Sarah arbeitet Vollzeit – und verkauft nach Feierabend Fußbilder und getragene Wäsche. Damit verdient sie 700 Euro, doch es ist anstrengend.
Wie jeden Abend erreicht Sarah (Name geändert, Anm. d. Red.) eine neue Anfrage – irgendwo zwischen Küche, Sofa und Restmüdigkeit. Ein Kunde möchte neue Fußbilder von ihr, möglichst bald. Sarah schaut aufs Handy, zögert kurz und antwortet dann doch. Darin stecke der eigentliche Kern der Arbeit, meint sie. Nicht im Fetisch oder dem Reiz des Verruchten. Sondern in der ständigen Verfügbarkeit. Darin, nach einem langen Arbeitstag noch einmal online zu gehen und das Gefühl von Intimität zu verkaufen.

Heute sagt Sarah, sei ihr der sexuelle Aspekt „eigentlich egal, weil ich es ja nicht sehe“. Aber anfangs sei es „schon komisch“ gewesen. Der Gedanke, dass fremde Männer ihre Bilder zur Selbstbefriedigung nutzen. Dass sie ihre getragenen Sachen kaufen. Dass aus Füßen, Socken, Unterwäsche und ein paar Chatnachrichten ein Job wird. Ein Job, der auf den ersten Blick leichter klingt, als er in Wirklichkeit ist.
Ein Fußfetisch ist eine sexuelle Vorliebe, bei der Füße als stark erregend empfunden werden. Dies kann sich durch das Betrachten, Küssen, Massieren oder Lecken von Füßen äußern. Oft spielen dabei auch Fußnägel, Nagellack, Fußschmuck oder das Tragen bestimmter Schuhe eine Rolle. In einer belgischen Onlinebefragung gaben 10 Prozent der 1000 befragten Teilnehmenden zwischen 18 und 65 Jahren an, sich von Füßen sexuell angezogen zu fühlen. Der US-amerikanische Sozialpsychologe Justin Lehmiller konnte in einer Umfrage unter 4175 Menschen für sein Buch „Tell Me What You Want“ sogar einen höheren Anteil feststellen.
Der Markt an Fußfetisch-Bildern sei „sehr übersättigt“ – eine Erfolgsgarantie gebe es nicht, erklärt Sarah im Gespräch mit dieser Redaktion. Wer auffallen wolle, müsse Zeit investieren, originell sein und sich einen Stammkundenkreis aufbauen. In einschlägigen Internetforen wie Reddit äußern sich immer wieder Frauen, deren finanzieller Erfolg beim Verkauf von Erotik- oder Fußbildern ausblieb. Einige schreiben, sie hätten „ihr Leben ruiniert“, weil sie sich deutlich identifizierbar gezeigt hatten.
Sarah schützt ihre Privatsphäre daher sehr. Ihren echten Namen will sie nicht öffentlich machen. Nicht in Chats, nicht in diesem Artikel, nicht in Verbindung mit dem, was sie verkauft. Sie ist in ihren Zwanzigern, lebt in Süddeutschland und bietet seit etwa anderthalb Jahren Fußbilder, getragene Socken und getragene Unterwäsche auf Internetplattformen an. Sie ist dort sichtbar genug, um Geld zu verdienen, unsichtbar genug, um sich zu schützen. Ihr Gesicht zeigt sie ihren Kunden nie.
Fetisch: Fußbilder kosten bei Sarah fünf EuroBevor Sarah mit der Nebenbeschäftigung anfing, habe sie sich mit ihrem Ehemann abgesprochen, was geht und was nicht. Wichtig sei gewesen, „nichts zu machen, was man gar nicht möchte“, und es „nicht nur wegen des Geldes“ zu tun. Auch „komplett nackt“ zeige sie sich nicht. Ihr Mann unterstütze sie, mache manchmal Fotos und bringe gelegentlich Sendungen zur Post. Auch einige Freunde wüssten Bescheid, erzählt Sarah. Sie nähmen das mit Humor. Und das tut Sarah auch. Sie lacht viel über ihre Tätigkeit und erklärt: „Es gibt Schlimmeres.“
Begonnen hat es nicht aus finanzieller Not, sondern eher aus einer Mischung aus Neugier und dem Gedanken „Mal sehen, ob das wirklich funktioniert“, wie sie sagt, erst einmal „just for fun“. Dass daraus ein Nebenjob werden würde, einer mit Stammkunden, Preislisten und sehr klaren Regeln, war damals noch nicht der Plan. Sarahs Geschäft läuft über Reddit und Telegram. Sie tritt dort mit einem Künstlernamen auf.

Für Sarah ist der Verkauf von Fußbildern vor allem eines: ein Nebenjob. (Symbolbild)© Shutterstock / staras | Staras
Erst kommt der Smalltalk, dann die Bestellung, bei der wichtige Fragen geklärt werden: Welche Perspektive? Sohlen oder Oberseite? Welche Location? Nach der Zahlung verschickt sie die Bilder – fünf Euro pro Stück. Mit getragener Unterwäsche komme sie insgesamt meist auf 600 bis 700 Euro pro Monat zusätzlich zu ihrem Hauptberuf. Das Ganze habe sie als Kleingewerbe angemeldet, erklärt sie.
Sarah erkennt sich als Sexarbeiterin wiederSarah arbeitet Vollzeit, neun bis zehn Stunden am Tag: „Dann kommst du halt abends um 19 Uhr nach Hause und dann fragt einer: Hey, ich möchte noch Bilder haben.“ Der Impuls sei dann meist: „Eigentlich habe ich gerade gar keinen Bock, aber komm, ich mache das kurz.“ Was nur nach halber Freiwilligkeit klingt, kostet Sarah zehn bis zwölf Stunden pro Woche. Sie verkauft nach eigenen Aussagen nicht bloß Bilder und getragene Kleidungsstücke. Sie verkauft Aufmerksamkeit, Reaktionsschnelligkeit, einen erotischen Ton, oft auch die Illusion persönlicher Nähe.
Und das ist es, was Sarah Spaß macht: „Einfach mit den Leuten zu schreiben, zu interagieren, zu kommunizieren“, sagt sie. Es gefalle ihr, Kunden „zufrieden“ oder „glücklich“ zu machen. Ob sie sich selbst als Sexarbeiterin bezeichnen würde? „Darüber habe ich noch nie nachgedacht“, sagt sie. Laut Definition bezeichnet Sexarbeit „eine einvernehmliche sexuelle oder sexualisierte Dienstleistung zwischen volljährigen Geschäftspartnern gegen Entgelt oder andere materielle Güter“. Das trifft auf das Gewerbe von Sarah zu. „Dann ist das so“, sagt sie fast gleichgültig. Dann sei sie eben eine Sexarbeiterin.
Anfangs habe auch sie Vorurteile gehabt, denn sie selbst habe keinen Fußfetisch. Sie meint, man denke schnell, das seien „ganz komische, eklige Menschen“. Doch diese Sicht habe sich komplett verändert. Alle ihre Kunden sind Männer. Mal Angestellte, manche mit „Manager-Status“, von Mitte 20 bis knapp 60. „Das sind ganz normale Menschen“, sagt sie. Dennoch blockiert Sarah nach eigener Aussage auch „fast tagtäglich“ Männer. Ein Kunde etwa habe nicht akzeptieren wollen, dass sie das „rein geschäftlich“ mache und „kein Bedürfnis an einer Beziehung“ mit ihm habe.
Am Ende blockierte sie ihn. Ein anderer wollte, dass Sarah die Schuhe seiner Ehefrau trägt, Bilder davon macht und ihm anschließend die getragenen Schuhe wieder zurückschickt. Wenn noch eine andere Person wie die Ehefrau beteiligt ist, mache sie das auf keinen Fall, sagt sie. Generell gelte: „Je mehr du von dir selbst zeigst, desto mehr musst du damit rechnen, dass Männer vielleicht aufdringlich werden.“
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