen und weniger zu trinken. Beides lief unter ,Lippenbekenntnis‘, da er nicht willens war, das Nötige dafür zu tun.“ Bei einem Dialog zwischen der kranken Schriftstellerin und ihrem Mann wechselt die Stimmung in weniger als einer Minute von Kraft zu Schwäche, von „Ich schaffe wieder mehr“ kommt sie drei Sätze weiter zu: „Ich hatte noch nie so klar den Eindruck, dass meine Kräfte nachlassen.“

Die Widmung gilt allen „Frauen auf der Suche nach Befreiung“. Der Roman soll offenbar zeigen, wie Frauen damals und heute unter dominanten Männern leiden können. Auch, dass es möglich ist, sich gegen psychischen Druck zu wehren, wenn man sich Verbündete sucht, kann man leicht daraus lesen. Aber musste das am Beispiel dieser historischen Figur auf diese Weise erzählt werden? Der Brigitte-Reimann-Verlag Aufbau scheint kein Problem damit zu haben.

Christine Burgartz: Was zwischen zwei Menschen geschieht. Roman. Aufbau, Berlin 2026. 193 Seiten, 22 Euro

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