Campus-Kino 2026 in der Stasi-Zentrale Berlin-Lichtenberg: Programm, Termine und Uhrzeiten der letzten vier Filmabende im Überblick.
Um 19.30 Uhr geht an diesem Donnerstag im Innenhof der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg die Leinwand an. Der Eintritt kostet nichts, anmelden muss sich niemand.
Nicht die Leinwand ist hier die Attraktion, sondern der Hof, in dem sie steht: das Areal an der Ruschestraße 103, von dem aus das Ministerium für Staatssicherheit die Überwachung eines ganzen Landes organisierte.
Seit dem 3. August läuft dort das Campus-Kino, zum siebten Mal in Folge. Heute ist die neunte von zwölf Vorstellungen dran. Danach bleiben noch drei.
Der Ablauf ist an jedem Abend gleich. Zuerst stellen sich Einrichtungen vom Gelände vor, dann läuft der Film, danach diskutieren Filmschaffende, Fachleute und Zeitzeugen mit dem Publikum. Dazu kommen Führungen und Ausstellungen am historischen Ort.
An diesem Donnerstag zeigt das Campus-Kino den Dokumentarfilm „Stolz und Eigensinn“ von Gerd Kroske, 113 Minuten, mit englischen Untertiteln.
Es geht um Frauen, die in DDR-Großbetrieben Tagebaubagger steuerten und Anlagen im Chemiewerk Leuna überwachten. Nach der Wende traf sie die zweite große Entlassungswelle mit voller Wucht. Sie erzählen von einer Unabhängigkeit, die mit ihren Fabriken verschwand.
Im Filmgespräch sitzen anschließend Regisseur Kroske und die Historikerin Henrike Voigtländer, die den Lernort Keibelstraße leitet. Moderation: Rebecca Hernandez Garcia von der Robert-Havemann-Gesellschaft.
Die Führung „Die Stasi und die Frauen“ um 17.30 Uhr ist ausgebucht. Plätze gibt es noch bei der Ausstellungs- und Geländeführung um 17.45 Uhr, Anmeldung per Mail an: einblick-ins-geheime@bundesarchiv.de.
Das Wetter spielt mit: In Berlin werden am Donnerstag bis zu 23 Grad erwartet, die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei 15 Prozent. Nachts kühlt es auf 13 Grad ab, eine Jacke schadet also nicht.
Der prominenteste Termin der Schlusswoche ist der Montag. Am 24. August läuft „Hunger auf Leben“, Markus Imbodens Filmbiografie über die Schriftstellerin Brigitte Reimann.
Martina Gedeck spielt die Autorin, die 1955 mit ihrer Schreibmaschine auszog, die junge DDR zu erobern, dann ins Visier der Staatssicherheit geriet und 1973 mit 39 Jahren an Krebs starb. Ihr Hauptwerk „Franziska Linkerhand" blieb unvollendet. Für die Rolle bekam Gedeck den Deutschen Fernsehpreis als beste Hauptdarstellerin.
Nach dem Film kommen Gedeck und Imboden persönlich auf die Bühne, moderiert von Marie Kaiser (radioeins). Vorher ordnet die Historikerin Daniela Münkel vom Stasi-Unterlagen-Archiv den Fall Reimann ein.
Wer dabei sein will, sollte früh da sein. Reservieren lässt sich grundsätzlich nicht, und Gedeck dürfte den Hof füllen.
Am 25. August folgt „Flüstern und Schreien – Ein Rockreport“, gedreht 1988 von Dieter Schumann für die DEFA.
Der Film begleitet Feeling B, Silly und Sandow durch die Provinz der späten DDR. Ein raues Roadmovie über eine Jugend, die sich mit Verstärkern gegen die Enge wehrte, und eines der letzten großen Zeitdokumente vor dem Mauerfall.
Zum Gespräch kommen Regisseur Schumann und Kai-Uwe Kohlschmidt von der Band Sandow. Moderiert wird von der Filmwissenschaftlerin Cornelia Klauß.
Zwischen 17.45 und 19.30 Uhr läuft an diesem Abend eine Beratung zur Einsicht in die Stasi-Unterlagen. Wer wissen will, ob es eine Akte über ihn gibt, kann dort direkt fragen.
Silly auf einer Fernsehbühne der DDR: Die Band ist eine von drei Gruppen, die der DEFA-Dokumentarfilm „Flüstern und Schreien“ begleitet. Er läuft am 25. August im Campus-Kino. (Archivbild)
© Imago
Zum Abschluss am 27. August läuft „Good Bye, Lenin!“, Wolfgang Beckers Tragikomödie von 2003 mit Katrin Sass und Daniel Brühl.
Ein Sohn baut seiner Mutter im Wohnzimmer eine DDR nach, die es längst nicht mehr gibt. Gezeigt wird das ausgerechnet dort, wo die Staatssicherheit die echte DDR zusammenhalten sollte.
Zum Abschluss kommen die drei Veranstalter noch einmal auf die Bühne, moderiert von der Historikerin Daniela Münkel.
Für Familien gibt es am selben Tag um 16 Uhr den Kinderfilm „Der Pfad". Schon an diesem Donnerstag um 10 Uhr läuft im Kinder-Campus-Kino „Dounia und die Prinzessin von Aleppo“.
Daniel Brühl als Alex in „Good Bye, Lenin!“: Am 27. August beendet Wolfgang Beckers Tragikomödie das Campus-Kino in der ehemaligen Stasi-Zentrale.
© Imago
Alle vier verbleibenden Abende beginnen um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Nur für die Führungen im Vorprogramm ist eine Anmeldung nötig.
Die Zahl der Sitzplätze ist begrenzt und nicht reservierbar. Wer sicher sitzen will, bringt eine eigene Sitzgelegenheit mit. Snacks und Getränke gibt es vor Ort. Ausfallen kann der Abend praktisch nicht, gespielt wird auch bei Regen.
Adresse ist die Ruschestraße 103 in 10365 Berlin. Der U-Bahnhof Magdalenenstraße der Linie U5 liegt rund 300 Meter entfernt, vom Alexanderplatz sind es etwa zehn Minuten Fahrt.
Ein Hinweis noch: Während der Abende werden Fotos und Filmaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Wer nicht darauf erscheinen möchte, kann das vor Ort ansprechen.
Wie stark die Kulisse zieht, zeigte der 13. August. Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus lief die Dokumentation „Tunnel der Freiheit“ über den 135 Meter langen Gang, durch den 1962 insgesamt 29 Menschen aus Ost-Berlin flohen.
Fünf Tage später stand Udo Lindenberg im Mittelpunkt. Die Dokumentation „Die Akte Lindenberg“ erzählt vom Verhältnis des Musikers zur DDR-Führung und von seinem Auftritt 1983 im Palast der Republik.
In den Häusern rund um den Kinohof liegen bis heute die Akten, die genau solche Vorgänge festhielten. Im Haus 1 sind die Diensträume von Stasi-Minister Erich Mielke erhalten, dort befindet sich das Stasimuseum.
Veranstaltet wird die Reihe vom Bundesarchiv mit seinem Stasi-Unterlagen-Archiv, dem Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Robert-Havemann-Gesellschaft. Beteiligt sind außerdem das Stasimuseum, die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft und das Bürgerkomitee 15. Januar.
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