Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl erzählt, wie die Pferde ihr Leben prägten.
Aubenhausen (Bayern) – Es gibt Menschen, bei denen man nach wenigen Minuten versteht, dass Erfolg nicht das Interessanteste an ihnen ist. Jessica von Bredow-Werndl hat vier olympische Goldmedaillen gewonnen. Zweimal in Tokio, zweimal in Paris, jeweils im Einzel und mit der deutschen Mannschaft. Sie hat mit ihrer Wunderstute Dalera fast alles gewonnen, was man im Dressurreiten gewinnen kann. Aber als BILD sie fragt, was ihr größter Erfolg im Leben ist, muss sie keine Sekunde überlegen. „Meine Kinder. Ich bin erst richtig erfolgreich geworden als Mama.“
Wir sitzen auf Gut Aubenhausen bei Rosenheim. Hier lebt Jessica von Bredow-Werndl mit ihrem Mann Max (46), ihren Kindern (9 und 4), ihren Eltern, ihrem Bruder Benjamin (42), ebenfalls erfolgreicher Dressurreiter, und dessen Familie. Rundherum: Wiesen, Ställe, Pferde, ein See, eine eigene Rennbahn. Dazu rund 25 Mitarbeiter. Ein kleines Dorf, ein Familienunternehmen und ein Paradies, das die 40-Jährige nur ungern länger verlässt. Machen Sie Urlaub? „Schon. Aber nicht lang.“ Was bedeutet nicht lang? „Vier, fünf Tage. Das reicht. Dann zieht es mich zurück.“
Jessica von Bredow-Werndl als Kind – ohne Pferd, dafür mit zwei Zöpfen
Man muss diesen Ort sehen, um zu verstehen, wie Jessica von Bredow-Werndl wurde, was sie heute ist. Denn hier steckt fast alles, was ihr Leben ausmacht: Pferde, Familie, Freiheit. Aber auch Verantwortung, Arbeit, Ehrgeiz, Verlust. Als die Kleine vier Jahre alt war, beschloss sie, kein Fleisch mehr zu essen. Warum? „Ich war total tierverrückt.“
Als Vierjährige begann Jessica von Bredow-Werndl zu reiten
Ihre Mutter war selbst ein Pferdemädchen. „Sie durfte diese Leidenschaft als Jugendliche aber nicht so ausleben, wie sie wollte. Sie sollte Skirennfahrerin werden und war darin erfolgreich“, erinnert sich „Jessi“, so ihr Spitzname. Als ihr anderthalb Jahre älterer Bruder und sie aus dem Kleinkindalter heraus waren, kamen die Pferde zurück ins Familienleben.
„Die Pferde haben sich mein Leid angehört“„Für mich war jeder Tag quasi ein Wartetag, bis ich wieder zum Pferd durfte.“ Sie strahlt. „Ich war ein schüchternes Kind. Mit Tieren habe ich mich sicher gefühlt, weil ich nicht so in die Kommunikation nach außen gehen musste. Ich bin sehr sensibel. Wenn ich traurig war oder mit einer schlechten Note nach Hause kam, verschwand ich im Stall und habe mich in die Box gesetzt. Danach ging es mir besser. Die Pferde haben sich mein Leid angehört. Sie waren wie Therapeuten für mich. Bis heute ist der Geruch meiner Kindheit Pferd und Heu.“
Starke Familie: Jessica von Bredow-Werndl mit ihren Eltern Micaela und Klaus Werndl sowie ihrem Bruder, dem Dressurreiter Benjamin Werndl (42), und ihrem Pferd Daily Mirror
Aubenhausen bedeutet für sie Freiheit. „Mein Bruder und ich durften draußen herumstreunen, Hütten bauen, mit Ponys spielen. Wir wurden einfach freigelassen. Und das war toll.“ Natürlich war auch dieses Geschwisteridyll nicht immer harmonisch. „Benjamin hat meinen Barbie-Pferden die Haare abgeschnitten. Da flossen viele Tränen.“ Heute betreiben die Geschwister Aubenhausen gemeinsam. „Wir wissen, dass wir zusammen viel besser sind.“
Dank kleiner Hilfe auf Augenhöhe mit Stute Times Kismet: BILD-Showchefin Tanja May besuchte Jessica von Bredow-Werndl auf Gut Aubenhausen bei Rosenheim
Von ihren Eltern bekommt Jessica etwas mit, das später entscheidend wird. Vom Vater den Ehrgeiz. „Mein Papa hat immer gesagt: Ich bin ein Unternehmer, kein Unterlasser.“ Von der Mutter einen Satz fürs Leben, der sie wahrscheinlich auch zu ihren Goldmedaillen führt: „Egal, wie es läuft, ich liebe dich trotzdem.“ Jessica lächelt. „Ein Kind lernt so etwas ganz Wichtiges: Mein Wert hängt nicht davon ab, ob ich gewinne. Das gibt dir ein gewaltiges Urvertrauen.“
Jessicas Vorbild als Kind war Isabell WerthAls Zehnjährige sieht Jessica im Fernsehen Isabell Werth bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Werth gewinnt Gold. „Meine Eltern erzählen immer, ich hätte damals gesagt: Das will ich auch schaffen.“ Später gibt es ein Foto: Isabell Werth, der Superstar, und daneben die elf- oder zwölfjährige Jessica. „Ich war das strahlende Fangirl.“ Viele Jahre danach stehen beide gemeinsam für Deutschland bei Olympia auf dem Podium, zuletzt bei Olympia in Paris.
Jessica von Bredow-Werndl gewann bei Olympia 2020 und 2024 auf Dalera insgesamt viermal olympisches Gold
Mit 16 schaffte Jessica es zu den Junioren-Europameisterschaften. Zum ersten Mal dachte sie: „Vielleicht kann ich daraus tatsächlich meinen Beruf machen.“ Sie erzählt: „Unsere Eltern unterstützten Benjamin und mich. Aber sie pushten uns nicht.“ Nach den Erfolgen in der Jugend folgte eine jahrelange Durststrecke. „Sechs, sieben Jahre habe ich nichts mehr gewonnen. Das war hart.“ Jessica studierte Marketing und Kommunikation, machte eine Ausbildung zur Ernährungstrainerin, leitete ein Fitnessstudio. Gleichzeitig waren da die Pferde.
Mitte 20 stand sie an einer Weggabelung. „Gesundheit und Fitness? Oder noch einmal Pferde? Ein Coach stellte mir die entscheidenden Fragen“, erzählt sie. „Damals schloss ich mit mir selbst einen Pakt: Wenn ich es bis zu meinem 30. Geburtstag im Reitsport nicht dorthin geschafft habe, wo ich hinwill, kann ich immer noch etwas anderes machen.“ Und gerade diese Sicherheit schenkte ihr Freiheit. „Erst als ich mich voll committed hatte, mich noch mal ganz auf die Pferde zu konzentrieren, wurde ich erfolgreich.“
Olympia 2024: Die deutschen Reiterinnen Jessica von Bredow-Werndl (M.) und Isabell Werth (57, l.) mit ihrer Gold- und Silbermedaille sowie die Britin Charlotte Fry (30)
Ihr Leitspruch damals: „Wenn ich eine der Besten werden will, muss ich mich mit den Besten messen. Bei den ersten Turnieren wurde ich Achte, Neunte, Zehnte. Ich freute mich über Platzierungen, analysierte Videos der Besten, verglich, tüftelte, trainierte. Ich bin immer besser geworden.“ Ihre Augen leuchten: „Dann kam meine Stute Dalera.“ Und aus der erfolgreichen Dressurreiterin wird die beste der Welt.
Sie trägt die olympischen Ringe am HandgelenkAn ihrem rechten Handgelenk trägt Jessica die olympischen Ringe als Tattoo. Eine Wette mit ihrem Personaltrainer: Sollte sie in Paris wieder Doppel-Gold gewinnen, lässt sie sich tätowieren. Sie gewann. Und löste ihre Wettschuld ein. Vor Olympia in Tokio fragt sie sich: Was passiert im besten Fall? Und was im schlimmsten? Die Antwort ist erstaunlich beruhigend. „Die Liebe meiner Familie, meiner Kinder, bleibt – auch ohne Medaillen. Denen ist völlig wurscht, ob ich Erste oder Letzte werde. Hauptsache, die Mama kommt wieder nach Hause.“
Die olympischen Ringe trägt Jessica von Bredow-Werndl auch als Tattoo
Ihren Mann lernte sie mit 23 bei einem Studentenreiterball kennen, zu dem sie eigentlich nur einem Tierarzt zuliebe ging. „Ich war nie eine, die sich sofort auf einen Typen eingelassen hat. Ich habe mir den schon erst mal genauer angeschaut. Aber ziemlich schnell wusste ich: Das könnte einer fürs Leben sein. Ich bin heute sehr dankbar, so einen Partner an meiner Seite zu haben, mit dem man über alles sprechen und trotzdem so viel Spaß haben kann.“
Später erfährt sie, dass Max schon vorher ein Titelbild von ihr aus einer Pferdezeitschrift in seinem Spind hängen hatte. Jessica lacht. „Er hatte manifestiert, dass ich in sein Leben komme.“
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Батутистка Бладцева рассказала, как на нее повлияла Олимпиада в Париже | 0 | 0 | 16-08-2025 |
| 2 | Участница Паралимпиады всадница Полякова: "Лошадь меня сломала, лошадь и вернула к жизни" | 0 | 0 | 27-08-2021 |
| 3 | Борец Воробьева после неудачи в Токио поблагодарила судьбу за проделанный путь в спорте | 0 | 0 | 02-08-2021 |
| 4 | Мария Ласицкене: слышу "олимпийская чемпионка" и все еще думаю, что обращаются к другому | 0 | 0 | 14-09-2021 |
| 5 | Фигуристка Горбачева рассказала о первых успехах в конном спорте | 0 | 0 | 14-03-2025 |
| 6 | Сидорова объяснила слезы после олимпийского серебра на Играх в Токио | 0 | 0 | 05-08-2021 |
| 7 | Тренер Сидоровой: спортсменка выиграла серебро Олимпиады за счет морально-волевых качеств | 0 | 0 | 05-08-2021 |
| 8 | Теннисистка Веснина поделилась впечатлениями от выступления на Олимпиаде без флага и гимна | 0 | 0 | 06-08-2021 |
| 9 | Олимпийская чемпионка Щербакова рассказала о самом сложном периоде в карьере | 0 | 0 | 23-07-2022 |
| 10 | Wem kann Athina noch trauen? - Die letzte, einsame Onassis! | 0 | 8.26 | 22-08-2026 |