Heute ist die "Mutter alle Messen", die Hannover Messe (Industrie) trotz Streiks gestartet. Telekom Chef Höttges betonte in einer Ansprache die Bedeutung von Infrastruktur.
Trotz eines Streiks der Hannoveraner Verkehrsbetriebe (stra) ist heute die "Mutter aller Messen", die Messe Hannover (Industrie) gestartet. Die Deutsche Telekom, jahrelanger Stammaussteller ist auch dieses Jahr in reduzierter Form vor Ort, aber Telekom-Chef Tim Httges hielt dort eine wichtige Rede, im Branchenjargon "Keynote" genannt.
Die ganze Welt spricht ber KI
Httges hat zum Auftakt der Hannover Messe die Investitionsbereitschaft in Knstliche Intelligenz fr den Standort Deutschland bekrftigt. „Die ganze Welt spricht ber KI. Aber ohne Infrastruktur ist selbst KI sprachlos. Darum investieren wir in sichere Netze, souverne Rechenzentren und KI-Rechenpower.“ In seiner Keynote gab Httges zudem einen Ausblick auf den kommenden Mobilfunkstandard 6G, der gerade fr industrielle Anwendungen neue Mglichkeiten erffnen soll.
Ausgerechnet zur wichtigsten deutschen Industriemesse streikt der Nahverkehr.
Foto: Picture Alliance/dpa
Deutschland und Europa brchten alle Voraussetzungen mit, um in der physischen KI, also der Anwendung von KI im industriellen Umfeld, eine fhrende Rolle einzunehmen, betonte Httges. Alle Unternehmen seien nun aufgefordert, die neuen Mglichkeiten auch zu nutzen. Viele bestehende Herausforderungen lieen sich mit KI besser lsen. Dies erfordere jedoch nicht nur die passenden Anwendungen, sondern auch, Prozesse in Unternehmen neu zu gestalten und auf KI vorzubereiten. Zugleich forderte Httges die Verantwortlichen in der Industrie auf, im Blick zu behalten, welche Auswirkungen KI auf die Menschen hat.
In seiner Keynote auf der Hannover Messe (Industrie) betonte Telekom Chef Tim Httges die Notwendigkeit von Infrastruktur und Souvernitt.
Foto: Deutsche Telekom
„Wo KI und Souvernitt zusammenkommen, entsteht Fortschritt“, sagte Httges weiter. „Deutschland hat alle Voraussetzungen dafr: eine starke industrielle Basis, Ingenieurskunst und die Fhigkeit, Produktion mit neuesten Technologien zu verbinden. Wenn wir das konsequent tun, wird Deutschland nicht nur mit den anderen mithalten. Wir werden vorne mitspielen.“
Httges verwies auf die Erfahrung der Telekom im Bereich Rechenzentren und KI. Die Telekom biete „alles, was Unternehmen brauchen“ und verfge ber herausragende Kundenzugnge. Beim Thema Souvernitt seien verschiedene Ebenen zu unterscheiden und je nach Anwendung sinnvoll.
In der Praxis bentigt nicht jede Anwendung das hchste Souvernittsniveau, rumte Httges ein. Unternehmen sollten je nach Sensibilitt ihrer Daten und Prozesse die passende Kombination aus drei Stufen whlen und diese mit Anwendungen verschiedener Partner nach Bedarf kombinieren.
Auf der ersten Stufe steht fr den Telekom-Chef die Datensouvernitt. Unternehmen und Behrden behalten dabei die Hoheit ber ihre Daten. So ist sichergestellt, dass diese nach europischen Regeln verarbeitet werden. Die Telekom betreibe mit Angeboten wie der T-Cloud-Public die notwendigen Dateninfrastrukturen in Europa, die den Anforderungen etwa der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) entsprchen. Gerade fr sensible Bereiche sei das eine zentrale Voraussetzung fr die Digitalisierung.
Darauf knne man die Betriebssouvernitt aufbauen. Eigene Rechenzentren in Europa, klar geregelte Zugnge und zertifizierte Prozesse stellten sicher, dass kritische Systeme zuverlssig laufen und unter eigener Kontrolle bleiben. So lieen sich auch zentrale Geschftsprozesse unabhngig und stabil betreiben.
TechnologiesouvernittAls dritte Ebene sieht Httges die Technologiesouvernitt. Hier geht es darum, Abhngigkeiten von auereuropischen Anbietern zu verringern und Alternativen zu schaffen. Die Telekom setzt auf offene Standards, die eigene T-Cloud-Public, Multi-Cloud-Anstze und europische Initiativen wie 8ra. So knnen Unternehmen verschiedene Anbieter kombinieren und flexibel nutzen.
KI-Fabrik Mnchen: 50 Prozent mehr KI-Rechenpower fr DeutschlandBereits Anfang Februar hatte die Deutsche Telekom eine KI-Fabrik in Mnchen erffnet. Damit habe das Unternehmen zusammen mit Partnern wie Nvidia, SAP und Siemens in nur sechs Monaten eine der leistungsfhigsten Plattformen fr industrielle KI in Europa geschaffen. Die KI-Infrastruktur in Mnchen (Industrial AI Cloud) sei speziell auf die Bedrfnisse von Industrie, Mittelstand und ffentlicher Hand ausgerichtet und werde ausschlielich nach europischen Standards betrieben.
Dabei setzt die Deutsche Telekom in der KI-Fabrik gezielt auf einen KI-Stack, der Abhngigkeiten reduziert und in ein europisches kosystem eingebettet ist. Ein KI-Stack bezeichnet die gesamte technologische Grundlage einer KI-Lsung also alle Bausteine, die ntig sind, damit KI-Anwendungen entwickelt, betrieben und in Produkte oder Prozesse integriert werden knnen. Dazu zhlen Daten, Modelle, Software und Infrastruktur.
Glasfaser, Mobilfunk und 6GDie Deutsche Telekom investiere jhrlich rund sechs Milliarden Euro allein in Deutschland; vor allem in Glasfaser, Mobilfunk und Rechenzentren. Gleichzeitig arbeite sie an der Weiterentwicklung der Technologie. Im 6G-Innovation Hub erforsche die Telekom zum Beispiel neue Technologien, bei denen KI von Anfang an in die Netzarchitektur eingebunden sei und die Systeme Ablufe im Netz weitgehend selbststndig steuern knnten.
Eine Einschtzung (von Henning Gajek)Unermdlich ist Tim Httges dabei, die Bedeutung guter resilienter Netze und Infrastruktur im Telekommunikationssektor zu bekrftigen und sein "Schwungrad", als Motor des Erfolgs zu erklren. Dabei steckt er viel Geld in neue Infrastruktur, was bestehende Kunden begeistert und neue Kunden zu ihm bringt. Die Konkurrenten murren lautstark, wissen aber genau, dass ohne die Telekom hierzulande gar nichts luft. Beim Glasfaserausbau beispielsweise werfen reihenweise sogar groe Unternehmen ("too big to fail"?) das Handtuch.
Souvernitt bedeutet auch die Unabhngigkeit von internationalen Gro-Konzernen. Viele Computer-Anwender leiden unter den Vorgaben von Microsoft beispielsweise, die mit der Einfhrung von Windows 11 seine Kunden zu neuer Hardware und zu Abonnements von Office-Paketen oder Microsoft-Cloud-Angeboten und nicht so schlauen KI-Assistenten berreden mchte, die Datenschutzexperten die Schweiperlen auf die Stirn treiben. Die Telekom forciert den Umstieg von klassischer Sprachtelefonie auf Lsungen wie Microsoft Teams, was inzwischen wohl tatschlich funktioniert, aber auch kein wirklich souvernes europisches Angebot darstellt. Vielleicht sollte die Telekom ihren groen und kleinen Kunden mal die Vorzge von offenen Systemen wie Linux nahebringen, da gibt es heute schon gute Mglichkeiten.
Wenn die Telekommunikation die Basis der Industrie ist, dann sollte die Telekommunikation auch auf der wichtigsten deutschen Industriemesse vor Ort sein. Das ist aber in vielen Fllen aber nicht der Fall. Immerhin: Die Telekom-Industrie-Tochter T-Systems ist in Halle 16 und 17 prsent, ferner als Partner bei verschiedenen Kooperationspartnern (z.B. NVIDIA) vor Ort. Die Suche im Messe-Online-Portal nach "Deutsche Telekom" ergibt alleine 654 Treffer.
Vodafone, mit groen Ambitionen im Geschftskundenmarkt, besonders seit der ehemalige Telekom-Geschftskunden-Chef zu Vodafone "bergelaufen" ist, ist dieses Jahr im Messe-Katalog online gar nicht zu finden (0 Treffer). Auch o2-Telefnica, die mit extrem gnstigen Angeboten versuchen, Fu in der Geschftskundenwelt zu fassen, hat nach einigen Anlufen in der Vergangenheit dieses Jahr die Segel komplett gestrichen und wird von der Messe gar nicht mehr erwhnt.
Richtig macht es hingegen der oft belchelte vierte Netzbetreiber: Er ist mit seiner Geschftskundensparte 1&1-Versatel in Halle 17 (H15) prsent.
Ein Netzwerkausrster wie Nokia ist in den Hallen 14 und 26 vor Ort finden. Der zweite groe Hersteller Ericsson wird hingegen nur als Unteraussteller an einem 5G-Demo-Stand und in Verbindung mit dem Fraunhofer-Institut. Auch Huawei ist nur im 5G-ACIA-Bereich (26G31) erwhnt. Die Hannover Messe hat ihr Gelnde dieses Jahr anders als gewohnt genutzt: Die Hallen 1 bis 10 bleiben geschlossen, dafr wurde u.a. die traditionelle CeBIT-Halle 26 wiederbelebt.
Mag ja sein, dass klassische Messen umstndlich, teuer und wenig effizient erscheinen. Gerade in aktuell verwirrenden Zeiten sind aber persnliche Kontakte und Gesprche mehr als wichtig. Telekommunikation wird von Menschen fr Menschen gemacht, KI hin oder her. Wer hier die Zeichen der Zeit verpasst wird bald noch mehr verpassen.
Im Jahre 2024 waren Vodafone und o2 noch in Hannover dabei. Die letzte CeBIT fand 2018 statt.
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