35 Jahre nach der Wende fahren Wartburg und Trabant wieder mehr auf deutschen Straßen. Die DDR-Kultautos erleben ein beeindruckendes Comeback.
Sie sind noch immer ein Blickfang. Die Autos aus der ehemaligen DDR ziehen auch 35 Jahre nach dem Mauerfall die Massen an. Wenn Wartburg und Trabant über deutsche Straßen fahren, begeistern sie Jung und Alt. Kein Zweifel: Die Autos sind Kult.
9137 Wartburgs und 41.862 Trabis unterwegsDie Begeisterung für die Fahrzeuge aus Eisenach und Zwickau wird seit Jahren sogar größer. Das zeigt sich an den Zulassungszahlen. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) aus Flensburg auf Anfrage des Berliner KURIER mitteilte, sind mit Stand vom 1. Januar 2026 deutschlandweit 9137 Wartburgs und 41.862 Trabis unterwegs.
Zahlen steigen seit 2020 kontinuierlichZum Vergleich: 2020 lag die Zahl der zugelassenen Wartburgs deutschlandweit bei 8361, bei Trabis waren es 37.116 Fahrzeuge. Der Trend, dass die Kult-Autos immer häufiger auf deutschen Straßen zu sehen sind, hält an.

Viele restaurierte DDR-Oldtimer wie dieser Wartburg 353 sind auf deutschen Straßen noch unterwegs und ziehen viele Blicke auf sich.Matthias Bein/dpa
Ein Grund: Weil nostalgische DDR-Wagen teurer geworden sind, schauen sich Fans und Bastler wieder nach längst stillgelegten Fahrzeugen um. Sie holen sie aus Garagen und Scheunen, reparieren und polieren sie auf oder lassen sie von Restauratoren auf Vordermann bringen.
In Sachsen fahren die meisten DDR-FahrzeugeSchaut man sich die Zulassungszahlen in den ostdeutschen Bundesländern sowie Berlin an, zeigt sich ein klares Bild. Die meisten DDR-Fahrzeuge sind in Sachsen zugelassen. Dort fahren noch immer 2701 Wartburgs und 10.985 Trabis.

Der Anteil der DDR-Fahrzeuge am Gesamtbestand.Grafik Berliner Kurier
Dahinter folgt Thüringen mit 1754 Wartburgs und 6318 Trabis. Platz drei geht an Brandenburg mit 1463 Wartburgs und 6475 Trabants. Auf den Straßen von Sachsen-Anhalt sind 1455 Wartburgs und 5825 Trabis unterwegs, in Mecklenburg-Vorpommern tuckern immerhin noch 808 Wartburgs und 3709 Trabis. In Berlin sind es 188 Wartburgs und 823 Trabis.
Viele DDR-Oldtimer bestehen die HauptuntersuchungAuch wenn die DDR-Fahrzeuge schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben, ist ihr Ruf und Zustand oftmals besser als gedacht. Laut der aktuellen Oldtimerstatistik der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) für die Saison 2023 bestanden 60 Prozent der untersuchten Pkw-Oldtimer die Hauptuntersuchung ohne Mängel und erhielten die Plakette direkt. „Das spricht dafür, dass Besitzer von klassischen Automobilen sich der Bedeutung ihres Fahrzeuges als technischem Kulturgut bewusst sind und viel Wert auf seinen guten Zustand legen“, sagt Marco Oehler, Technischer Leiter der GTÜ.

An Anteil der DDR-Fahrzeuge in den ostdeutschen Bundesländern.Grafik Berliner Kurier
Am häufigsten Beanstandungen gab es beim Fahrgestell, der Bremsanlage, der Beleuchtung, der Umweltbelastung sowie bei Achsen, Rädern, Reifen oder Aufhängungen – also genau in den Bereichen, in denen die DDR-Technik ihre Schwächen hat.
Produktion des Wartburgs endet im April 1991Die Ergebnisse sind aber mit Vorsicht zu genießen. Wie Falk Soukup, Referent für Presse und digitale Kommunikation beim TÜV-Verband in Berlin, auf KURIER-Anfrage erklärt, hätte sich „die Systematik der Mängeleinstufung und -beanstandung im Laufe der Jahre verändert“. Das habe zur Folge, dass „historische Daten nur eingeschränkt mit heutigen HU-Ergebnissen vergleichbar“ sind.
Das Ende der Produktion der DDR-Fahrzeuge kam Anfang der 1990er-Jahre. Am 10. April 1991 endete im Automobilwerk Eisenach die Produktion des Wartburgs. An diesem Tag rollte das letzte Fahrzeug, mit roter Lackierung und Trauerflor, vom Fließband – und direkt ins Museum.
Alle DDR-Fahrzeuge sind heute OldtimerDie Produktion des Trabants endet am 30. April 1991 im Sachsenring-Werk in Zwickau. Damals lief der letzte Trabant 1.1 vom Band. Damit endet die mehr als drei Jahrzehnte andauernde Erfolgsgeschichte der DDR-Kultautos.
Inzwischen haben alle Fahrzeuge aus der DDR, die noch auf den Straßen unterwegs sind, den Oldtimerstatus erreicht – und noch immer eine große Fangemeinde.
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