Angelo Stiller ist der Mittelfeld-Stratege des VfB Stuttgart. Mit den Kinderreportern Simon und Alexander sprach er über Toni-Kroos-Vergleiche, Wechselgerüchte und seine WM-Chancen.
Stiller: Müsstet ihr jetzt nicht eigentlich in der Schule sein?
DEIN SPIEGEL: Wir wurden für das Interview befreit.
Stiller: Haha, verstehe. Aber, Jungs: Schule ist wichtig.
DEIN SPIEGEL: Was wärst du denn geworden, wenn es mit dem Profifußball nicht geklappt hätte?
Stiller: Dartprofi vielleicht? Oder irgendwas mit Finanzen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Für mich gab es immer nur Plan A, und zwar Fußball.
DEIN SPIEGEL: Du hast am FC-Bayern-Campus das Fußballspielen gelernt. Welcher Bayern-Profi hat dich am meisten beeindruckt?
Stiller: Als ich schon aus der Jugend raus war, durfte ich ein paarmal mit Thiago Alcântara trainieren. Der spielt auch auf meiner Position und hat im Training alle überragt. Dabei hat Bayern ja ohnehin schon eine Weltklassemannschaft.
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Das Interview mit Angelo Stiller, 25, fand an einem Ort statt, den nur Ausgewählte betreten dürfen: in der VfB-Mannschaftskabine.
Foto: Eva-Maria Gebhardt / DEIN SPIEGELDEIN SPIEGEL: In der Jugend hast du im offensiven Mittelfeld gespielt. Jetzt spielst du auf der Sechs, also im defensiven Mittelfeld. Wie kam es zum Wechsel?
Stiller: Unser Defensivspieler hat sich damals verletzt, und mein Trainer fragte, ob ich übernehmen kann. Anfangs musste ich mich schon damit anfreunden. Eigentlich wollte ich ja vorn Tore schießen. Mittlerweile würde ich die Sechs aber als meine Lieblingsposition bezeichnen: Ich kann dort meine Stärken ausspielen, habe die meisten Aktionen, bin das Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff.
DEIN SPIEGEL: Hast du eine Routine vor dem Spiel?
Stiller: Ich ziehe meinen linken Schienbeinschoner und meinen linken Schuh immer als Erstes an, weil das mein starker Fuß ist. Und ich trinke immer einen Energy-Drink vor einem Spiel. Hier in der Kabine gibt es dann oft noch eine Ansprache vom Trainer. Der findet immer die richtigen Worte. Und mein Mitspieler Jamie Leweling ist unser DJ. Der legt meistens US- oder Deutsch-Rap auf.
DEIN SPIEGEL: Wie hat es sich angefühlt, als ihr im vergangenen Jahr den DFB-Pokal gewonnen habt?
Stiller: Als kleines Kind habe ich oft auf dem Bolzplatz solche wichtigen Spiele nachgespielt und so getan, als würde ich einen Pokal hochhalten. In Wirklichkeit fühlte es sich noch schöner an. Ich hatte 30 Tickets für das Finale, die ganze Familie kam nach Berlin und hat den Sieg mit mir feiern können. Meine Verwandten auf der Tribüne so stolz zu sehen, war sehr emotional für mich.
Im vergangenen Jahr gewann der VfB Stuttgart den DFB-Pokal. Stiller hatte maßgeblichen Anteil daran. Im Finale war er an drei von vier Stuttgarter Toren beteiligt.
Foto: Franziska Krauf / Sportfoto Rudel / IMAGODEIN SPIEGEL: Wen hast du als Erstes informiert, als du das erste Mal für die Nationalmannschaft nominiert wurdest?
Stiller: Ich habe direkt meinen Vater angerufen, weil er mich von Anfang an begleitet hat. Er hat mich immer zum Training gefahren und abgeholt, war bei jedem Spiel, jedem Turnier dabei.
DEIN SPIEGEL: Zu den Länderspielen im März wurdest du erst nicht eingeladen. Dann verletzten sich Felix Nmecha und Aleksandar Pavlović, und du standest in beiden Spielen sogar in der Startelf. Wie schätzt du nun deine WM-Chancen ein?
Stiller: Ich habe nur eine einzige Aufgabe: mich beim VfB Stuttgart Woche für Woche, Spiel für Spiel bestmöglich zu zeigen. Nicht reden, sondern machen. Und dann werden wir sehen, wie sich der Bundestrainer entscheidet.
Ob Stiller (zweiter von links) bei der kommenden Weltmeisterschaft das Trikot der Nationalelf tragen wird, ist fraglich. Auf seiner Position hat er viel Konkurrenz.
Foto: Christian Charisius / dpaDEIN SPIEGEL: Dein Marktwert liegt angeblich bei 45 Millionen Euro. Was denkst du, wenn du so was liest?
Stiller: Als Fußballer lernt man früh, dass sich die Leistung im Marktwert widerspiegelt. Deswegen ist es natürlich etwas Schönes, dass mein Marktwert in den letzten Jahren immer weiter gestiegen ist. 45 Millionen sind ja nicht gerade wenig.
DEIN SPIEGEL: Stimmt das Gerücht, dass dich Real Madrid verpflichten will?
Stiller: Das weiß ich nicht. Da müsst ihr meinen Berater fragen. Ich konzentriere mich darauf, was auf dem Platz passiert.
DEIN SPIEGEL: Wer ist dein Traumverein?
Stiller: Arsenal London finde ich schon sehr geil. Eines meiner ersten Trikots war ein weinrotes Henry-Trikot. Das gab es für ein paar Euro auf einem türkischen Basar. Das war kein echtes. Seitdem mag ich Arsenal sehr gern. Aber klar: Da ich aus München komme, ist auch der FC Bayern ein besonderer Verein für mich.
Nach dem Interview zeigte Stiller den Kinderreportern den Innenraum der MHP-Arena.
Foto: Eva-Maria Gebhardt / DEIN SPIEGEL
Später ging es auf den Trainingsplatz – zum Kicken mit VfB-Maskottchen Fritzle.
Foto: Eva-Maria Gebhardt / DEIN SPIEGELDEIN SPIEGEL: »Angelo Stiller, der neue Toni Kroos« – kannst du den Vergleich noch hören?
Stiller: Ja und nein. Einerseits ist Toni einer der größten deutschen Spieler aller Zeiten, hat alles erreicht, was man gewinnen kann. Deshalb ist es schön, mit ihm verglichen zu werden. Andererseits: Ich bin Angelo Stiller, und ich will meine eigene Geschichte schreiben.
DEIN SPIEGEL: Wer ist der beste Trainer, der dich je trainiert hat?
Stiller: Sebastian Hoeneß. Er hat mich schon bei Bayern II, in Hoffenheim und jetzt beim VfB trainiert. Er hat mich nicht nur auf dem Platz, sondern auch als Mensch geprägt. Damals, mit 16, war ich sehr pubertär. Ich wusste noch nicht so richtig, wie ich mich verhalten soll. Sebastian Hoeneß hat mir einen Weg aufgezeigt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.
Sebastian Hoeneß (links) hat Stiller bereits als junges Talent bei den Bayern trainiert, dann in Hoffenheim und nun in Stuttgart.
Foto: Alexander Keppler / Pressefoto Baumann / IMAGODEIN SPIEGEL: Welcher Gegenstand aus der Fußballwelt hat für dich den größten emotionalen Wert?
Stiller: Mein erstes Paar Fußballschuhe: »Predator« von Adidas waren das. Damit hat alles angefangen. Meine Eltern haben die aufgehoben. Jetzt liegen die bei mir zu Hause in meiner Zockerecke. Da sehe ich sie eigentlich jeden Tag – weil ich häufig zocke.
DEIN SPIEGEL: Welche Games denn?
Stiller: Ich habe lange »Fortnite« gespielt, aber da bin ich jetzt ausgestiegen. Jetzt zocke ich auch gern Sportspiele: Basketball, Football oder halt »Fifa«.
DEIN SPIEGEL: Wie zufrieden bist du mit deinen »Fifa«-Werten ?
Stiller: Boah, gar nicht. Ich bin jetzt nicht der Schnellste. Aber Tempo 56? Das ist schon ein bisschen dürftig. Da will doch keiner mit mir spielen. Dafür ist mein Dribbling-Wert fast etwas zu hoch angesetzt.
Die Kinderreporter: Simon, 11, (rechts) spielt Schlagzeug, Tischtennis, Tennis und Fußball. Beim SV Schemmerhofen ist er linker Verteidiger. Alexander, 10, spielt Hockey und Fußball. Für die SG Gernsbach/Obertsrot/Staufenberg kickt er in der Defensive.
Foto: Eva-Maria Gebhardt / DEIN SPIEGEL
Im Mannschaftsbus des VfB fuhren die Kinderreporter zum Trainingsgelände. Alexander (rechts) saß dort, wo normaler-weise Angelo Stiller Platz nimmt.
Foto: Eva-Maria Gebhardt / DEIN SPIEGELDEIN SPIEGEL: Apropos Videospiele. Du hast mal in einem Interview gesagt, dass du dich nicht als Mario, sondern eher als Luigi fühlst. Warum?
Stiller: Alle wollen immer Mario nehmen. Ich sehe mich aber eher als Luigi, weil ich nie so gehypt war. Für mich war nie wichtig, dass ich selbst glänze. Wenn ein anderer ein Tor schießt und ich ihm dabei helfen konnte – dann ist mein Job erledigt, und ich bin glücklich.
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