An der Ostsee häufen sich Beschwerden über Urlauber. Dünen werden betreten, Tiere gestört und sensible Naturräume beschädigt.
Die Ostsee ist im Sommer ein beliebtes Reiseziel, wird auch „Badewanne der Berliner“ genannt – denn die Menschen aus der Hauptstadt kommen hier besonders schnell hin. Allerdings hat der touristische Rummel an der Küste auch seine Schattenseiten: Immer wieder können sich Urlauber an der Ostsee nicht benehmen und bringen vor allem die empfindlichen Dünen in Gefahr. Die dürfen eigentlich nicht betreten werden, doch daran denken nur wenige. Stattdessen wird hier gezeltet – und immer wieder werden die Sandwälle als Toilette missbraucht.
Dünen an der Ostsee dürfen nicht betreten werdenDie Sandstrände sind voll, die Sonne knallt vom Himmel – da ziehen sich viele gern in die schattigen Bereiche auf den Dünen zurück, die den Sandstrand an der Ostsee von den dahinterliegenden Strandpromenaden trennen.
Doch die Sandwälle dürfen nicht betreten werden! An der Ostsee gelten Dünen als besonders schützenswerte Naturflächen. Erlaubt ist es, die ausgewiesenen Strandzugänge und befestigten Wege zu nutzen, die durch die Dünen führen. Laufen Spaziergänger hier entlang, beschädigen sie nicht die empfindliche Vegetation.
Denn Dünen sind weit mehr als hübsche Sandhügel! Sie dienen als natürlicher Küstenschutz und schützen das Hinterland vor Sturmfluten und Hochwasser. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Strandhafer, eine Pflanze, die auf den meisten Dünen zu finden ist. Seine tiefen Wurzeln festigen den Sand und verhindern, dass Wind und Wetter die Dünen abtragen. Werden die Pflanzen durch Tritte zerstört, verliert die Düne ihre Stabilität.
Verboten ist deshalb das Betreten der Dünen abseits der gekennzeichneten Wege. Auch das Liegen, Grillen, Zelten oder das Anlegen von Trampelpfaden ist meist untersagt. Wer dagegen verstößt, muss je nach Region mit einem Bußgeld rechnen.

Das Betreten der Dünen an der Ostsee ist verboten, denn sie dienen dem Küstenschutz. An vielen Stellen wird deshalb mit Hinweisschildern darauf hingewiesen.Andre Gschweng/imago
Das Problem: Das Verbot scheint immer mehr Menschen an der Ostsee egal zu sein – denn immer wieder wird berichtet, dass sich Urlauber regelmäßig in den Dünen niederlassen und auf die empfindliche Natur pfeifen. Die „Ostsee-Zeitung“ berichtet jetzt auch, dass etwa die Dünen am Strand von Prerow regelmäßig als Toilette missbraucht werden.
Touristen verrichten hier ihr Geschäft, weil sie nicht bis zur nächsten öffentlichen Toilette laufen wollen. Einer der Rettungsschwimmer am Strand hat sich deshalb schon eine besondere Taktik überlegt, um es für die Täter so unangenehm wie möglich zu machen: Er zückt seine Pfeife!
„Durch den Pfiff habe ich die Aufmerksamkeit vieler Strandbesucher und der Lerneffekt ist viel größer.“ Für die Menschen, die in den Dünen ihr Geschäft verrichten, wird es dadurch richtig peinlich. „Durch die Blamage verwechselt an diesem Tag bestimmt niemand mehr den Strandhafer mit einer Toilette“, sagt der 71 Jahre alte Rettungsschwimmer dem Blatt. Doch der Toilettengang ist längst nicht das Einzige, was von den Urlaubern in den Dünen verrichtet wird.
Auch in den sozialen Netzwerken mehren sich Berichte über Urlauber, die sich etwa mit ihrem Strandgepäck und ihren Handtüchern in den Dünen niederlassen. Beispiel Prora: Hier veröffentlichte eine Frau erst vor Tagen ein Foto, das zeigt, dass sich Strandgäste ein Lager zwischen Strandhafer und Kiefern aufgeschlagen haben. „Da kann ruhig ein Hinweis stehen, aber die Leute kapieren das nicht“, kommentiert eine Frau das Bild. Eine andere: „Dummheit stirbt nicht aus.“ Und eine schreibt: „Warum kann ich mich als Urlauber nicht an Regeln halten? Unmöglich, solch ein Verhalten. Da wundert es mich nicht, dass die auf die Touris schimpfen. Sind zum Glück nicht alle so.“
Anwohner sind wütend auf ignorante Ostsee-UrlauberAuch eine andere Frau ist wütend. „Das ist heute ein allgemeines Problem. Parken, wo man denkt, liegen, wie es beliebt.“ Viele würden heute machen, was sie wollen. „Liegen und sogar campen in der Düne, Müll wird einfach liegen gelassen ... Und unterm Strich bekommen wir wegen solcher Idioten immer mehr Probleme oder Verbote aufgedrückt.“
Und ein Mann ist sicher: „Man kann es vielen Menschen nicht mehr erklären. Viele denken, ich kann machen, was ich will. Die würden, glaube ich, auf einen losgehen und einschlagen. Dass das für uns Anwohner für unsere Sicherheit ist, geht in die Halbhirne nicht rein.“

Die Wege zwischen den Dünen dürfen von den Urlaubern genutzt werden, um zum Strand zu gelangen.BODE/imago
Auch die Organisation „Sea Shepherd Deutschland“ machte schon zu Beginn der Saison auf die Probleme mit der Dünennutzung aufmerksam. Offenbar scheine die Regel, dass Dünen nicht betreten werden dürfen, viele Menschen in ihrer Freiheit einzuschränken. „Immer wieder laufen Strandbesucher quer durch die Dünen oder machen es sich sogar in den empfindlichen Sandkuhlen gemütlich. Das ist ein Problem!“ Das Verbot sei keine Empfehlung, sondern „eine dringend erforderliche Schutzmaßnahme für Pflanzen und Tiere. Es schützt zudem die Küste vor Erosion durch Wellen und starke Stürme.“
Urlauber bedrängen Schweinswale in der OstseeDoch nicht nur die Dünen leiden. Laut „Ostsee-Zeitung“ berichten Menschen, dass sich Touristen teilweise benehmen würden, als sei die Küste ein Abenteuerspielplatz. „Sie trampeln auf unseren Dünen herum, hopsen auf den Buhnen, werfen mit Quallen umher“, sagt etwa eine Frau. „Auch vor kleinen Robben und Schweinswalen machen sie keinen Halt. Sie benutzen unsere Natur, als wäre sie ein Vergnügungspark.“
Erst vor Tagen wurde berichtet, dass Urlauber in der Bucht von Prerow einen Schweinswal bedrängten. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin habe die Menschen zurechtweisen müssen. Das richtige Verhalten am Strand und in der Natur – es hat einfach nicht jeder drauf.
Welche Dinge haben Sie schon am Strand an der Ostsee beobachtet? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!
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