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Warum Lidl kein Wasser in Glasflaschen verkauft und auf Plastik setzt

Дата публикации: 13-08-2026 08:28:04

Wer bei Lidl Mineralwasser in Glasflaschen sucht, wird nicht fündig. Dahinter steckt keine Nachlässigkeit, sondern eine milliardenschwere Logistik- und Recyclingstrategie.

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Wer bei Lidl einen Kasten Mineralwasser in Glasflaschen sucht, sucht vergeblich. Das ist kein Platzproblem und kein Zufall, sondern eine Konzernentscheidung, die hunderte Millionen Euro gekostet hat.

Bei Lidl findet man fast nur Plastikflaschen

Es fällt erst auf, wenn man einmal darauf achtet: Im Getränkeregal beim Discounter stapeln sich PET-Flaschen bis unter die Decke. Wasser, Limo, Cola, Eistee – alles Plastik. Kästen mit klirrenden Glasflaschen, wie man sie aus dem Getränkemarkt kennt? Fehlanzeige.

Plastikflaschen bei Lidl, wohin das Auge reicht. Dahinter steckt <a href="https://www.berliner-kurier.de/panorama/lidl-stellt-alle-3271-deutschen-filialen-um-das-aendert-sich-jetzt-li.10035083">eine bewusste Entscheidung des Konzerns</a>.

Plastikflaschen bei Lidl, wohin das Auge reicht. Dahinter steckt eine bewusste Entscheidung des Konzerns.Manuel Geisser/Imago

Dabei gibt es Glas bei Lidl durchaus. Wein, Spirituosen, manche Säfte kommen sehr wohl in Glasflaschen. Was komplett fehlt, ist etwas anderes: Mehrweg. Also die Pfandflasche, die gespült und wieder befüllt wird.

Ein Konzern, ein Kreislauf

Der Grund liegt in der Struktur des Unternehmens: Lidl gehört zur Schwarz-Gruppe. Und die hat bei Wasser und Erfrischungsgetränken eine radikale Entscheidung getroffen: Das komplette Sortiment ist auf Einweg ausgerichtet.

Möglich wird das, weil der Konzern die gesamte Kette selbst kontrolliert. Er füllt über die Schwarz-Produktion selbst ab. Er betreibt mit PreZero einen eigenen Entsorger und Verwerter. Er verkauft in den eigenen Filialen und nimmt dort auch wieder zurück.

Ein Pfandautomat bei Lidl. Hier kann man alle Einwegflaschen und -dosen (25 Cent) plus das Mehrweg-Leergut aus dem eigenen Sortiment abgeben – fremde Mehrwegkästen nicht.

Ein Pfandautomat bei Lidl. Hier kann man alle Einwegflaschen und -dosen (25 Cent) plus das Mehrweg-Leergut aus dem eigenen Sortiment abgeben – fremde Mehrwegkästen nicht.Michael Gstettenbauer/Imago

Das Ergebnis: Seit Juni 2021 bestehen die von der Schwarz Produktion hergestellten PET-Einwegpfandflaschen der Eigenmarken von Lidl und Kaufland vollständig aus recyceltem Kunststoff – ausgenommen Deckel und Etikett.

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Warum Glas für Discounter ein Albtraum ist

Der Konzern nennt das „Kreislaufflasche“ und hat nach eigenen Angaben hunderte Millionen Euro in dieses System investiert. Wer so viel in einen geschlossenen Einwegkreislauf steckt, baut daneben keine zweite Logistik für Glaskästen auf.

Dazu kommt ein sehr praktischer Grund. Mehrweg-Glas ist aufwendig. Denn Glas ist deutlich schwerer als PET. Jeder Lkw transportiert mehr Verpackung und weniger Getränk. Auch der Platz spielt eine Rolle: Volle und leere Kästen brauchen Lagerfläche im Lager hinter dem Verkaufsraum. Genau die halten Discounter bewusst klein.

Durch den Verzicht auf Glasflaschen für Wasser spart sich Lidl eine Menge Platz.

Durch den Verzicht auf Glasflaschen für Wasser spart sich Lidl eine Menge Platz.Anton Geisser/Imago

Ein weiterer Hintergrund ist die Sortierung: Leergut muss nach Pool und Abfüller getrennt und zurückgefahren werden. Eine PET-Flasche wird im Automaten einfach zerdrückt. Auch die Struktur muss beachtet werden: Mehrwegsysteme sind regional organisiert, mit kurzen Wegen zwischen Brunnen und Handel. Discounter-Eigenmarken kommen aus wenigen zentralen Werken für die ganze Republik.

Kurz: Das eine System lebt von kurzen Wegen, das andere von Zentralisierung. Zusammen funktioniert das schlecht.

Die Ökobilanz – und der Streit darum

Lidl argumentiert offensiv mit Umweltschutz. Eine vom Unternehmen beim IFEU-Institut beauftragte Ökobilanz kommt zu dem Ergebnis, dass die Kreislaufflasche gegenüber dem untersuchten PET-Mehrweg mindestens 20 Prozent CO₂ spart – und gegenüber marktüblichen Glas-Mehrwegflaschen den Ausstoß fast halbiert.

Verglichen wurde dabei eine 1,5-Liter-Einwegflasche mit einer 1-Liter-PET- und einer 0,7-Liter-Glas-Mehrwegflasche aus dem Pool der Genossenschaft Deutscher Brunnen.

Lidl argumentiert gegen Glasflaschen mit Umweltschutz.

Lidl argumentiert gegen Glasflaschen mit Umweltschutz.Michael Gstettenbauer/Imago

Umweltverbände halten dagegen: Der BUND wirft dem Konzern vor, seine Kampagne täusche einen verlustfreien Recyclingkreislauf vor. Verlustfreie Stoffkreisläufe gebe es physikalisch nicht. Lidl sammle mehr Material ein, als produziert werde, um die Verluste auszugleichen.

Das Umweltbundesamt kritisiert den Vergleich grundsätzlich: Hier werde ein optimiertes Einwegsystem gegen ein nicht optimiertes Mehrwegsystem gestellt.

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Warum das mehr ist als eine Geschmacksfrage

Deutschland hat sich ein Ziel gesetzt: 70 Prozent aller Getränke sollen in Mehrwegverpackungen abgefüllt werden. Erreicht wird es nicht einmal annähernd.

Nach Daten des Umweltbundesamts lag die Quote 2024 bei 34,5 Prozent. Einweg-Plastikflaschen dominieren mit 38,6 Prozent, Mehrweg-Glas kommt auf 25,2 Prozent, Getränkekartons auf 13,1 Prozent.

Und die Zahl bewegt sich kaum: Seit 2020 pendelt sie zwischen 33 und 35 Prozent. Die Deutsche Umwelthilfe macht dafür ausdrücklich auch Discounter wie Aldi und Lidl verantwortlich. Deren reines Einweg-Angebot nehme die Entscheidung für die Kundschaft vorweg.

Ändert das neue Verpackungsrecht daran etwas?

Seit dem 12. August gilt europaweit die neue Verpackungsverordnung PPWR, in Deutschland ergänzt durch das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz, das das alte Verpackungsgesetz ablöst.

Am Getränkeregal ändert das kurzfristig nichts. Die neuen Regeln betreffen zunächst vor allem Grenzwerte für Schadstoffe und Nachweispflichten für Hersteller.

Das neue Verpackungsrecht ändert nichts für die Getränke-Abteilung bei Lidl.

Das neue Verpackungsrecht ändert nichts für die Getränke-Abteilung bei Lidl.John Wreford/Imago

Eine verbindliche Mehrwegquote kommt erst 2030 – und liegt dann bei 10 Prozent für Getränkeverpackungen. Von den 70 Prozent, die im deutschen Recht stehen, ist das weit entfernt.

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert entsprechend, das neue Gesetz enthalte keine wirksamen Instrumente, um die Quote zu erreichen. Unternehmen könnten zwischen freiwilligen Maßnahmen wählen, ohne verbindliche Berichtspflichten.

Für die Alternative muss ein anderer Supermarkt her

Für das Regal bei Lidl heißt das: Es bleibt vorerst beim Plastik. Und wenn ich trotzdem Glas will? Dann führt der Weg zum Getränkemarkt, zu Rewe oder Edeka – oder, kurioserweise im selben Konzern, zu Kaufland mit seinem breiteren Mehrwegsortiment.

Welcher Wassertyp sind Sie? Aus dem Hahn, aus der Plastikflasche oder doch am liebsten aus der Glasflasche? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.

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