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Cottbuser Universität startet mit der Medizinerausbildung

Дата публикации: 19-08-2026 13:52:27

Die ersten Medizinstudenten werden im Oktober immatrikuliert. Die Universitätsgründung ist das teuerste staatliche Projekt beim Strukturwandel in der Lausitz, und es beginnt mit dem Abriss.

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Am 10. Oktober ist es soweit. 37 Medizinstudenten werden als allererster Jahrgang an der Medizinischen Universität Lausitz immatrikuliert. Ihre Zahl soll in den kommenden Jahren auf rund 1000 Studenten anwachsen, erklärt Professorin Adelheid Kuhlmey als Gründungsvorstand.

Sie wurde erst im Sommer 2024 gegründet und hat ihr Zuhause am Carl-Thiem-Krankenhaus in Cottbus gefunden, das damit zu einer Universitätsklinik wurde. Stand hier bislang die Krankenversorgung im Mittelpunkt, wird nun die Lehre eine wichtige Rolle einnehmen. Ausgebildet werden soll in einem Modellstudiengang mit einem hohen Praxisanteil. Ein Modell, das unter anderem auch am Klinikum in Chemnitz seit Herbst 2020 mit seinem Medic-Studiengang praktiziert wird und das den Studenten den Unterricht am Krankenbett ab dem ersten Semester ermöglicht.

Die Gründung der Medizinischen Universität Lausitz gilt als ambitioniertestes Projekt des Landes Brandenburg. Sie ist Bestandteil des Bundesgesetzes zur Strukturstärkung der Kohleregionen. Mit dem Ausstieg aus der Braunkohle soll die Region gezielt zu einem Innovations- und Wissenschaftsstandort entwickelt werden.

Das kostet Geld, viel Geld. Bis zum Jahr 2038 stehen für die Universität 3,7 Milliarden Euro zur Verfügung, die zum Großteil vom Bund gezahlt werden, um der Region nach dem Kohleausstieg eine neue Perspektive zu geben. Es ist damit das größte staatliche Einzelprojekt im Rahmen des Strukturwandels in der Lausitz.

Dabei spielt die Digitalisierung der Medizin eine zentrale Rolle. Sie soll eine schnellere, effizientere Behandlung der Patienten ermöglichen. Dazu gehören eine digitale Datenerfassung, -pflege und -auswertung genauso wie beispielsweise die Möglichkeit virtueller Arztkonsile. Dafür hat das Bundesforschungsministerium eine Förderzusage über 1,2 Milliarden Euro gegeben.

Doch wer lehren und forschen will, der braucht auch Räume. „Das ist momentan unsere größte Herausforderung“, sagt Gründungsvorständin Kuhlmey. Es müssen Hörsäle und Labore neu gebaut oder umgebaut werden. Dafür haben das Land Brandenburg und die Universität einen Zuschussvertrag über bis zu 821 Millionen Euro geschlossen.

Abrisspläne und Bewerberflut

Bei der Erweiterung und dem Umbau des Campusgeländes gibt es aber auch einige bittere Pillen zu schlucken. Da ist zum einen der notwendige Abriss der Zentralküche. Die wurde erst 2021 und 2022 für rund 20 Millionen gebaut. Auch die Pathologie und der Blutspendedienst müssen weichen. An ihrer Stelle soll das zentrale Universitätsgebäude stehen. Der Hubschrauberlandeplatz wird verlegt, da er in seiner jetzigen Form Kernbereiche des neuen Campus blockieren würde. Und das Verwaltungs- und Logistikzentrum wird ausgelagert.

Geld ist da, Ideen für die Ausgestaltung von Lehre und Forschung auch. Fehlen noch die Lehrenden. Doch die hat man nach Aussage von Professorin Kuhlmey schneller gefunden, als gedacht. Die Lausitz konkurriert im Kampf um die klugen Köpfe mit Dresden, Berlin, Hamburg oder München. „Da hatte ich am Anfang auch Bedenken, ob wir genügend Wissenschaftler für einen Wechsel in die Region begeistern können. Und ich war ehrlich überrascht. Wir haben unglaublich viele Bewerber auf die ausgeschriebenen Stellen erhalten“, so die Gründungsvorständin. Mittlerweile sind 18 Professuren vergeben. Bis Mitte der 2030er-Jahre sollen es 80 werden.

Zuwachs ist auch bei den Studenten geplant. Für die knapp 40 Plätze habe es mehr als 8.000 Bewerber gegeben, ein Großteil davon komme aus der unmittelbaren brandenburgischen und sächsischen Nachbarschaft. Das Auswahlverfahren läuft noch. Cottbus ist deutschlandweit damit der 40. Standort, an dem eine staatliche universitäre Medizinerausbildung angeboten wird.

Bis 2035, so der Plan, wird die Zahl der Studenten auf bis zu 1.500 anwachsen. Neben der Humanmedizin sollen hier künftig auch die Studiengänge Medical Data Science, Gesundheitssystemwissenschaften und Advanced Nursing Practices zur Höherqualifizierung von Pflegefachkräften angeboten werden. Forschungsschwerpunkte sind die Digitalisierung in der Medizin und die Gesundheitssystemforschung.

Alle Studenten erhalten bei der Immatrikulation ein Tablet. Es dürfte ihr unverzichtbares Arbeitsmittel werden, denn in Cottbus setzt man nicht nur auf die papierlose Immatrikulation, sondern führt sie auch digital durch das Curriculum.

Der Studienstart ist aber nur ein erster Meilenstein. Die neu gegründete Universität soll auch neue Maßstäbe bei der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum setzen. Die Lausitz gilt mit ihren 600.000 Einwohnern als Modellregion, in der eine gute Patientenversorgung der Zukunft entwickelt wird.

Modernste Medizin der Zukunft

„Das spannendste Projekt bei der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in Europa findet derzeit hier in der Region statt“, sagt Martin Peuker, Vorstand für Digitalisierung, selbstbewusst.

Bleibt die Frage, wie sich die Medizinische Universität in Cottbus finanzieren wird, wenn der Topf mit dem Strukturwandelgeld leer ist. Dafür gäbe es bereits Absprachen mit dem Land Brandenburg, so Professorin Kuhlmey. Aus dem Landeshaushalt würde die Uni ab 2035 jährlich mit 100 Millionen Euro bezuschusst. Weitere 50 Millionen Euro müssten von den Wissenschaftlern über Drittmittel eingeworben werden. „Das ist aber ganz sicher zu schaffen“, so die Gründungsvorständin.

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