Der Sächsische Weinbauverband erwartet in diesem Jahr einen Ertrag von 2,6 Millionen Litern Wein. Das ist überdurchschnittlich viel und dem Regen bis in den Juni hinein zu verdanken.
Die Ernte beginnt im Paradies und das liegt in der Radebeuler Jägerhofstraße. Traditionsgemäß wird die Weinlesesaison auf Rebflächen des Staatsweingutes Schloss Wackerbarth eröffnet.
Am Donnerstag, 20.8., ist es wieder soweit: Zuerst werden die Trauben des Goldrieslings gelesen. Danach folgt die Sorte Solaris, aus dem Schloss Wackerbarth seinen sächsischen Federweißer keltert. Der junge Wein wird bereits in gut einer Woche beim Tag des offenen Weingutes verköstigt.
2026 ist ein gutes Weinjahr für die Winzer, sagt Felix Hößelbarth, der Vorsitzende des Sächsischen Weinbauverbandes. In ihm organisieren sich zahlreiche Weingüter, Winzergenossenschaften wie die Winzergenossenschaft Meißen und Weinbaugemeinschaften.
Die ostdeutschen Weingüter in Sachsen und im Saale-Unstrut-Gebiet profitieren von den Regenfällen bis in den Juni hinein. In der Folge belastet die Trockenheit die Erträge weit weniger als in den westlichen Bundesländern. Dort werden massive Einbußen erwartet.
Die Beeren sind auch in Sachsen in diesem Jahr deutlich kleiner. Dafür versprechen die vielen Sonnentage sehr aromatische Weine. „Und die Regenfälle der letzten Tage kamen gerade noch rechtzeitig. Sie werden vor allem den spätreifenden Sorten helfen“, sagt Hößelbarth.
Er meldet an das Deutsche Weinbauinstitut die zu erwartende Erntemenge. 2,6 Millionen Liter sächsischer Wein werden es am Ende wohl sein. „Das sind zehn Prozent weniger als 2025, aber immer noch deutlich über dem Durchschnitt“, so Hößelbarth, der seit November 2025 auch die Geschäftsführung des Bioweingutes Hoflößnitz übernommen hat.
Möglich machen das auch neue Anbaumethoden und Rebsorten. „Unsere Winzer stellen sich auf die Klimaveränderungen ein“, so der Verbandschef. Tröpfchenbewässerung sei bei der Neuanlage eines Weinberges mittlerweile Standard und nicht mehr die Ausnahme.
Die Weinlese ist das eine, die Vermarkung das andere. Letztere wird immer schwieriger. Man spüre schon eine deutliche Kaufzurückhaltung der Kunden. Entsprechend ordere der Handel weniger. Und auch in der Gastronomie werde weniger konsumiert. Die Winzer in Sachsen seien dabei noch in der komfortablen Lage, dass Angebot und Nachfrage einigermaßen gleich groß sind, so Hößelbarth.
Eine immer wichtigere Rolle spiele die Direktvermarktung. Bei Wein- und Hoffesten steigen nicht nur die Besucherzahlen, sondern auch die Umsätze. Das lässt hoffen für die anstehenden Tage des offenen Weingutes am 29. und 30. August 2026 sowie die Weinfeste in Radebeul und Meißen vom 18. bis 20. September 2026.
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