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Cedric Itten über Lockrufe aus Saudi-Arabien und den Füllkrug-Transfer

Дата публикации: 21-08-2026 18:09:23

Kurz nach der WM wechselte Cedric Itten ablösefrei zu Werder Bremen. Er berichtet von zahlreichen Angeboten aus Saudi-Arabien und erklärt, warum er sich dennoch für die Bundesliga entschied.

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Das Lachen ist Cedric Itten noch nicht vergangen. Jedenfalls präsentiert sich der neue Stürmer des SV Werder Bremen bestens aufgelegt beim Interviewtermin mit unserer Deichstube. Aber natürlich hat sich die Situation des Schweizers grundlegend verändert, seitdem der Bundesligist unter der Woche nicht nur irgendeinen Angreifer, sondern Niclas Füllkrug zurückgeholt hat. Der 29-jährige Itten spricht über seine Gedanken zur Rückholaktion, Aufbauhilfe für den verletzten Keke Topp und er verrät, warum er im Sommer nicht den Lockrufen aus Saudi-Arabien erlegen ist.

Herr Itten, in der Werder-Familie ist die Freude aktuell vielerorts sehr groß, dass Niclas Füllkrug wieder da ist. Wie ist Ihre Reaktion auf den Transfer ausgefallen?
Mir wurde von Anfang an kommuniziert, dass wir mit zwei neuen Stürmen in die Saison gehen würden. Niclas ist ein Topspieler, von dem ich nochmal viel lernen kann. Ich hatte auch bereits einige gute Gespräche mit ihm, wir haben zum Beispiel über die ganzen Schweizer geredet, die mit ihm bei Milan waren. Wir beide haben auch den Vorteil, dass wir in einem System mit zwei Spitzen agieren können – Niclas hat das hier ja auch schon mit Marvin Ducksch sehr erfolgreich praktiziert.

Also ist Ihre bevorzugte Formation jetzt ein 4-4-2 mit zwei ordentlichen Schränken in der Spitze?
(grinst) Das entscheidet am Ende der Trainer, aber es ist definitiv ein Vorteil, dass wir das beide beherrschen.

Hätte es aus Ihrer Sicht nicht trotzdem einfach nur ein „normaler“ Sturmkonkurrent sein können und nicht ein Mann, der hier einen ganz besonderen Status genießt?
Wir spielen hier in der Bundesliga, sind auf einem Top-Level unterwegs – da ist es ganz normal, dass es auf deiner Position noch andere sehr gute Spieler gibt. Niclas hat bei Werder eine unglaubliche Zeit gehabt, für uns insgesamt kann es nur gut sein, einen Stürmer mit solchen Qualitäten in der Mannschaft zu haben. Davon kann jeder Einzelne nur profitieren.

Seit ein paar Wochen sind Sie inzwischen bei Werder – sind Sie schon so richtig angekommen, wie es immer so gern heißt?
Alles ist noch ein wenig neu, es braucht seinen Moment, bis alles erledigt ist. Die Wohnung, der Umzug, das ganze Drumherum. Aber wenn die ersten zwei, drei Wochen geschafft sind, wird vieles einfacher. Jeder Tag ist gut für mich, weil man die anderen Jungs einfach besser kennenlernt. Während eines Trainingslagers wie in Harsewinkel trifft man auch mal auf sie, wenn sie abends müde sind. Das schafft eine enorme Bindung.

Haben Sie schon jemanden ausgemacht, dessen Spielweise Ihnen besonders zugutekommt?
Da gibt es viele. Marco Friedl weiß zum Beispiel ganz genau, wie er den Ball in die Mitte spielen muss, wenn ich dort auftauche. Dazu haben wir unter anderem mit Mitchell Weiser oder Olivier Deman Jungs, die richtig starke Flanken schlagen können. Das sind alles Abläufe, die für einen Stürmer wie mich eminent wichtig sind. Mittlerweile funktioniert das immer besser und man merkt, wie man vorankommt.

Passt es ganz gut, dass im Pokal zunächst „nur“ ein Fünftligist als Gegner wartet und die richtig harte Prüfung noch eine Woche auf sich warten lässt?
Es ist schon ein Vorteil, dass nicht direkt ein höherklassiger Gegner auf uns wartet. Aber trotzdem gibt es Gefahren, wir dürfen dieses Spiel keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. In der Vergangenheit hat es im Pokal schon oft Überraschungen gegeben. Es ist wichtig, dass wir gut starten, um dann auch mit einem guten Gefühl in die Meisterschaft zu gehen.

In der Liga beginnt Werder beim SC Freiburg – bis in Ihre Heimatstadt Basel ist es von dort nicht weit. Haben Familie und Freunde schon einen Shuttlebus in den Breisgau gemietet?
(lacht) So in etwa sieht es tatsächlich aus. Die Ticketnachfrage bei mir ist riesig, aber ich habe es jetzt erstmal auf zehn Stück beschränkt. Ich wollte es nicht direkt übertreiben. Aber es freut mich sehr, dass sie so mitfiebern.

Ist Basel eigentlich ein Leistungssport-Nest? Sie kommen von dort, kennen Ex-Werder-Profi Milos Veljkovic oder Ihren Nationalmannschaftskollegen Breel Embolo seit der Jugend. Auch andere Spieler kommen von dort. Und dann gibt es da ja noch einen gewissen Roger Federer, der im Tennis die Welt begeistert hat.
Man kann wirklich fast von einem Nest sprechen. In der Fußball-Akademie gab es damals etliche gute Spieler, die später Profis geworden sind. Im Jugendbereich haben wir dominiert, entsprechend viele Spieler waren dann auch bei der Junioren-Nationalmannschaft. Für uns in Basel war es zudem von Vorteil, dass wir eine Kooperation mit dem FC Barcelona hatten. Wir waren ein Mal pro Jahr dort, haben ein Camp gehabt mit vielen spanischen Trainern. Da hat man unheimlich viel gelernt.

Wann war für Sie klar, dass sie es tatsächlich bis zum Profi schaffen?
Es ist wirklich krass, das zu sagen, aber ich habe es schon immer gewusst. Wenn du jünger bist, weißt du, wie weit das eigentlich alles weg und wie gering die Wahrscheinlichkeit ist. Aber ich war dann auch in den Jugend-Nationalmannschaften, war mit 17, 18 Jahren schon Kapitän. Da merkt man dann, dass man zu den Spielern gehört, die ganz nah dran sind.

Und dann kam das einschneidende Erlebnis: 2018 hatten Sie einen Kreuz- und Innenbandriss: Welche Lehren haben Sie für sich daraus gezogen?
Sehr viele. Es war kein klassischer Kreuzbandriss, sondern ich habe mich verletzt, weil mich jemand mit gestrecktem Bein gefoult hat. Es war ein Wunder, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Ich war damals 20 Jahre alt, und da weiß man nie, ob man wirklich noch einmal zurückkommt. Das war unheimlich schwierig – und doch war es irgendwie eine Mega-Zeit. Ich habe damals angefangen, intensiv an meinem Körper zu arbeiten, bin jeden Tag kräftiger und explosiver geworden. Und dann komme ich plötzlich zurück, debütiere drei Monate später in der Nationalelf und erziele direkt ein Tor. Das war unfassbar. Es war ein Tiefpunkt, aus dem ein Höhepunkt geworden ist.

Jetzt spielen Sie bald wieder Bundesliga, waren kürzlich bei der WM dabei. Sind Sie der Beweis, dass es sich lohnt zu träumen?
Ich denke schon. Man kann sehr viel im Leben erreichen, wenn man groß träumt. Die WM, eine EM, das waren immer meine Ziele. Ich habe auch während der Quali wichtige Tore erzielt, aber die Turniere immer aus verschiedenen Gründen verpasst. Bis jetzt. Nun durfte ich dabei sein und war Teil der größten Rolle, die die Schweiz je bei einer Weltmeisterschaft gespielt hat. Das ist etwas, was für immer bleibt.

Haben Sie Ihre Erfahrungen mit der Kreuzbandverletzung auch schon bei Werder an Keke Topp weitergeben können, der ebenfalls noch jung ist und derzeit in der Reha schuftet?
Das habe ich tatsächlich. Als ich ihn hier bei den Physios getroffen habe, habe ich ihm meine Geschichte erzählt und ihm gesagt, dass er jetzt nach drei, vier Monaten das Schlimmste schon hinter sich hat. Dass er bald wieder Sachen machen kann, die einem Fußballer wirklich Spaß machen. Ich habe ihm Mut zugesprochen und gesagt, dass er jetzt jeden Tag einen kleinen Schritt seinem Comeback näherkommt.

Was sagt Ihnen Ihr Gefühl: Wie schwierig wird es für Werder in der neuen Bundesliga-Saison?
Wir haben einen tollen Kader, es wurden nochmal gute Verstärkungen geholt. Die Bundesliga ist enorm stark, letzte Saison hat man gesehen, dass es da Topspieler braucht, um zu bestehen. Und eine Breite im Kader, wenn wichtige Akteure ausfallen. Ich habe ein wirklich gutes Gefühl und glaube auch, dass die Art und Weise, wie der Trainer spielen lassen möchte, gut passt. Wichtig wird der Start sein. Viele sagen immer, dass eine Saison lang ist, aber wenn du gut startest, dann gibt dir das nochmal mehr Schwung für die nächsten Wochen. Erfolge können viel auslösen, auch für die Gruppendynamik.

Welche Rechnung haben Sie persönlich noch mit Deutschlands höchster Spielklasse offen?
Ich habe für mehrere Jahre bei Werder unterschrieben und freue mich extrem auf diese Zeit und auf dieses Level. Ich will hier Tore schießen, Scorer sammeln, wichtig für die Mannschaft sein. Ich will gebraucht werden, Wandspieler für meine Kollegen sein und ihnen auch sonst helfen.

Wie froh waren Sie eigentlich, dass Ihr Wechsel zu Werder während der WM so schnell über die Bühne ging?
Das war mir sehr wichtig, weil ich mich natürlich auf die WM konzentrieren wollte. Ich wollte nicht erst das Turnier abwarten, vielleicht ein Tor erzielen und dann mal schauen, was alles so möglich ist. Bei Werder hatte ich direkt ein gutes Gefühl, habe viel Gutes gehört, wenn ich mich mit früheren Werder-Spielern wie Michael Lang oder Milos Veljkovic ausgetauscht habe. Da war kein Platz mehr für den Gedanken, vielleicht nach Japan oder Saudi-Arabien zu gehen.

Aber es wurde bei Ihnen aus der Wüste angeklopft und mit Geld gelockt?
Ab dem Moment, als ich ablösefrei war, wurde es wirklich verrückt. Mein Berater hat mir irgendwann gesagt, dass sich jeder zweite Anruf bei ihm um mich dreht. Das ist quasi von 0 auf 100 gegangen, da haben einige Vereine angefragt. Ich wollte den sportlichen Weg gehen, unbedingt in die Bundesliga.

Unabhängig vom Wechsel: Wie außergewöhnlich war die Zeit bei der WM denn nun wirklich?
So etwas wie in den vergangenen zwei Monaten habe ich noch nie erlebt und ich glaube auch nicht, dass ich solch eine Intensität noch einmal erleben werde. Es war ein Wechselbad der Gefühle in alle Richtungen.

Wie war die Stimmung nach dem Viertelfinal-Aus gegen Argentinien?
Wir waren alle extrem traurig, denn wir hatten alle das Gefühl, dass wir den Weg bis ganz zum Ende gehen können. Und das ist schon verrückt, wenn du als die Schweiz genau so fühlst und im Flow bist.

Immerhin haben Sie hinterher noch ein Selfie mit Lionel Messi abgestaubt. Ich nehme an, er ist zu Ihnen gekommen und hat Sie darum gebeten, richtig?
(lacht) Genau so war das. Nein Quatsch. Wir haben eine Stunde enttäuscht in der Kabine gesessen und waren mental total müde. Ich bin dann irgendwann raus, um mich ein wenig zu bewegen – und da stand er dann plötzlich fast ganz allein und hat sich mit Roberto Baggio unterhalten. Wenn er dann da so steht, habe ich mir gedacht, können wir auch kurz ein Foto machen.

Von Roberto Baggio haben Sie aber direkt eines mitgemacht?
Nein, die beiden waren erst noch in ihr Gespräch vertieft, da wollte ich auf keinen Fall stören. Als sie dann auseinander sind und ich das Foto mit Lionel Messi gemacht habe, war Baggio dann leider schon weg.

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