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Anleihemarkt mit Alarmsignal: Renditen auf Rekordjagd, Kreditkosten steigen wegen Inflationsangst und KI-Anleihen

Дата публикации: 18-08-2026 13:46:00

Industriestaaten wie Deutschland, Frankreich, Japan und die USA müssen für ihre Schulden so hohe Zinsen zahlen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Grund für die Rekordrenditen am Anleihemarkt sind neben Inflationssorgen auch die Milliarden-Anleihen von Big Tech für ihre KI-Investitionen.

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Händler an der Börse: Die steigenden Anleiherenditen belasten nicht nur den Aktienmarkt, sondern verteuern auch den Schuldendienst der Industriestaaten. Investoren rechnen mit steigender Inflation und steigenden Zinsen
Händler an der Börse: Die steigenden Anleiherenditen belasten nicht nur den Aktienmarkt, sondern verteuern auch den Schuldendienst der Industriestaaten. Investoren rechnen mit steigender Inflation und steigenden Zinsen

Händler an der Börse: Die steigenden Anleiherenditen belasten nicht nur den Aktienmarkt, sondern verteuern auch den Schuldendienst der Industriestaaten. Investoren rechnen mit steigender Inflation und steigenden Zinsen

Foto: Yuki Iwamura / AP / dpa

Alarmsignale am Anleihemarkt: Die langfristigen Kreditkosten in den wichtigsten Volkswirtschaften der Welt haben am Dienstag den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht. So stieg die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen auf 5,33 Prozent, das höchste Niveau seit 2007. Ein ähnliches Bild zeigte sich in Deutschland, hier ging es auf 3,78 Prozent hoch, der höchste Stand seit fünfzehn Jahren. Die zehnjährige Bundesanleihe erreichte eine Rendite von 3,25 Prozent. In Frankreich wurde mit 4,9 Prozent der höchste Stand für 30-jährige Anleihen seit 2008 erreicht und in Großbritannien mit 5,86 Prozent der höchste Stand seit 1998. In Japan stiegen die Renditen für 30-jährige Anleihen auf das Rekordhoch von 4,14 Prozent.

Zu den Gründen für die Rekordjagd der Anleiherenditen gehören wachsende Inflationssorgen sowie die wachsende Konkurrenz von Unternehmensanleihen. Viele US-Techriesen wie Oracle, Meta oder Alphabet nehmen Anleihen in zweistelliger Milliardenhöhe auf, um ihre Investitionen in KI-Rechenzentren zu finanzieren. Um trotz des stark gestiegenen Angebots noch genug Anleiheinvestoren anzulocken, müssen die Unternehmen attraktive Zinsen bieten: Dies hat Auswirkungen auch auf den Markt für Staatsanleihen, wo die Kurse fallen und die Renditen entsprechend steigen.

„Rendite der Anleihen steigt parallel zu den Ölpreisen“

Hinzu kommt die Erwartung von Investoren, dass die Notenbanken die Zinsen in USA, der Eurozone und Japan mittelfristig wieder anheben werden, um den wachsenden Inflationsdruck zu bekämpfen. Mit dem steigenden Ölpreis steigen auch die Inflationssorgen: Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg zuletzt wieder deutlich über 90 US-Dollar je Barrel. Steigende Ölpreise gelten als Vorbote für eine wieder anziehende Inflation und treiben auf diese Weise die Anleiherenditen in die Höhe. „Die Renditen der dreißigjährigen Staatsanleihen folgen in der Regel den Ölpreisen“, sagte Mohit Kumar, Analyst beim Bankhaus Jefferies, gegenüber der Financial Times. 

Die Erwartungen steigender Zinsen setzt die Kurse von Anleihen unter Druck. Investoren verkaufen niedrig verzinste Anleihen in der Erwartung, in Kürze dafür höher verzinste Anleihen kaufen zu können. Fällt der Kurs einer Anleihe, steigt im Gegenzug die Rendite des mit einem festen Zinskupon ausgestatteten Zinspapiers.

Die steigenden Renditen am Anleihemarkt gingen zuletzt mit einem steigenden Goldpreis einher. Die Sorge über die wachsende Verschuldung der Staaten und über die schleichende Geldentwertung per Inflation hat den Preis für Gold in den vergangenen Wochen um knapp 10 Prozent in die Höhe getrieben. 

Finanzierung der staatlichen Schuldenberge wird immer teuer

Für Investoren am Anleihemarkt, die für ihr Geld eine höhere Rendite bekommen, ist das eine erfreuliche Entwicklung. Für die hoch verschuldeten Industriestaaten ist die Rekordjagd der Anleiherenditen dagegen weniger erfreulich: Für die Finanzminister wird es immer schwieriger, die Zinsen für die riesigen staatlichen Schuldenberge zu bedienen. Dies gilt vor allem für die USA, Frankreich oder auch Italien.

Die Aussicht, dass der Inflationsdruck nachlässt und die Preise für Öl, Energie und Getreide wieder fallen, ist gering. Eine baldige Lösung im Krieg zwischen den USA und Iran ist nicht in Sicht, nachdem ein Angriff auf ein Schiff in der Straße von Hormus gemeldet wurde. US-Kriegsherr Donald Trump (80) kündigt zwar fast täglich neue Verhandlungen an, doch die Blockade der Straße von Hormus besteht weiter. Unterdessen blockiert Kreml-Diktator Wladimir Putin (73) blockiert mehr als vier Jahre nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine die Weizenlieferungen durch Raketenbeschuss, um die Ukraine und deren westliche Partner zu schwächen. All diese Faktoren sorgen dafür, dass die Inflation auf einem hohen Niveau bleibt, und stärken die Erwartung steigender Zinsen.

„Die Hoffnungen auf eine baldige Entspannung haben sich ‌in den vergangenen Wochen wiederholt zerschlagen, eine Wiederbelebung des aufgekündigten USA-Iran-Abkommens scheint wieder in weitere Ferne gerückt“, sagt Analyst Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Dies könnte die Europäische Zentralbank (EZB) zu weiteren Zinserhöhungen zwingen, um die Teuerung zu bekämpfen.

Höhere Zinslast: Dem Bund droht eine Kostenlawine

Steigende Renditen ​sind für Finanzminister Lars Klingbeil (48) eine ‌schlechte Nachricht, da sie die Aufnahme neuer Schulden verteuern und den Spielraum für andere Ausgaben wie Investitionen oder Sozialleistungen einschränken. Kurzfristig sind die Mehrkosten nach Einschätzung von Experten überschaubar. Langfristig droht jedoch eine Kostenlawine.

Die Gesamtverschuldung von Bund, Ländern und Gemeinden in Deutschland steuert auf vier Billionen Euro zu, warnte Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) schon vor Monaten. Bei anhaltend hohen Zinsen könnten die jährlichen Zinskosten auf 120 bis 150 Milliarden Euro klettern. Experten warnen ‌vor einem Teufelskreis: Höhere Zinsen verteuern die Schulden, was den Schuldenstand weiter treibt und die Sorgen der Anleger erneut verschärft.

Deutschlands Investitionsoffensive hat ihren Preis

„Das milliardenschwere Infrastruktur- und Investitionspaket, das die Bundesregierung aufgelegt hat, hat seinen Preis“, sagt Maximilian Wienke, Marktanalyst beim Broker etoro. Investoren verlangen für lange Laufzeiten derzeit höhere Renditen: Gründe sind das wachsende Anleiheangebot, Inflationsrisiken und die lange Bindungsdauer des Kapitals.

Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und andere produktive Bereiche sind zwar dringend nötig und sollten das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft erhöhen, so Wienke. Ein Risiko für den Bundeshaushalt wäre jedoch eine Kombination aus steigender Verschuldung, hartnäckiger Inflation und schwachem Wachstum. Dann könnten die langfristigen Renditen dauerhaft auf hohem Niveau bleiben und den Schuldendienst verteuern.

Sorgen um Frankreich und Italien: Das Zins-Dilemma der EZB

Damit gerät die Europäische Zentralbank (EZB) in ein Dilemma: Zur Inflationsbekämpfung müsste sie den Leitzins von aktuell 2,25 Prozent in der Eurozone weiter anheben. Dies könnte jedoch hoch ‌verschuldete Euroländer wie Frankreich, Spanien und Italien in eine schwere Haushaltskrise stürzen und die Stabilität der gesamten Eurozone gefährden.

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Der Anstieg der ​Anleiherenditen betrifft die gesamte Euro-Zone. Länder wie Frankreich, Spanien und Italien sind wegen ihrer noch höheren Staatsverschuldung noch stärker betroffen als Deutschland. So stieg die Rendite für zehnjährige französische ​Staatsanleihen auf 4,0954 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit November 2008. Der Abstand (Spread) zwischen den ⁠deutschen und französischen Renditen weitete sich dadurch auf den ​größten Wert seit ​Oktober 2025 aus. Dies gilt als klares Zeichen dafür, dass Anleger das Risiko bei französischen Anleihen als höher einschätzen als bei deutschen. „Die Märkte konzentrieren sich zunehmend auf die Möglichkeit höherer Staatsausgaben in Europa“, sagt Analyst Gordon Kerr von ‌der Ratingagentur ‌KBRA. „Dies erhöht zusammen mit den Inflationssorgen den Druck auf die Renditen von langlaufenden Anleihen.“

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