Mit einer ganz besonderen Premiere hat die Vogtland-Philharmonie Greiz/Reichenbach im eigenen „Wohnzimmer“ die Spielzeit eröffnet. So lief die „Adele“-Uraufführung.
Gut tausend Musikfreunde haben am Samstagabend im in buntes Licht getauchten „Park der Generationen“ im vogtländischen Reichenbach eine Uraufführung zum Saisonauftakt der Vogtland-Philharmonie Greiz/Reichenbach erlebt. Die Leipziger Sängerin Jasmin Graf, längst dem Titel „Voice of Germany“-Sternchen entwachsen und zu einer bewährten Partnerin der Philharmoniker bei vielen Crossover-Projekten geworden, stand mit dem Orchester und ihrer Leipziger Band auf der Bühne direkt am „Headquarter“ des Klangkörpers.
Seit einigen Jahren ist sie bereits mit Titeln der englischen Sangesdiva Adele unterwegs, allerdings eben nur in Band- oder Duo-Besetzung. Und wie sie in ihrer Anmoderation bereits ankündigte, sei es ein großes Abenteuer, die anspruchsvollen Songs der aus London stammenden Sängerin mit einem so großen Orchester zu performen. Rund ein Jahr habe es gedauert, diesen Abend auf die Beine zu stellen. Andreas Pabst, Benjamin Richter und in erster Linie der frühere Intendant der Philharmonie und heute Generalmusikdirektor im Ruhestand, Stefan Fraas, hatten in monatelanger Sisyphusarbeit die Pop-Songs in orchestertaugliche Versionen arrangiert.
Musik Weltklasse, Moderation BezirksligaDas Ergebnis ließ wirklich aufhorchen: Nicht nur der gewaltige Trommelwirbel von Drummer Markus Christ und Jasmin Grafs mal glockenklare, mal verrucht herbe Powerstimme jagten Schauer über den Rücken der zumeist sehr kunstsinnigen Gäste. Die symphonischen Musikbetten der Philharmoniker um den dirigierenden Konzertmeister Simon Edelmann und dessen „erste Geige“ Sergey Synelnikov flossen wie Milch und Honig durch den lauen Sommerabend. Hier passte jeder Bläsereinsatz, jede noch so knallige Streichersequenz.
Große Show: Die Musiker der Vogtland-Philharmonie zeigten einmal mehr in einem neuen Crossover-Format, dass sie vielseitig und hochprofessionell agieren.
© Rene Plaul
Im Kontrast zu diesem musikalisch hochkulturellen Anteil lag teilweise die Moderation der Sängerin, die zwar viel über Hintergründe und Karriere von Adele zu berichten wusste, teilweise aber doch recht jovial das „fishing for compliments“ in der nordvogtländischen Stadt auf ihrer Agenda hatte. So traf musikalische Höchstleistung auf latent provinzielle Publikumsansprache. Hier wäre etwas weniger Lokalkolorit sicher mehr gewesen. Denn mit dem Adele-Programm will man nicht nur im Vogtland punkten, auch wenn die nächste „Adele in Symphony“ Ende Februar kommenden Jahres im sächsischen Auerbach geplant ist.
Gänsehautmoment flasht Besucher und IntendantenDas Ziel dürfte sein, die extra für dieses Programm arrangierten Hits wie „Someone like you“, „Skyfall“, „Set fire to the rain“ oder „Rolling into deep“ einem breiteren Publikum in ganz Deutschland zu präsentieren. Die Qualität dafür ist ganz zweifellos gegeben und das Freistaatengrenzen überschreitende Orchester für seine gefeierten Konzertreisen bekannt. Apropos „Rolling into deep“: Hier erlebten die Besucher einen besonderen „Gänsehautmoment“.
Der „Gänsehautmoment“ des Abends: Die 18-jährige Nachwuchssängerin Yaara Mörchel wollte gern mit Jasmin Graf ein Lied singen – und sie durfte. Gemeinsam knallten sie ein Powerduett der Superlative raus.
© Ingo Eckardt
Eine junge Sängerin aus Greiz hatte Jasmin Graf bei deren Ausflug ins Publikum im ersten Konzertteil einen Zettel zugesteckt. „Ich würde gern mit Dir ein Lied singen“, stand darauf. Die Künstlerin holte sich Yaara Mörchel, so heißt die junge Dame, in der Pause in die Garderobe und kurz vor Konzertende auf die Bühne. Gemeinsam ließen es die beiden mit dem Rückenwind von Orchester und Band aber mal so richtig krachen. „Das hat uns alle völlig aus der Kalten erwischt“, musste Intendant Ulrich Wenzel eingestehen, war aber restlos hin und weg vom bis auf einen Einsatz ganz zu Beginn einfach sensationellen Powerduett.
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