Der 1. FC Union Berlin darf die neue Saison mit einem Heimspiel gegen den FC Bayern eröffnen. Marie-Louise Eta erlebt bei ihrem Debüt gleich einen Rekord.
Kaum ein Team war in der vergangenen Saison so nah dran, den FC Bayern München zu bezwingen, wie der 1. FC Union Berlin. Unions Shootingstar der Rückrunde, Lia Kamber, hatte die Eisernen eine Viertelstunde vor Schluss zum Ausgleich geschossen und einen Moment lang lag ein Gefühl im Stadion An der Alten Försterei, das die Fans an eine Überraschung glauben ließ.
Über 13.000 Menschen waren zu der Partie gekommen. Und in diesem Augenblick glaubten sie wohl tatsächlich daran, dass ihr Team den Bayerinnen ihre erste Niederlage der Bundesligasaison einschenken könnte.
Ein Glaube, der sieben Minuten später Geschichte war. Giulia Gwinn schoss das Siegtor für den FCB, der nach dem Spiel als Meister feststand und die Saison ungeschlagen beendete.
Nun, vier Monate später, kehren die Meisterinnen zurück nach Köpenick und eröffnen am Freitag zu der ungewöhnlichen Anstoßzeit um 18.20 Uhr zu Gast bei Union Berlin die neue Bundesligasaison.
Allzu sehr an die Partie im Frühling möchte Unions neue Trainerin Marie-Louise Eta vor dem erneuten Aufeinandertreffen aber nicht denken. „Es wird ein ganz anderes Spiel“, sagte sie am Mittwoch auf der Pressekonferenz vor dem Duell und dürfte damit in vielen Belangen recht haben.
Insbesondere weil eben nicht mehr Vorgängerin Ailien Poese an der Seitenlinie steht, sondern Marie-Louise Eta das Amt als Cheftrainerin des Unioner Frauenteams übernommen hat.
Sie hatte zum Ende der Vorsaison noch die Männermannschaft zum Klassenerhalt geführt und dabei Fußball spielen lassen, der vielen Zuschauern so viel Freude bereitet hatte, dass sie Eta gerne bei den Männern behalten hätten.
Die Trainerin selbst aber hatte sich längst mit ihrer ehemaligen Mitspielerin und Union-Geschäftsführerin Jennifer Zietz auf das Amt bei den Frauen geeinigt und freut sich, dass sie dort nun wieder ihre Qualitäten als Trainerin zeigen darf. „Ich kann es nicht erwarten, dass es endlich losgeht und endlich um Punkte geht“, sagte sie.
Zur Vorbereitung auf den schwerstmöglichen Gegner in der Bundesliga reiste ihr Team in der vergangenen Woche nach Frankreich, wo Paris Saint-Germain die Eisernen empfing. Die Generalprobe am Eiffelturm entschied Union mit 3:1 für sich – ein Ergebnis, das Mut macht für den Auftakt am Freitag.
Eine weitere Veränderung in Köpenick zeigte dort bereits ihre Wirkung. Gleich vier der fünf Sommerzugänge standen in Paris in der Startelf und bewiesen, dass sie die Qualität in Etas Team erhöhen.
Rechtsverteidigerin Jill Janssens verstärkt die rechte Defensivseite, die beiden Nationalspielerinnen Jella Veit und Lisanne Gräwe verbessern das Zentrum und im Angriff sorgt Leela Egli für mehr Gefahr. „Sie sind auf und neben dem Platz eine Bereicherung für uns“, lobte Eta die Neuen.
Gut möglich ist, dass alle vier auch gegen den FC Bayern in der Startelf stehen und ihre Pflichtspieldebüts für Union Berlin feiern werden. Aber nicht nur sie werden sehnsuchtsvoll auf den Auftakt blicken.
Wenn ihre Trainerin nämlich davon spricht, „große Vorfreude auf die Saison, auf das Spiel“ zu haben, dann gelten diese Worte offenbar auch für die Fans. „Wir wollen die Bayern mit hoffentlich vielen Fans im Rücken ärgern“, kündigte Eta an.
Tatsächlich haben bereits annähernd 15.000 Fans Tickets für den Saisonstart gekauft. Damit steht bereits einen Tag vor dem Spiel gegen die Bayern fest, dass die Unionerinnen ihren eigenen Publikumsrekord brechen werden.
Im letzten Spiel der Zweiten Liga waren 20.132 Fans im Stadion An der Alten Försterei.
© Nordphoto / Engler/ Imago
Das letzte Heimspiel der Vorsaison gegen die TSG Hoffenheim, mit dem sich Ailien Poese als Trainerin verabschiedet hatte, war bisher das Bundesligaspiel, zu dem die meisten Fans in die Alte Försterei kamen. Die Marke von damals 13.897 Zuschauern und Zuschauerinnen hat der Verein mit den Ticketverkäufen für das Bayern-Spiel am Freitag bereits geknackt.
Allzeit-Rekord in BlickweiteEinen Rekord gibt es aber noch zu brechen: Beim letzten Spiel in der Zweiten Liga waren 20.132 Fans im Stadion An der Alten Försterei und feierten gemeinsam den Aufstieg und die Meisterschaft in der zweithöchsten deutschen Spielklasse.
Diese Marke zu knacken und idealerweise vor ausverkauftem Haus zu spielen, wäre ein Zeichen an Fußballdeutschland und ein Ziel, das zumindest annähernd erreicht werden könnte.
Schließlich könnten die Umstände kaum besser sein: Die Männer spielen erst am Sonntag, die Fans müssen sich also nicht zwischen den beiden Teams entscheiden. Am frühen Freitagabend können wohl auch noch Familien mit Kindern ins Stadion kommen. Und auch das Wetter spielt mit und lädt bei angesagten 25 Grad Celsius zum Fußballschauen ein.
Die besondere Kulisse wird sich sicher auch auf die Leistung auf dem Platz auswirken. So oder so scheint sich Eta aber nicht allzu sehr vor dem Gegner zu fürchten. „Wir wissen, was auf uns zukommt, aber wir haben uns gut vorbereitet.“
Eine letzte gute Nachricht noch für Union-Fans: Lia Kamber, die Torschützin aus dem vorherigen Bayernspiel im April, zeigte sich bereits in Torlaune und traf gegen Paris doppelt.
Die Topspielerin ist also in Form, die Neuzugänge sind angekommen, die neue Trainerin sowieso und die Fans haben Lust: Alles ist angerichtet für das erste Fußballfest der neuen Saison im Stadion An der Alten Försterei.
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