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Top 100 Frauen 2025: Die weibliche Macht der deutschen Wirtschaft

Дата публикации: 30-04-2026 10:17:00

Beim „Top 100 Frauen“-Event von manager magazin und BCG zeigen Deutschlands Entscheiderinnen, wie sie Wirtschaftskraft und Demokratie durch die Dauerkrise steuern. „Prima inter Pares“ in diesem Jahr: Jeannette zu Fürstenberg.

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Krisen als Startpunkt für Gestaltung: Jeannette zu Fürstenberg, Managing Director Europe beim Techinvestor General Catalyst
Krisen als Startpunkt für Gestaltung: Jeannette zu Fürstenberg, Managing Director Europe beim Techinvestor General Catalyst

Krisen als Startpunkt für Gestaltung: Jeannette zu Fürstenberg, Managing Director Europe beim Techinvestor General Catalyst

Foto: [M] manager magazin, Andreas Kusy

Deutschland steht unter Hochspannung: Während Militärs in Drohnenschwärme und KI-gestützte Abwehrsysteme investieren wollen, verrotten Stellwerke an überlasteten Knotenpunkten und unsere Volkswirtschaft hängt an einem Schienennetz, das eher ins Haus der Geschichte als ins Drehbuch der Zeitenwende gehört. Milliardenprogramme sollen die Lücken stopfen – in der Verteidigung, in der Infrastruktur, in den Bilanzen –, doch eine andere Kampfzone verläuft an anderer Stelle: dort, wo Frauen ganz nach oben wollen und Anspruch erheben, die Geschicke von Konzernen zu steuern – über Algorithmen, Assets und Aufsichtsräte.

Erfolgsgeschichte: Zahlreiche Top 100 Frauen versammelten sich in München

Erfolgsgeschichte: Zahlreiche Top 100 Frauen versammelten sich in München

Foto: [M] manager magazin, Andreas Kusy

Seit elf Jahren zeichnen manager magazin und die Boston Consulting Group (BCG) die Top 100 Frauen aus. Vorstandschefinnen, Unternehmerinnen, Aufsichtsrätinnen, Investorinnen und Klima-Innovatorinnen, die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gestalten – und sich oft schon durchgesetzt haben, als Diversität hierzulande noch eher Randnotiz als Strategie war. Bei den Top 100 Frauen geht es um die Frage, wer Deutschlands Zukunft mitprägt. Die Liste versteht sich nicht als Ranking, sondern als Panorama weiblicher Gestaltungsmacht. Ergänzt wird sie um eine Auszeichnung, die mehr ist als ein Ehrenplatz: eine „Prima inter pares“, stellvertretend für die Frau des Jahres.

Stagnierender Frauenanteil im Vorstand

In diesem Jahr ist München die Bühne. In der Deutschlandzentrale der BCG an der Ludwigstraße treffen sich die 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft zu Masterclasses und einem Networking-Dinner – mit einem Programm, das die Republik im Stundentakt vermisst: KI im Kampfjet-Cockpit, der Turnaround der Deutschen Bahn, Milliarden für Verteidigung und Infrastruktur – und die Frage, wie Führung aussieht, wenn Krise nicht Ausnahme, sondern Betriebszustand ist.

Gastgeber Michael Brigl (BCG-Zentraleuropachef) und Isabell Hülsen (Chefredakteurin manager magazin) beschreiben den Abend als Kontrapunkt zu einer Entwicklung, die auch eine begleitende BCG-Analyse zeigt: Der Frauenanteil in den Vorständen der 100 größten börsennotierten Unternehmen stagniert bei 21 Prozent, in 28 Unternehmen sitzt keine einzige Frau im Vorstand – und doch sind es häufig Frauen, die in schier auswegloser Lage Verantwortung übernehmen. Sei es Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp (55), die sich mit aller Kraft gegen die UniCredit-Übernahme stemmt , oder Evelyn Palla (53), die die Deutsche Bahn sanieren soll.

Nicht Quotenfrau, sondern Machtfaktor: Die Top 100 reden mit, wenn es um Deutschlands Rolle in der Welt geht. So zeigt Stephanie Lingemann (36), Vice President Air beim Rüstungsspezialisten Helsing, wie sehr Europas sicherheitspolitische Souveränität inzwischen an Fragen hängt, die früher nach Nerd-Seminar klangen: Datenhoheit, KI-Architekturen, unbemannte Systeme. Sie beschreibt ein System, in dem Software-Updates aus den USA ganze Einsatzverbünde verändern können, und stellt die Frage, wer in so einem Szenario die Kontrolle hat, wenn in Europa autonome Systeme Entscheidungen treffen sollen.

Es wird ernst im Saal, wenn von 150 Milliarden Euro Verteidigungsetat und unbemannten Systemen gesprochen wird – und der im Rüstungssektor allgemein durchsickernden Gewissheit, dass Russlands Präsident Wladimir Putin (73) bis 2029 einsatzfähig gegen Westeuropa sein könnte.

Helsing, 2021 gegründet und inzwischen mit über 1000 Mitarbeitenden, rüstet Kampfjets wie den Eurofighter mit KI aus. „Wir wollen nicht nur KI ins Cockpit bringen, sondern langfristig den Soldaten ersetzen“, lautet die Botschaft. Im Hintergrund steht Kapital wie das von Spotify-Gründer Daniel Ek (43), der vermehrt in kritische Technologien in Europa investieren will,  und ein Pool an deutschen und europäischen Rückkehrern, viele aus dem Silicon Valley. Europa habe lange die Hälfte seines Talents liegen lassen, insbesondere Frauen – jetzt, heißt es, brauche es den Mut, dieses Potenzial tatsächlich zu heben.

„Wir haben alle Puzzleteile“, sagt Lingemann. „Wir müssen nur die PS auf die Straße bringen.“

Evelyn Pallas Höllenjob bei der Bahn

Was das in der Praxis bedeutet, zeigt nur wenige Minuten später ein anderes Beispiel für einen solchen Hochrisikosektor. Evelyn Palla, seit Oktober CEO der Deutschen Bahn , erzählt die Geschichte ihres Unternehmens als Langstreckenlauf durch fast zwei Jahrhunderte. In der größten Krise seit 1992 sei es objektiv kein guter Moment gewesen, Verantwortung zu übernehmen – „zu komplex, zu schwierig, zu groß die Krise“. Genau deshalb, so Palla, sei es für sie der richtige Moment gewesen. „Erfolgsgeschichten schreiben diejenigen, die handeln“, sagt Palla – nicht diejenigen, die auf perfekte Bedingungen warteten.

Sie seziert die Lage der Bahn mit brutaler Klarheit: „Wir hatten noch nie ein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem.“ Deutschland habe sich angewöhnt, zu diskutieren, abzustimmen – und am Ende zu wenig zu tun. Führung bedeute für sie nicht, alles besser zu wissen, sondern Verantwortung zu ermöglichen, Richtung zu geben, unbequeme Entscheidungen zu treffen und der Öffentlichkeit mehr Realität zuzumuten. Mindestens zehn Jahre werde es dauern, bis die Bahn auf das Niveau von Österreich oder der Schweiz komme. Der Investitionsrückstand bei der Schieneninfrastruktur liege bei rund 130 Milliarden Euro.

Konkret wird Palla bei den Dingen, die Fahrgäste täglich erleben: Bordbistros, saubere Bahnhöfe, klare Kommunikation bei Gleiswechseln – rund 130 Millionen Euro sollen genau dort ansetzen. Dahinter steht ein Kulturbruch: weniger Bürokratie, weniger Verantwortungsdiffusion, mehr Klarheit in Entscheidungen, weniger „Ich war es nicht“.

Aber auch hier rückt das Verteidigungsthema näher. Die Bahn ist in dieser Erzählung nicht nur Verkehrsmittel, sondern auch sicherheitspolitische Infrastruktur, sagt Palla: Nadelöhre wie Berlin-Spandau, Fernzüge, die im Ernstfall zu Krankentransportern umgebaut werden können.

„Jetzt erst recht“ – Diversity als Krisentechnik

Beim abendlichen Dinner beschreibt Simone Salden, stellvertretende Chefredakteurin des manager magazins, eine Wirtschaft im Dauerstress – „und gerade deshalb müssen wir jetzt erst recht über Diversity sprechen“. Diversität sei eine Technik, um Krisen zu meistern: ein Werkzeugkasten für Weitsicht, Mut, Kreativität und die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen. Das Top-100-Format von BCG und manager magazin würdigt Frauen, die genau das verkörpern: CEOs, Managerinnen, Aufsichtsrätinnen, Unternehmerinnen, Wegbereiterinnen, Klima-Innovatorinnen und die „Stars von morgen“ auf der Watchlist.

Spätestens als Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing (56) die Bühne betritt, verschiebt sich der Fokus vom Einzelunternehmen zu der strategischen Frage, wie Europa seine technologische Souveränität sichern kann. In seiner Laudatio auf Jeannette zu Fürstenberg (43), Managing Director Europe beim Techinvestor General Catalyst und in diesem Jahr „Prima inter pares“ , zeichnet er das Bild einer Frau, die Krisen nicht nur aushält, sondern als Startpunkt für Gestaltung nutzt.

Sewing erinnert an ihren familiären Hintergrund beim Unternehmen Krohne Messtechnik und an ihr Ziel seit 2016: Wagniskapital dorthin zu bringen, wo Innovation Wirkung entfaltet – zunächst mit Fokus auf Tech, Beratung und den Finanzsektor, heute als zentrale Figur im europäischen Deep-Tech- und KI-Ökosystem. Zu Fürstenberg investiere nicht in Trends, sagt er, sie schaffe Trends. Ihr früher Einstieg bei Helsing 2020, als Defense-Tech in vielen Investorenzirkeln noch tabu war, sei eine private Wette aus Überzeugung gewesen.

Weitere Investments in das französische KI-Unternehmen Mistral stünden als zweites Beispiel dafür, dass sie Wendepunkte früher sehe als andere. Sewing beschreibt sie als Architektin von Ökosystemen: eine „Brückenbauerin zwischen etablierter Industrie und neuer Techwelt“, einflussreich und nah an politischen Entscheidern wie Bundeskanzler Friedrich Merz (70) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (48) – aber nicht als klassische Lobbyistin, sondern als „Strategin für ein souveränes Europa“.

Wenn Jeannette zu Fürstenberg selbst spricht, klingt das weniger nach abstraktem Konzept als nach klarer Kampfansage. Der Wunsch nach Entschlossenheit, sagt sie, sei „kein Minderheitenprogramm“. Sie erzählt von einem kürzlichen Treffen mit einem 27-Jährigen im Silicon Valley, der mit 22 gründet, mit 24 das zweite Start-up verkauft – und von einem Europa, das KI reguliert, bevor es sie gebaut hat. „Wir binden uns die Schuhe noch mit Doppelknoten, während andere längst loslaufen“, sagt sie. Noch gehe es Europa gut, noch habe der Kontinent Talent, Kapital und Zeit – aber das Fenster schließe sich. Der Status quo sei „die riskanteste Position von allen“, insbesondere in der Sicherheitspolitik: Ohne Technologie als Kern seiner strategischen Handlungsfähigkeit bleibe Europa gefährlich abhängig von anderen.

  • Michael Brigl (Zentraleuropachef Boston Consulting Group, Co-Vorsitz)

  • Isabell Hülsen (Chefredakteurin manager magazin, Co-Vorsitz)

  • Werner Brandt (Aufsichtsrat Siemens)

  • Eva Buchhorn (Autorin manager magazin)

  • Franziska Kayser (Partnerin KKR)

  • Carsten Kratz (Deutschlandchef Bridgepoint)

  • Claudia Kruse (Leiterin Nachhaltiges Investieren, APG)

  • Clara Streit (Multiaufsichtsrätin, Vorsitzende Corporate-Governance-Kommission)

  • Renate Wagner (Vorständin Asien, Personal und M&A Allianz, Prima inter Pares 2024)

  • Isabell Welpe (Lehrstuhl für Strategie und Organisation TU München)

  • Christoph Zeiss (Mitgründer Personalberatung Heads)

Der Deutsche und sein Hang zum Perfektionismus

Zu Fürstenberg beschreibt zudem ein sehr deutsches, kulturelles Problem: Perfektionismus, der Entscheidungen verzögert und Widersprüche endlos durchdekliniert, statt sie durch Handeln aufzulösen. Man dürfe nicht warten, bis alle Gegensätze verschwunden seien. Diese Generation müsse diejenige sein, die wenigstens die Richtung dreht. Der Appell richtet sich an alle im Raum – Investorinnen, Managerinnen, Gründerinnen, Politikerinnen.

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Bis spät in den Abend setzten sich die Gespräche über Verteidigungs-KI, Bahn-Krise, Kapitalallokation und Diversity fort, oft verbunden mit einer schlichten Frage: Wer bringt dieses Land – und diesen Kontinent – jetzt wirklich voran. Und Frauen, das zeigt sich in München, spielen dabei zunehmend die Hauptrolle.

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