Amtsgericht Lichtenberg: Über 24 Stunden ohne Strom. Der Senat listet alle IT- und Stromausfälle Berliner Gerichte und Finanzämter seit 2023 auf.
Über 24 Stunden ohne Strom: Ein Stromausfall legte das Amtsgericht Lichtenberg tagelang lahm – einer von mehreren schweren Ausfällen, mit denen Berlins Justiz und Finanzämter seit zwei Jahren zu kämpfen haben. Das zeigen zwei aktuelle Antworten des Senats auf parlamentarische Anfragen. Von Hackern keine Spur, dafür jede Menge Pleiten, Pech und Pannen mit der eigenen Technik.
Gerichte tagelang im NotbetriebDemnach mussten Justizbehörden tagelang in Notbetrieb arbeiten. So fielen bei Amtsgerichten, Landgerichten und dem Kammergericht die IT- Anmeldung am 10. Juli 2026 von 8.30 bis 10.30 Uhr aus. Ursache war laut Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz ein „fehlerhaft konfiguriertes Skript“.
Am 13. Juli 2026 stand die Betriebsumgebung ab 8 Uhr bis in den späten Nachmittag nur noch rund 200 Nutzern zur Verfügung – ausgelöst durch ein fehlerhaftes Software-Update. Mitarbeitende wichen laut Senat auf einen „Offlinemodus“ aus, in dem sie begrenzt auf elektronische Akten zugreifen und Dokumente lokal erstellen konnten.
Noch gravierender traf es die Behörden am 13. Juli 2026. Von 8 Uhr bis etwa 17.30 Uhr konnten nur rund 200 Justizmitarbeitende die zentrale IT-Betriebsumgebung nutzen. Grund war ein „Software-Update im Bereich der IT-Infrastruktur“ des Dienstleistungszentrums ITDZ.
Wer ausgesperrt war, konnte laut Senat nur eingeschränkt im Notfallbetrieb arbeiten: Möglich blieben allein die lokale Erstellung von Texten und der lesende Zugriff auf zuvor bereits geöffnete elektronische Akten. Reguläre Fachverfahren und die elektronische Akte selbst waren in dieser Zeit nicht produktiv nutzbar.
Die beiden Juli-Störungen reihen sich in eine längere Pannenserie ein. Seit Januar 2024 zählte die Justizverwaltung sieben Ausfälle der Gebäudetechnik – meist Stromausfälle an einzelnen Amtsgerichten. Lichtenberg war gleich zweimal betroffen, zuletzt im Oktober 2025 mit einem Ausfall von über 24 Stunden, außerdem Charlottenburg, Pankow, Wedding und Tiergarten mit Ausfallzeiten zwischen 41 Minuten und knapp 15 Stunden.

Das Amtsgericht Lichtenberg: Hier fiel über 24 Stunden der Strom aus.Jürgen Ritter/imago
Hinzu kamen 14 Störungen der IT-Infrastruktur mit ganz unterschiedlichen Ursachen: ein Lizenzierungsproblem und eine Lizenzserver-Störung 2024, eine gestörte Datenbankverbindung, Probleme mit dem Profilserver, Komplikationen bei Hardware-Wechseln sowie ein Netzwerkausfall im Februar 2026.
Bei drei Störungen zwischen Februar und Mai 2026 blieb die Ursache laut Senat „trotz Untersuchungen“ unbekannt. Brisant dabei: Solche Störungen könnten auch die elektronische Akten treffen, die laut Senatsangaben inzwischen fast flächendeckend eingeführt wurde. Bis Ende 2026 soll die Migration in das Rechenzentrum Justiz abgeschlossen sein, zudem sind mehr KI-Tools und ausgebautes System-Monitoring geplant.
Auch beim Technischen Finanzamt (TFA) Berlin, das als Rechenzentrum der Steuerverwaltung fungiert, häuften sich technische Pannen. Laut Antwort der Senatsverwaltung für Finanzen registrierte das TFA 2023 zehn, 2024 neunzehn und 2025 vierzehn Totalausfälle der schwersten Fehlerklasse. Im ersten Halbjahr 2026 gab es bislang einen..

Blick in ein Rechenzentrum. (Symbolbild)imagebroker/imago
Laut der beigefügten Störungstabelle betraf das vor allem das Steuer-Fachverfahren GECO, das Anfang 2023 mit Performance-Problemen nach einer Hardware-Erweiterung zu kämpfen hatte. Auch die elektronische Steuerakte fiel zeitweise durch einen Hardwaredefekt aus.
Daneben gab es Ausfälle, die nicht in Berlin selbst verursacht wurden: eine bundesweite Störung bei den Verfahren ELSTAM, LAVENDEL und OZEAN, eine Störung beim Bundeszentralamt für Steuern sowie ein Zertifikatsfehler beim ITDZ.
Je nach Vorfall waren laut Senat einzelne Funktionen betroffen: Anmeldung und Systemzugriff, der lesende Zugriff auf Akten und Belege, die Erfassung neuer Daten oder die Festsetzung und Freigabe von Steuerbescheiden.
Zu Auswirkungen auf die Berliner äußert sich der Senat zurückhaltend: Störungen hätten „allenfalls zu kurzfristigen zeitlichen Verzögerungen“ geführt. Ein systematischer Zusammenhang mit Fristversäumnissen oder Verjährungsrisiken lasse sich nicht feststellen. Anfang September 2026 steht zudem die Migration der Steuerverwaltungs-IT zum Dienstleister Dataport an.
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